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Let’s talk about EZ

Der Career Service der Uni Mainz talkt im Mai über  das Berufsfeld Internationale Entwicklungszusammenarbeit. Vorab spricht Dr. Regine Mehl, Leiterin des Postgraduierten-Programms am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik, über das Berufsfeld.

 

Was verstehen Sie unter dem Berufsfeld Internationale Entwicklungszusammenarbeit?
Die internationale EZ bezieht sich begrifflich nur auf die staatliche Handlungsebene. Ich plädiere für den auch im Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) gebräuchlichen Begriff „globale EZ“, der wesentlich integrierender angelegt ist und zivilgesellschaftliche Aktivitäten berücksichtigt. Der Begriff enthält vor allem den Aspekt des „Agierens auf Augenhöhe“, da Nord wie Süd sich „entwickeln“ müssen, um globalen und auch regionalen Herausforderungen wirksam begegnen zu können. Die globale EZ umfasst alle Politikbereiche, die die Eckkomponenten des menschlichen Lebens und Zusammenlebens berühren.

 

Welche besonderen Aufgaben/Herausforderungen gibt es Ihrer Meinung nach in der EZ?
Angesichts massiver Zerfallsdynamiken vieler noch kürzlich sehr geläufiger Ordnungsmuster gibt es zum globalen Agieren keine Alternative mehr. Das hat nicht zuletzt im Rahmen des Pariser Klimaabkommens und der Agenda 2030 selbst die Staatenwelt verstanden – wenn auch womöglich zu spät. Klima, Kriege, das auf Wachstum ausgerichtete kapitalistische Wirtschaftssystem und der immer krasser werdende Gegensatz zwischen unvorstellbarem Reichtum samt Überfluss auf der einen und der exponentiell steigenden Armut auf der anderen Seite sind die vier  größten Herausforderungen, aus denen sich alle anderen ableiten lassen.

 

Welche Kompetenzen und Kenntnisse (sowohl persönlich als auch formal) sollten Interessierte für dieses Berufsfeld aufweisen?
Soweit es sich um die Steuerungsebene der bi- und multilateralen EZ handelt müssen Interessierte fachlich breit aufgestellt, mental extrem flexibel und mutig sein und sich auch zutrauen in schwierigen Ländern arbeiten zu können. Sie müssen die Klaviatur der sozialen Medien und das Multitasking beherrschen. Sie müssen ziemlich stressresistent sein, gut delegieren können, aber auch das Team anhören,  Probleme wahrnehmen und möglicherweise im Team lösen können.

 

Welche Fachrichtungen sind üblicherweise in diesem Berufsfeld vertreten? Gibt es auch die Möglichkeit eines Quereinstiegs?
Alle Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Geographie und Regionalwissenschaften. Quereinstiege in die Steuerungsebene sind schwierig, gehen aber gut, wenn man eine eher naturwissenschaftlich-technische Ausbildung hatte: Hier kann man über Engagement Global in die TZ (technische Zusammenarbeit) – oder mit anderem Hintergrund in die EZ-Bildungsarbeit einsteigen.

 

Ist ein Praktikum im Ausland bei einer internationalen Organisation oder bei NGOs ein Muss-Kriterium bzw. kann dieses als Sprungbrett angesehen werden? Wie sieht es mit ehrenamtlichen Engagements aus, sind diese unverzichtbar?
J
a, vor allem sollten diese Praktika im globalen Süden absolviert worden sein – bei fast allen Organisationen der EZ und der politischen Steuerungsebenen ist das ein Muss-Kriterium. Ehrenamtlichkeit ist eine tolle Ergänzung des beruflichen Engagements – das eine schließt das andere nicht aus.

 

Haben Sie Tipps für Studierende, die sich für die Internationale Entwicklungszusammenarbeit interessieren?
Einschlägige Masterstudiengänge studieren (z.B. „Global Development“); Praktika im globalen Süden; danach Fortbildungsprogramm wie im DIE oder bei SLE (Humboldt-Uni) oder NADEL (Zürich) oder Mercator-Programm. So wird der Einstieg in den Beruf vorbereitet und durch besondere Beziehungen zu den beruflichen Abnehmern Türen geöffnet.

Autor: 
Rosanna Götz
Ressort:
Service
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