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Polster aus Zement
An der Fachhochschule Mainz entsteht Möbeldesign aus ungewöhnlichem Material.
Eine Heizung aus Beton, ein Barhocker aus Styropor, eine Lampe aus Nudeln – woraus man alles Möbel machen kann, ist unglaublich. Wobei „Möbel“ das falsche Wort ist, man sagt besser „Raumelemente“. So nennt es zumindest Prof. Dr. Bernd Benninghoff von der Fachhochschule Mainz, der mit seinen Studenten das Kooperationsprojekt „Material als Design-Impuls“ durchführt. Das Projekt gibt es schon seit mehreren Jahren – so sind auch schon Möbel, Entschuldigung, Raumelemente, aus Keramik und Glas entstanden. „Wenn man sich einfach einen neuen Tisch oder Stuhl ausdenkt, dreht man sich im Kreis“, meint der engagierte Professor, „wirkliche Innovation entsteht durch neues Material und Produktionstechnologien“. Das fand man auf der diesjährigen Möbelmesse in Köln auch und zeichnete die Mainzer Innenarchitekturstudenten mit der internationalen Preis „Best Product Design 2011“ aus.
„Wenn es Rollrasen gibt, warum dann nicht auch Rollbeton?“
Das Ergebnis ist etwa der Rollbeton von Lena Sobotta und Marlen Boller, aber es beginnt mit der Suche nach einem interessanten Material und einem passenden Kooperationspartner aus der Industrie. Das außergewöhnliche Material entdeckte Benninghoff im Cocoon Club in Frankfurt. Dort sieht eine Wand aus, als sei sie aus Kunststoff – tatsächlich ist sie aber aus Beton. Dann lernte er Christian Egenter kennen, den Geschäftsführer der Firma, die die Wand gestaltete. Egenter war von dem Projekt sofort begeistert. Zusätzlich wurde noch ein Kooperationspartner für das Rohmaterial gewonnen, die Dyckerhoff AG aus Wiesbaden. Um dessen Zement „Flowstone“ auszutesten fuhren die sechzehn Studenten zu einem Workshop nach Freiburg.
„Das Denken in Negativen war am Anfang sehr schwierig“, erinnert sich Studentin Stefanie Roßley an die Entwurfsphase. „Jede Unebenheit in der Hülle zeichnete sich ganz feinporig ab“. „Flowstone“ ist ein sehr dünnflüssiger Zement, der so auch sehr feine Formen ermöglicht – umso präziser muss aber die Gusshülle ausgearbeitet sein. Also testeten die Studenten das ungewohnte Material erstmal an kleinen Formen und Produktideen. „Das Verrückte ist: Es muss immer eine Hülle um einen Luftraum gebaut werden, das ist ein ganz neuer Entwicklungsprozess“, beschreibt Benninghoff die Schwierigkeit des Design-Ansatzes. Die Beratung durch die Kooperationspartner war daher sehr wichtig. „Sie haben uns immer gesagt, was möglich und was zu kompliziert war oder was in der Ausarbeitung zu lange gedauert hätte“, erzählt Evelyn Kurpas. Sie arbeitete zusammen mit Tiffany Böhme den Beton-Heizkörper „Conchreat 106“ aus, wobei die 106 für die Anzahl der unterschiedlichen Dreiecksflächen steht. Die Idee zu diesem modernen Kachelofen hatten sie von der Fußbodenheizung. Auch hier dient Beton als Wärmespeicher – warum dann nicht auch an der Wand?



















