„Ich will mit meinem Studium etwas Gutes tun!“
Pia Ditscher studiert Publizistik an der Uni Mainz – und wird im August zusammen mit acht weiteren Studenten für das Hilfsprojekt „Homes of Hope“ nach Südafrika fahren. Als Reiseleiterin und Organisatorin. Und auf eigene Kosten. 
Der Jubel in den Stadien ist fast noch zu hören,
gerade erst sind die Vuvuzelas verstummt. Während sich zur Fußball-WM
überdurchschnittlich viele Augen auf den 'schwarzen' Kontinent richteten,
leiden viele der dort lebenden Menschen auch weiterhin unter AIDS, Ausbeutung
und Hunger. Um sein
schlechtes Gewissen zu beruhigen, wendet sich der Durchschnittsdeutsche deshalb
meist an eine der großen Spendenorganisationen. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit
solch anonymer Geldzuwendungen im Kopf, gründeten einige junge Menschen nach
ihrem Südafrika-Besuch vor ein paar Jahren kurzerhand eine eigene
Hilfsorganisation. Mit „Go Ahead - Bildung für Afrika" versuchen sie seitdem,
gezielt mit verschiedenen Projekten Menschen zu helfen - ohne bürokratische
Fußfesseln und komplett ehrenamtlich.
Eines der Projekte, welches sich nicht um Bildung dreht, ist
„Homes of Hope". Zweimal im Jahr fährt hierfür eine kleine Gruppe Studenten in
den Semesterferien nach Südafrika, um dort das Dach über den Köpfen einer
bedürftigen Familie zu bauen. Komplett selber finanziert. Und diesen Herbst
unter Leitung der Mainzer Studentin Pia Ditscher.
Mit dem Studium etwas Gutes tun
„Ich habe mich einfach initiativ für Leitung und Organisation
der Fahrt beworben - und wurde trotz fehlender Vorerfahrung sofort genommen"
erklärt Pia Ditscher (im Bild ganz links) mit hochgezogenen Schultern. Die charismatische Studentin mit den
Dreads büffelt Publizistik, Soziologie und Philosophie an der Mainzer Uni. Gute
Voraussetzungen also auch für ihre jüngst aufgenommene Pressearbeit bei „Go
Ahead!". Denn trotz hervorragender Noten scheint sie nicht auf eine
gewinnträchtige PR-Karriere in der Wirtschaft zu schielen. „Mit meinem Studium
will ich etwas Gutes machen" sagt sie - und das glaubt man ihr sofort.
Ab August hat sie dazu - neben der bisherigen Pressearbeit -
nun eine Chance. Pia ist dann Reiseleiterin und Organisatorin für die Fahrt mit
acht weiteren Studenten nach Südafrika.
Zum Hausbau geht es in den Südosten des Landes - KwaZuluNatal, eine
Gegend mit grünen Hügeln und weißen Stränden - und der wohl höchsten AIDS-Rate
der Welt. Pia war noch nie in Afrika. Doch gespannt blickt sie Richtung Herbst,
wenn sich einmal nicht alles um Literaturverzeichnisse und Quellenangaben, sondern
um Mörtel und heftige Eindrücke drehen wird. Das Fundament des neuen Hauses
legen afrikanische Arbeiter schon jetzt. Den Rest bauen die Deutschen („Einen
Architekturstudenten haben wir auch dabei") dann nächsten Monat obendrauf.
„Es war ehrlich gesagt schon ziemlich schwierig, genügend
Leute für das Projekt zu gewinnen" gibt Pia zu, die sich neulich schon einmal
mit den finalen acht Teilnehmern zu einem Planungswochenende getroffen hat.
Kein Wunder, denn schließlich müssen nicht nur Flug, Unterkunft und Verpflegung
(in einem Waisenhaus), sondern auch ein Teil der Baumaterialien für das neue
Haus aus der eigenen Tasche berappt werden. Trotz Unterstützung seitens der
Organisation kommen da mindestens 2.000 Euro auf jeden Helfer zu. Ein
Abenteuerurlaub für Studenten mit reichen Eltern?
Richtig helfen
Pia weist die naheliegende Vermutung weit von sich. „Klar ist
das viel für einen Studenten, doch das Projekt soll davon leben, dass die Leute
wirklich sagen: ich mache da mit." Und auch das klingt logisch. Denn man muss
schon wirklich helfen wollen, wenn man das Ersparte statt in den Spanienurlaub
am Strand in Beton und Ziegel steckt. Außerdem entsteht dort auch der
persönlich Kontakt zu Menschen aus Südafrika. Nicht wohlwollendes Mäzenatentum,
sondern der interkulturelle Austausch rückt bei „Go Ahead!" in den Vordergrund.
Wer hier helfen und wertvolle Erfahrungen mitnehmen will, der muss seine
Berührungsängste zu Hause lassen.
Noch haben die acht Teilnehmer einen Monat Zeit, sich
zumindest noch für die 400 Euro Baumaterial um private Spender zu kümmern. Ob
der Hausbau nun wirklich so klappt wie erhofft und wer sich schließlich über
das neue Zuhause freuen darf, das erfahrt ihr im Herbst auf www.stuz.de. Vielleicht ist der Blick bis dahin
auch wieder frei für das wirkliche Leben der Leute im Land der
Gegensätze, Südafrika.
Spendeninfos und weitere Details zu Organisation und Projekt
findet ihr auf www.goahead-organisation.de. Zum eigenen Youtube-Kanal [Link: http://www.youtube.com/user/GoAheadORG#p/u/7138AB45BDBFEC32/0/buz4xYyT75s] geht es hier.
Text: Fabian Scheuermann, Foto: GoAhead!
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