STUZ-Logo titel123_94px.jpgspacertitel_124_94px.jpgspacerstuz_titel_94_0.jpgspacertitel_sep10_94_0.jpgspacer
STUZ-Blog spacer
spacer
spacer
STUZ-Blog spacer
Quit Playing Games With My Heart

War das überhaupt von Take That? Naja, egal. Hauptsache es ist passiert, was passiert ist: Guido Westerwelle ist in Urlaub gegangen. Achja, und Robbie Williams hat das Sandkastenverbot aufgehoben und lässt seine alten Kumpels wieder mitspielen.

zahnspange.jpg


Von Lars Reusch

Wahrscheinlich war ihm einfach langweilig. Das wird wohl am Sommerloch liegen. Oder Robbie will mal wieder Rock'n'Roller sein. Zwischen den vier Schmusejungs von Take That ist nämlich wirklich wenig nötig, um als waschechter Bad Boy zu gelten. Unter den Blinden ist der Einäugige König.

Zeitsprung: 1995. Robbie Williams verlässt Take That, er ist unzufrieden mit dem eng reglementierten Leben eines Boyband-Mitglieds. Seelsorge-Hotlines werden eingerichtet. Zack: 1996. Take That löst sich schließlich auf. Thomas Gottschalk witzelt: „Überall hab' ich Plakate gesehen, auf denen ‚Take That!' stand. Nur auf einem nicht, darauf hieß es: Take Me!" Trotz vieler Lacher werden wieder Seelsorge-Hotlines eingerichtet.

Nena wer?

In diesem seltsamen Jahrzehnt am Ende des 20. Jahrhunderts feierten ja die verschiedensten musikalischen Richtungen Erfolge. Da gab es Techno auf der einen, Grunge auf der anderen Seite. Hip Hop entwickelte sich weiter und kulminierte mit MC Hammer in einer bis heute unerreichten Blütezeit der Ballonhosen. Das meiste Mädchengekreische jedenfalls griffen die ab, die in ihrem Fremdschäm-Potenzial den 80ern nacheiferten: die Boygroups.

Den Weg bereiteten schon Ende der 80er die New Kids on the Block. Danach schossen die Boygroups dann wie Pilze aus dem Boden, und zwar alle nach dem gleichen Muster. Vier oder fünf Jungs singen und tanzen zu simpler Popmusik und versuchen dabei einigermaßen gut auszusehen. Tatsächlich gesungen werden die Lieder - wenn mal gerade nicht auf Playback gezappelt wird - immer nur von einem oder zwei Bandmitgliedern, der Rest darf höchstens mal den Refrain mitsummen. Bei Take That waren und sind das Gary Barlow und Robbie Williams. Die anderen drei dienen hauptsächlich zur Dekoration.

Aber hat das im Boybandbereich denn überhaupt Sinn, nach 15 bis 20 Jahren eine Reunion anzukündigen? AC/DC macht heute noch genau die gleiche Musik wie vor 30 Jahren - deren Fans wollen aber auch gar nichts anderes. Aus den verzottelten Headbangern von damals sind allerdings gegelte Barone im Verteidigungsministerium geworden. Politische Einstellungen mögen sich zwar im Laufe des Alters ändern, aber ein Rocker bleibt eben immer ein Rocker.

Die 16-jährigen Mädchen dagegen, die damals wegen der Retortenband um Robbie in Ohnmacht fielen, sind inzwischen jenseits der 30 und sicherlich weit weniger ohnmachtsanfällig. Dafür hat das Take That der Neuzeit in den Gärten der Vorstädte und Dörfer aber ein neues Zielpublikum gefunden: die Muttis. Nachdem A-ha im Schmalzgenre eine klaffende Lücke hinterlassen hat, kam „Patience" von Gary Barlow und den drei Namenlosen anno 2006 gerade recht. Es war eine Win-Win-Situation. Die Ehemänner konnten endlich wieder CDs verschenken und Take That war wieder wer.

...und wir waren dabei!

Und jetzt also die Sensationsmeldung: Robbie Williams stößt wieder zur Gruppe. Wahnsinn! Der 15. Juli 2010, ein Tag für die Geschichtsbücher. Dabei war das mediale Interesse beschämend gering. In Print- und Online-Medien nur eine Randnotiz, wurde die größte Reunion des Jahrzehnts auch in den Nachrichten an den Schluss geschoben. Klar, in Hamburg herrscht gerade Schul- und Bürgermeisterchaos, außerdem läuft die Tour de France. Und kürzlich wurde die Welt mit der Meldung erschüttert, dass Lady Gaga im letzten Jahr mehr Geld verdient hat als Madonna. Trotzdem - da wäre mehr drin gewesen. Wenigstens Claus Kleber hat einen angemessenen Kommentar zur Wiedervereinigung von Williams und Barlow gefunden, als er Gundula Gause fragte: Was soll darauf noch folgen?

Man darf gespannt sein, ob auch die Backstreet Boys auf den Zug aufspringen und gemeinsam mit Gary, Robbie und den anderen drei Hanseln die Rückkehr der goldenen Zeit der Boygroups feiern. Und wer weiß, vielleicht lässt sich Macauly Culkin ja breitschlagen, mal wieder ein Weihnachten allein zu verbringen. Lebt Joe Pesci eigentlich noch?

Symbolbild: Arno Bachert / pixelio.de