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Tierversuche: Wer nicht will, muss nicht

Ob Maus, Flusskrebs oder Spulwurm, in der Biologie landen sie einmal pro Semester auf dem Tisch. Tot. Das wird sich künftig jedoch ändern.

 

Soll man im Biologiestudium tote Tiere sezieren müssen? Die Hochschulgruppe CampusGrün forderte vergangenen Sommer ein Ende der Sezierpflicht an der Uni Mainz und rief zur Einstellung der Tierversuche sowie der Eindämmung des Tierverbrauchs. Es folgte eine längere Debatte und viel mediale Aufmerksamkeit. Damit war das Thema jedoch noch lange nicht vom Tisch. Natürlich sind wohl alle Studis gegen Tierquälerei, aber worum genau geht es eigentlich?

 

Tiere in der biologischen Forschung
Man muss zunächst einmal unterscheiden zwischen Tierverbrauch und Tierversuch. Bei Letzterem bedient man sich lebendiger, meist betäubter Tiere zu forschungsrelevanten Eingriffen wie der Entnahme von Gewebeproben, wobei nachhaltige Schäden entstehen können. Tierverbrauch bezeichnet dahingegen die Aufwendung extra getöteter Tiere. „Kein Student muss beziehungsweise darf Tiere für den Unterricht töten, da gelten gesetzliche Richtlinien, die einzuhalten sind“, erklärt Elena Kraft von der Fachschaft Biologie. Bei 350 Studierenden im Jahr und acht verschiedenen Tieren, von denen die meisten in Partnerübungen behandelt werden, ergibt sich laut Professor Markl, Geschäftsführender Leiter des Instituts für Zoologie, ein Durchschnittsverbrauch von sechs Tieren pro Student und Studium, wie aus einem Infoblatt zum Tierverbrauch hervorgeht. Er klärt auch die Herkunft der verbrauchten Tiere auf: Meist stammen diese aus Züchtungen für den Feinkosthandel (beispielsweise Flusskrebs, Forelle oder Weinbergschnecke), vom Schlachthof (Spulwürmer aus Schweinemägen) oder aus speziellen Züchtungen wie der universitätseigenen Mäusezucht zu biomedizinischen Zwecken. Im Biologiestudium gehört das Sezieren und Präparieren von Tieren zu den Grund- und Pflichtübungen, in der einschlägigen Berufswelt sind diese Fertigkeiten  nicht selten essentieller Bestandteil der Arbeit und daher Voraussetzung. „Jeder, der Biologie studiert, ist sich eigentlich im Klaren darüber, dass an Tieren gearbeitet wird“, meint Elena. Proteste und Beschwerden, wie sie die Tierschutz AG des AStA bereits 2005 zum ersten Mal lautwerden ließ, hat sie bisher von keinem einzigen Biologiestudenten gehört.  „Natürlich liegt jedem Biologen viel am Leben von Tieren, nur geht leider biologische Forschung nicht ohne Tierverbrauch.“  Auch Professor Markl beteuert in seinem Informationsschreiben, dass in keiner einzigen Evaluation der betreffenden Kurse jemand der Sezierpflicht widersprochen habe.

 

 

Autor: 
Johannes Kraus & Teresa Onißeit
Ressort:
Campusleben
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