Die Vermessenheit der Kunst
Am 17. Juni sollte im Ratssaal des Mainzer Rathaus eine Performance der Künstlervereine darK und Vulkan vorgeführt werden. Doch der Abend nahm eine überraschende Wende, die über die Verwendung von Fördergeldern nachdenken ließ.
 Der Ratssaal des Mainzer Rathauses begann sich
langsam zu füllen. Eine kleine beschauliche Gruppe von 50 Gästen wartete
gespannt auf die „inszenierte Untersuchung" der Frage „Wie politische ist
Kunst, muss Kunst sein?".
Kurz nach 20 Uhr trat Sabine Felker,
Gründungsmitglied von darK, ans Mikrofon und ließ die Zuschauer wissen, dass
die beiden Vereine sich entschlossen haben, die Fördergelder von 5.500 Euro,
gestiftet vom Kultursommer Rheinland-Pfalz und der Stadt Mainz, anderweitig zu
verwenden. Ratlosigkeit herrschte beim Publikum. Stattdessen wurden alle
Anwesenden gebeten zur nächsten Bushaltestelle zu laufen und auf einen eigens
angemieteten Bus zu warten, der sie dann zur Vulkangalerie chauffierte. Einige
folgten der Aufforderung, andere waren empört und entschieden sich zu gehen.
Geld- und
Essensausgabe
An der Galerie angekommen, erwartete das Publikum
eine „Geld- und Essensausgabe". An der sich die Gäste als Statisten dieser
Inszenierung reichlich bedienen konnten. „Denn schließlich werden wir alle nur
mit Komparsengeldern von der Politik abgespeist" so Thomas Kroh, Mitglied von
Vulkan.
DarK, der Verein zur Koordination darstellender
Künste, und Vulkan, haben Konsequenzen aus dem jahrelangen Dilemma „unter
erbärmlichen Bedingungen Kunst zu machen" gezogen. Unter dem Thema
„Grenzüberschreitung" haben die beiden Vereine ein Projekt angemeldet und einen
Tagesflug nach Türkismühle unternommen. Türkismühle ist die erste Stadt hinter
der rheinlandpfälzischen Grenze. Die Exkursion mit etwa zehn Personen wurde
filmisch dokumentiert und im Laufe des Abends im Hintergrund an vier Fernsehern
gezeigt. Nach einem kurzen filmischen Besuch in einer Galerie in Türkismühle
folgte ein 5-Gänge-Menü für die Besucher.
Der
Gestus der Herrschenden
Anlass für die Aktion war nicht nur die
„Vermessenheit" der Politiker, sondern auch die kulturpolitische Situation
bundesweit. Mit dieser Aktion wolle man sich den Gestus der Herrschenden
aneignen, denn „schließlich machen die das so vor". „Die Diskrepanz zwischen den rigorosen
Kürzungen der Förderungen und der Konsumgesellschaft, die „nichts zahlen will"
sei einfach nicht mehr tragbar. „Wir
wehren uns gegen solch einen Umgang mit der Kunst und wollen die Grenzen der
Gesellschaft antasten!" so Kroh über die Aktion.
Das Publikum in der
Galerie ist ganz einer Meinung mit den Veranstaltern. Einige der Besucher
fanden die Idee „ziemlich cool und genial".
Text und Fotos: Gülseren Ölcüm
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