STUZ-Logo titel123_94px.jpgspacertitel_124_94px.jpgspacerstuz_titel_94_0.jpgspacertitel_sep10_94_0.jpgspacer
STUZ-Blog spacer
spacer
spacer
STUZ-Blog spacer
Schiller räubert in Mainz

Regieanweisungen werden mitgesprochen, 20 Männer und eine Frau werden von fünf Frauen und einem Mann gespielt, jeder spielt jeden. „Die Räuber“ und der dritte Jahrgang der Schauspielschule Mainz.

ruber_img_2560_500.jpg

von Johannes Kraus // „Auf dem Gelände nach den Schranken geht gleich rechts ein schmaler gepflasterter Weg. Dann das erste Gebäude rechts und von den beiden Türen steht die rechte offen. Die Scheune befindet sich am Ende des Flures rechts neben der Treppe. Es ist nicht so schwer, wie es sich anhört."

So die Wegbeschreibung, um die Probe des dritten Jahrgangs der Schauspielschule Mainz zu Schillers „Räuber" zu erreichen. Eine Inszenierung, die sich dem schwergewichtigen, pathetischen Werk von 1782 mit Respekt, moderner Haltung und intelligentem Witz nähert. „Zu viel Pathos wirkt heute lächerlich", sagt Andreas Mach, Regisseur der Inszenierung, Dozent und Schulleiter der Schauspielschule. „Man muss nicht immer gleich alles aufladen, sondern lieber mehr auf intellektueller Ebene bleiben." Zudem dürfe man sich ruhig trauen, behutsam zu kürzen, was heute einfach veraltet ist. Das tut die kleine Gruppe auch. Und siehe, auch Schiller muss nicht immer so schwer sein, wie er sich anhört.

Franz: „Bin ich doch ohnehin schon bis an die Ohren in Todsünden gewatet, dass es Unsinn wäre, zurückzuschwimmen [...]."

Das mir beschriebene Gebäude steht inmitten vieler Bäume, ist Teil eines kleinen gemütlichen Gehöfts. Bauernhof-Jugendherbergs-Waldklause-Stimmung liegt in der Luft. Alles wirkt liebevoll verwachsen und koordiniert wild. Nur leises Straßengeräusch von jenseits der grünen Umgrenzung und ein paar gackernde Hühner. Hier könnten Schillers Räuber wahrhaft ihr Lager aufgeschlagen haben. Die Atmosphäre passt.

Die traditionelle große Inszenierung des dritten Schauspieljahrgangs wird seinen Rahmen im Kultursommer Rheinland-Pfalz finden. Das Motto der Spiele: „Über Grenzen". Mach: „Wir haben dieses Stück gewählt, weil es von Personen handelt, die Grenzen in zweierlei Hinsichten überschreiten. Zum einen überschreitet der Räuber Karl Moor geografische Grenzen, zum anderen auch menschliche. Er mordet." Ebenso sein Bruder Franz. „Zudem", so Mach weiter, „hat schon Schiller Grenzen überschritten. Geografische, indem er aus dem Württembergischen nach Mannheim floh, und menschliche, indem er das Verbot missachtete, genau das nicht zu tun." Eine Flucht, die ihn nach eigenen Angaben „Familie und Vaterland" kostete.

Moor: Du weinst, Amalia? - Amalia: SCHNELL AB!

Magdalena Höfner, Daniel Kröhnert, Viktoria Lewowsky, Julia Panzilius, Lisa Parise und Gina Wolff Metternich. Gemeinsam mit Andreas Mach proben sie Szene für Szene. Zwischendurch werden die Figuren immer wieder durchleuchtet und ergründet, die Sprache erforscht und trainiert, die Situationen besprochen und neu entdeckt. Auch die Regieanweisungen, wertvolles sprachliches Erbe, werden mitgesprochen. Das lockert auf, unterstreicht Personen, Gefühle und Vorgänge. Und dann sind da noch die Lieder. Schiller hat zwar die Texte geschrieben, aber keine Kompositionen dazu. Die will das Ensemble selbst anfertigen. Die wohl größte Herausforderung ist die Besetzung. Rund 20 Leute werden von dem Sechserpack gemimt. Immer abwechselnd. Dazu bedienen sie sich verschiedener „Wanderkostüme". Figuren werden durch spezifische Kostümteile geprägt. Zum Beispiel tragen alle Moors etwas Rotes. Franz eine Mütze und Karl einen Schal. Das klingt vielleicht kompliziert, aber so schwer, wie es sich anhört, ist es auch hier natürlich nicht.

Premiere ist am 27. August 2010 um 20 Uhr und es wird sich lohnen. Drei Jahre Schauspielunterricht zahlen sich hier wahrlich aus. Mit jedem Probendurchlauf wurde das Spiel nuancierter, die Atmosphäre greifbarer. Da entwickelt sich was. Die sechs Räuber bringen einen jungen, elanvollen und packenden Schiller auf die Bühne, das ist sicher. Aufgeführt wird im Übrigen in der bereits erwähnten „Räuberhöhle", in dem ersten Gebäude rechter Hand am schmalen Pflasterwerg ...

Alte Ziegelei
55128 Mainz


Weitere Aufführungen: 28. August sowie 03., 04., 05., 10., 11., 16. und 17. September, jeweils um 20 Uhr.
Kartenvorverkauf unter: info@schauspielschule.mainz.de oder per Telefon/Fax unter 06131 - 364314
Eintritt: 10 €, ermäßigt 7,50€

Bilder: Andreas Mach