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Tüchlein, Tüchlein an der Wand

Inmitten von Dönerläden und Barbiershops eröffnete die Ringstube in der Mainzer Neustadt am 9. Juni die Ausstellung „Träger“, die Arbeiten von Künstler aus Karlsruhe und Düsseldorf präsentiert.

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Die Exponate der drei Künstler Egor Galouzo, Isabella Gerstner und Hiroyuki Murase, die auf den ersten Blick wie zusammen gewürfelt im Raum stehen, haben alle das Assoziative und Poetisch-Künstlerische gemeinsam. Jede Arbeit will die Vorstellungskraft und Verknüpfung von Ideen beim Betrachter wecken und ist dabei ausdrucksstark und zurückhaltend zugleich. Man wird inspiriert und trotzdem ist alles offen.

Am Anfang war das Wort

Die Werke von Isabella Gerstner begegnen einem schon im Eingangsbereich: zwei große, schwarze Dreiecke scheinen mit dem Türrahmen verwachsen zu sein und eröffnen den Ausstellungsraum. Dieser wird durch eine weitere Arbeit Gerstners zweigeteilt. Den Impuls für ihre Arbeiten liefern Wortspiele oder selbst verfasste Texte. Diese geben ihr die Idee für eine Form ihres Kunstwerkes. Doch die Idee vom Anfang verändert sich meist während des sukzessiven Schaffens, da das Material, das sie formt, sich nicht immer ihren Vorstellungen fügt. So tritt sie in einen Dialog mit dem Material. Dieser Prozess ist langwierig und welches Bild sich hinter ihrem Schaffen schließlich versteckt kann jeder Betrachter für sich entdecken.

Wer hätte gedacht, dass Batiken zur Kunst werden kann?

Hiroyuki Murase spielt mit den verschiedenen ästhetischen Gewohnheiten von Asien und Europa und so stehen seine gebatikten Tücher in der Mitte des Raums zwischen Kunst und Kitsch. Für seine Art der Provokation wählt er zum Beispiel auch die prädestinierte Keramik. Vor den minimalistischen Motiven kann man lange verweilen und der Assoziation freien Lauf lassen: von ägyptischen Hieroglyphen bis hin zu Hippie-Tüchern scheinen sie jede Vorstellung zuzulassen.

Klein, aber oho

Der weiße Fenstersims ohne Fenster von Egor Galouz soll sich wie ein Fremdkörper auf der weißen Wand der Ringstube breit machen. Galouz bedient sich für seine Arbeiten an Alltagsformen und verleiht ihnen durch Reduziertheit Eigenstabilität, denn dadurch, dass er ihnen die Funktion nimmt und sie nackt in den Raum stellt, erlangen sie ihre Bildhaftigkeit. Den Sims variiert er auch gerne und arbeitet ihn mal groß, mal klein, mal rund - und was könnte assoziativer sein als ein nicht-vorhandenes Fenster?

Die Ausstellung „Träger" wird am 10. Juli um 22 Uhr mit einem Gig der drei Künstler abgeschlossen.

 

Ringstube präsentiert „Träger"

bis 10. Juli

Ringstube, Kaiser Wilhelm Ring 40, Mainz

www.ringstube.de

 

Text und Fotos: Patrizia Pankalla