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Frauen und Technik

Am Internationalen Frauentag sollte auch den Frauen in der Wissenschaft, besonders in den Naturwissenschaften, gedacht werden. Denn Männer waren im Elfenbeinturm unter sich, und es brauchte mutige Frauen, um die Tür aufzubrechen.

von Cordula Schieferstein  //  Der 8. März geht auf einen Arbeiterinnenstreik in St. Petersburg von 1917 zurück, der als Auftakt zur Februarrevolution und damit als Beginn des Sozialismus bzw. Ende der Zarenherrschaft in die Geschichte einging. Die bereits damals aktive, europaweit um sich greifende Frauenbewegung focht für das Recht auf Wahlen, Gleichberechtigung beim Lohn und Arbeitsschutzgesetz sowie besonderen Schutz von Schwangeren, Müttern und Kindern. Eng verbunden mit sozialistischen und kommunistischen Überzeugungen beleuchtete die damalige Frauenbewegung, so ist zumindest der Eindruck, vor allem die Situation der Arbeiterinnen. Aber wie sah es bei den studierten Frauen aus, die in der Männerdomäne Wissenschaft, vor allem der Naturwissenschaft, ihre Berufung sahen?
Als Elise Meitner 1907 als frisch promovierte Physikerin die Universität in Wien verließ, an der sie eine der ersten Studentinnen des Faches Physik und der Universität generell gewesen war, um in Berlin bei keinem geringeren als Max Planck weiter zu lernen, wurde sie mit Diskriminierungen konfrontiert, die in ihrer Absurdität schon an Lächerlichkeit grenzen. Max Planck selbst sprach sich offen gegen „Frauenzimmer" an der Universität aus, erkannte bei Elise Meitner allerdings ihre Brillanz und erlaubte ihr den Zutritt zu seinen Vorlesungen. Ihr Arbeitsplatz lag im Keller der Chemie, vom Chemiker Otto Hahn zum Labor umgebaut. Dort gab es einen separaten Eingang, damit sie, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen, nicht durch das Institut laufen musste - allein ihr Anblick war nicht erwünscht. Für die Wissenschaft allerdings erwies sich diese Verbannung als äußerst fruchtbar, wurde schließlich dort der Grundstein für Meitners und Hahns interdisziplinäre Forschungsgemeinschaft gelegt, deren Höhepunkt die Entdeckung der Kernspaltung darstellte. Trotz ihrer schon frühen Erfolge in der Physik und der daraus resultierenden Anerkennung und Hochachtung von Kollegen wie Albert Einstein und Marie Curie, war sie über Jahre nur die inoffizielle Assistentin von Max Planck und musste bei Projekten teils unentgeltlich arbeiten. In ihrer Karriere hinkte sie bei gleicher Leistung ihrem engen Kollegen Otto Hahn stets um Monate und sogar Jahre hinterher. Erst 1918 erhielt sie eine leitende Position in einer physikalischen Abteilung, erstmals mit entsprechend finanzieller Vergütung. 1922 folgte die Habilitation.
Diese und weitere Biographien aus der Zeit der ersten Frauenbewegung offenbaren, dass das Studium für die Frau um die Jahrhundertwende in vielen Städten zwar schon möglich, aber das Arbeiten in der Wissenschaft und Forschung offensichtlich weiterhin eine Männerdomäne war. Die Rolle der Wissenschaftlerin war notgedrungen die der Assistentin. Ein erster Wandel vollzog sich im Jahre 1918 mit dem Ende des Krieges und dem Beginn der Weimarer Republik, die den Frauen gestattete, sich zu habilitieren.
Und heute? Keine Studentin oder Absolventin wird solch einem steinigen Weg gegenüberstehen. Aber dennoch sind höheren Posten in wissenschaftlichen Einrichtungen noch stark männerdominiert. Laut der Hochschulstatistik von 2006 liegt der Frauenanteil bei Professoren und Dozenten beispielsweise an der Mainzer Uni bei nur 15 Prozent. Eine Bilanz, die sich in Zukunft hoffentlich stärker angleichen wird: Immerhin sind 57 Prozent der Mainzer Studenten (Hochschulstatistik 2009) weiblich. Der Frauenanteil bei Promotionen lag 2006 bei 47 Prozent und bei Habilitationen 2005 bei 38 Prozent.