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Europäische Blickwinkel

Studierende und Lehrende des Fachbereichs Gestaltung der FH Mainz bereisten den europäischen Kontinent, um die drei Kulturhauptstädte Europas 2010 fotografisch festzuhalten. Die Arbeiten aus Essen, Pécs und Istanbul sind bis zum 26. Februar in der Ausstellung „Quer durch Europa“ im Abgeordnetenhaus Rheinland-Pfalz zu sehen.

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Foto von Daniel Rettig: Romajunge Tibor Ignace im Wohnzimmer seiner
Schwiegereltern im Roma-Dorf Alsoszntmarton in der Nähe von Pécs (Ungarn).


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Foto von Judith Wallerius: zwei türkische Kinder auf einem Balkon im Istanbuler Stadtteil Süleymaniye.

Wie sieht Europa aus? Was charakterisiert ein Land? Wo steht Europa heute, jetzt? Diesen Fragen sind Studierende der FH Mainz im Bereich Gestaltung nachgegangen. Ab dem Jahr 2007 besuchten sie die drei Kulturhauptstädte Europas von 2010: Essen, Pécs und Istanbul. Herausgekommen sind unzählige Fotografien, welche das Leben im Ruhrgebiet, in Südungarn und am Bosporus dokumentieren.

Noch bis Ende Februar können die Ergebnisse dieses ungewöhnlichen Fotoprojekts bewundert werden. Man fühlt sich bestätigt in seinen vagen Vorstellungen, welche man von den drei Städten hat. Kohle-Abbau in Bottrop, spielende Roma-Kinder in einem Stadtteil von Pécs oder verhüllte Muslime in Istanbul. Doch die Studierenden und ihre begleitenden Dozenten dokumentieren mehr als das. Sie zeigen den Alltag in den drei Städten, fernab von Stereotypen und Klischees. Türkische Betreiber einer Bäckerei in Altenessen, ungarische Wohnzimmer und Homosexuelle in Istanbul sind nicht weniger interessant als Essener Sporttreffs, ungarische Wohnblocks oder Silberschmiede in Istanbul. Die Fotografien zeigen die Gesellschaft, so wie sie heute ist. Neben einem Gymnasium für Roma-Kinder stellen die Fotos wütende Fäuste ungarischer Nationalisten dar. Ebenso wird der Kampf des Ruhrgebiets nach einer neuen Zukunft dargestellt, die irgendwo zwischen Kohleabbau und Konsumwahnsinn liegen mag. Und Istanbul ist sowohl reformorientiert als auch religiös-konservativ. Das ist möglich. Die Ausstellung ist insgesamt der Versuch, diese drei so unterschiedlichen Städte und ihre Menschen fotografisch zu beschreiben, Bilder der Realität wiedergeben zu können. Und das ist den Studierenden wirklich gut gelungen.

Engagement auf eigene Kosten

Drei Jahre lang, von 2007 bis 2009, nahmen die Studierenden und Lehrende des Fachbereichs Gestaltung der FH Mainz an dem europäischen Fotoprojekt teil. Stefan Enders, Dozent für Fotografie an der FH Mainz und Leiter jener ausländischen „Bildungsreise", organisierte den außerplanmäßigen Studienaufenthalt. Besonders bemerkenswert ist, dass sämtliche Reisekosten von den Studierenden und Lehrenden selbst übernommen wurden. Beweis genug für die Motivation der Studierenden, welche in drei Etappen 2007 Istanbul, im Juni 2009 Pécs und im November 2009 Essen ablichteten. Auch in Zukunft hofft Enders, derartige „Fotoreisen" den Studierenden ermöglichen zu können. Denn nicht nur die neue Umgebung, sondern auch der direkte Kontakt mit Menschen ist immer wieder aufs Neue reizvoll.

 

Quer durch Europa - die drei Europäischen Kulturhauptstädte 2010:

von Essen über Pécs nach Istanbul

Foyer des Abgeordnetenhauses des Landtags Rheinland-Pfalz

bis 26. Februar, täglich von 8 bis 18 Uhr

www.landtag.rlp.de


Text: Daniel Hadwiger