
Florence and the Machine in der Batschkapp Frankfurt, 25.2.10
Zu kurz und zu klein
Von Matthias Schmidt
Nicht alle Tage passiert es, dass in der Batschkapp in
Frankfurt frischgebackene Brit Awards-Gewinner spielen. Natürlich war das
Konzert von Florence and the Machine Ende Februar deshalb auch schon lange im
Voraus ausverkauft. Und obwohl die Karten über 20 Euro gekostet hatten,
dauerten die Umbaupausen an dem Abend länger als das Konzert selbst. Die Schlange vor der Batschkapp reichte schon eine halbe
Stunde vor Einlass bis auf die Straße. Die Zuschauer mussten im Regen ausharren
- selbst Garderobe und Merchandise-Stand waren nach draußen verlegt worden.
Trotzdem ging es pünktlich wenige Minuten nach neun mit der
Vorband, der Sian Alice Group, los. Die Band hatte noch wenige Tage vor dem
Konzert im Internet nach einer Schlafmöglichkeit gesucht, Konzerttickets sollte
es im Austausch geben. Anscheinend hat das geklappt, und das war auch gut so. Denn
obwohl die Londoner Band schon nach 25 Minuten die Bühne verließ, wusste sie in
der kurzen Zeit doch zu überzeugen. Die Musik war zwar etwas sperriger als die
des Hauptacts, aber spätestens, als Sängerin Sian Ahern eine Triangel - eines
der unterschätztesten Instrumente überhaupt - herausholte, wusste man, dass man
die Band im Auge behalten sollte.
Nachdem die Gruppe die Bühne nach nur wenigen Liedern
verließ, hieß es aber erst einmal wieder warten. Fast eine dreiviertel Stunde
musste umgebaut werden, vor allem das Stimmen der Harfe dauerte seine Zeit. Als
dann Florence Welsh zusammen mit ihrer Band endlich die Bühne betrat, rastete
das Publikum dann allerdings aus. Gut, Mädchen im Teenager-Alter und deren
Eltern sind sicher einfacher zu begeistern als die Musiknerds, die auf anderen
Konzerten häufig einen Großteil des Publikums ausmachen, aber auch diese Gruppe
von Menschen schien sich durchaus zufrieden. In relativ schneller Geschwindigkeit und ohne große
Zwischenmoderationen wurde so ziemlich das gesamte Debütalbum „Lungs"
heruntergespielt. Überhaupt fand, abgesehen von der Aufforderung bei manchen
Liedern, gemeinschaftlich in die Luft zu springen, wenig Interaktion mit dem
Publikum statt. Mit einem verstört-leeren Blick und viel zu pathetischen
Armbewegungen bewegte sich Florence Welsh über die Bühne, auf der allen Ernstes
eine kleine Windmaschine aufgebaut war. Vielleicht hatte diese geistige
Abwesenheit aber auch einen ähnlichen Grund wie die Kürze des Konzertes: Dem
Vernehmen nach war die Sängerin an dem Abend gesundheitlich angeschlagen. Im
Zweifel für den Angeklagten, und für gesundheitliche Probleme kann ja niemand
etwas.
Leider
wurde aber schon relativ zu Anfang mit „Kiss with a fist" eines der absoluten
Highlights verschossen. Bei dem Song, dem wohl rockigsten im gesamten
Repertoire, war die Stimmung im Publikum denn auch so gut wie an wenigen
anderen Stellen während des Konzertes. Mithalten konnte da vielleicht noch die
Zugabe, der kommerziell gesehen wohl größte Erfolg „You've got the love".
Allerdings schien zu diesem Zeitpunkt schon sicher, dass man für solche Musik
vielleicht größere Bühnen braucht - der nur wenige Tage alte Auftritt bei den
Brit-Awards sah zumindest im Fernsehen irgendwie bombastischer aus.
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