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mastodon_james-minchin.jpgFoto: James Minchin

























Mastodon in der Batschkapp Frankfurt, 10.2.10

Mit den Urviechern durch Raum und Zeit

Von Jonas Trautner


Frankfurt, ca. 22 Uhr Ortszeit. Das Licht geht aus, vier Männer schlurfen auf die Bühne der Batschkapp. Was zunächst ins Auge fällt ist ihre Haarpracht. Mit den zottigen Mähnen und Bärten sehen sie aus wie gerade aus der Einsiedlerresidenz gekrochen und machen dem Urviech, nach dem sie sich benannt haben, alle Ehre. Nur der Schlagzeuger sitzt gut rasiert und frisiert hinter seinem Drumset. Das sind also Mastodon, der neue Stern am Metalhimmel. Queens Of The Stone Age-Mastermind Josh Homme sowie The Mars Volta haben sich bereits vor Jahren als begeisterte Fans der Truppe geoutet. Und dass sie was können, scheint sich inzwischen auch in Deutschland herumgesprochen zu haben, denn die Batschkapp ist gut gefüllt.

Geradezu majestätisch erklingen die ersten Akkorde von „Oblivion", dem Opener des aktuellen Albums „Crack The Skye". Die epischen Klanglandschaften weichen allerdings schnell brachialen Metalriffs. Denn nicht nur Aussehen und Bandname harmonieren prächtig, auch der Sound von Mastodon ist passend. Schließlich führt sich ihre Musik auf wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen. Was dem Drummer an Behaarung fehlt, macht er mit seiner animalischen Spielweise locker wett. Metal und Progressive Rock werden wild gemischt. Dabei gelingt es der Band, niemals peinlich oder angeberhaft rüberzukommen. Mastodon sind keine Poser, man merkt ihnen jederzeit an, dass ihre Musik von Herzen kommt.

Am heutigen Abend wollen sie das Publikum auf eine Reise mitnehmen. Deshalb rocken sie „Crack The Skye" am Stück herunter. Das ist auch angemessen, schließlich handelt es sich dabei um ein Konzeptalbum, auf dem in losen Assoziationen die Geschichte eines querschnittsgelähmten Kindes erzählt wird. Dieses unternimmt eine spirituelle Reise durch Raum und Zeit, die es unter anderem ins russische Zarenreich führt. Genauso abgefahren und krude wie diese Story sind auch die auf die Musik abgestimmten Filme und Animationen, die auf einem die Bühnenbreite füllenden Bildschirm im Hintergrund laufen. Zwischenansagen werden weder gemacht noch benötigt, denn die audio-visuelle Breitseite steht für sich. Zwar hat „Crack The Skye" gerade mal sieben Stücke, aber die bringen es auf gut 50 Minuten Musik.

Nach diesem epischen Teil des Abends ist dann noch eine Auswahl aus Songs der vorangegangen drei Alben, die noch heftiger und rauer klingen. Hierbei können sich Mastodon so richtig austoben. Es überrascht jedoch, dass die Band sich größtenteils älteren Liedern widmet und nur einen Song vom Durchbruchswerk „Blood Mountain" spielt. Dadurch bleiben leider auch einige der Publikumslieblinge auf der Strecke, „Colony Of Birchmen" oder „The Wolf Is Loose" etwa. Und als das Licht angeht, überkommt einen im ersten Moment die Enttäuschung, dass die Band keine Zugabe mehr spielen wird. Doch diese weicht bereits nach wenigen Augenblicken dem wohligen Gefühl, gerade ein richtig gutes Rockkonzert erlebt zu haben. Und ein kühles Bier im Backstagebereich haben sich Mastodon nach diesem schweißtreibenden Auftritt wirklich verdient.