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„Was treibt einen wirklich an?“

Die aktuelle Ausstellung der Kunsthalle Mainz zeigt unter dem Titel „fail better 3“ Werke von Studierenden der Akademie für Bildende Künste Mainz. Die STUZ sprach mit Michael Schwarz, der im neunten Semester an der Filmklasse der Akademie studiert und gerade seinen Diplomfilm vorbereitet. Zusammen mit dem Kameramann Alexander Griesser hat er die Produktionsfirma „nachtschwärmerfilm“ gegründet. In der Ausstellung ist er mit zwei Videoarbeiten vertreten.

michael_schwarz_260r_0.bmpSTUZ: Welches sind deine Inspirationsquellen?

Michael Schwarz: Wir sind ja im Filmbereich hauptsächlich dokumentarisch unterwegs, von daher inspirieren mich in erster Linie Menschen und ihre verschiedenen Lebenskonzeptionen. Das ist auch für die eigene Verortung immer wieder extrem spannend - wie lebt man „richtig", welche Prioritäten setzt man, was treibt einen wirklich an?


Seit wann bist du künstlerisch aktiv?

Hm, schwierig, ich hab' eigentlich schon immer gern beobachtet, und es gerade in der Pubertät genossen, mich hinter Foto- und Filmkamera zu verstecken. Nach dem Abi wollte ich konsequenterweise Kameramann werden, habe aber dann im Kopierwerk bemerkt, dass mir das zu technisch ist. Nach ein paar Filmjobs hat sich dann die Regie herauskristallisiert, und so hab' ich Film- und Theaterwissenschaften studiert und gleichzeitig mit dem Filmemachen angefangen...


Gibt es in Mainz und Umgebung noch andere Möglichkeiten für junge
Künstler, ihre Werke auszustellen?

Klar, da gibt's in Mainz das Pengland, den Ausstellungsraum Ringstube und natürlich den Rundgang an der Akademie. Für uns Filmleute sind aber vor allem die Festivals interessant: in Mainz das FILMZ, in Wiesbaden zum Beispiel das goEast und das exground und die Lichter Filmtage Frankfurt.

alexander_griesser.jpgBietet Mainz genug Möglichkeiten für junge Künstler? Oder spielst du
schon mit dem Gedanken, in eine Metropole wie Berlin zu ziehen?

Ich glaube nicht, dass alles einfacher wird, nur weil man als Künstler kurz mal nach Berlin umzieht - da sind schon andere auf die Idee gekommen. Sicherlich gibt's Städte mit mehr Spannungspotential und einem größeren kulturellen Angebot, aber zum Arbeiten finde ich eine überschaubare Stadt wie Mainz nicht verkehrt - und die Nähe zu arte, 3sat und ZDF ist für Filmemacher natürlich auch reizvoll. Großes Manko ist aber die fehlende Landesfilmförderung, wie es sie in fast jedem anderen Bundesland gibt. Will man hier einen Film realisieren, ist man auf überschaubare Fördermittel der Uni angewiesen oder muss das Glück haben, Referenzfilmförderung vom Bund zu erhalten.

km_michael_schwarz-advent_260ur.bmpWelche bekannten Künstler gibt es, die an deiner Klasse der Akademie für Bildende
Künste ihren Abschluss gemacht haben?

Aus der Filmklasse ist zum Beispiel die Regisseurin Erica von Moeller hervorgegangen, deren „Fräulein Stinnes fährt um die Welt" mit Sandra Hüller vergangenes Jahr im Kino lief. Davor hatte sie bereits einen anderen Langfilm mit Nina Hoss realisiert: „Leben mit Hannah".


Hast du schon bei anderen Ausstellungen mitgewirkt?

Die beiden Arbeiten, die gerade in der Kunsthalle zu sehen sind, waren schon im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden und auf der Medienkunstausstellung „v_kunst frankfurt" zu sehen, außerdem wurde mein Film „Lebenslauf" auf der Mainzer Kunstmesse „Kunst direkt" präsentiert und erfreulicherweise auch vom Land angekauft. In erster Linie laufen die Filme aber weniger im Ausstellungskontext, sondern auf Festivals.

 

Mehr Infos gibt es auf: www.nachtschwaermerfilm.com

Die Filme von Michael Schwarz sind noch bis zum 1. August in der Ausstellung „Fail better 3" in der Kunsthalle Mainz zu sehen.

Fail better 3

bis 1. August

Kunsthalle Mainz www.kunsthalle-mainz.de

 

Das Interview führte: Hanna Belz

Auf den Fotos: Michael Schwarz (oben) / Alexander Griesser (unten)

Fotos von: privat