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Tiger im Tank und Bier im Blut

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Unterwegs mit dem „Bierbaron": Zwei STUZ-Reporter waren als „embedded Journalists" auf Tour mit dem ersten Nacht-Getränke-Lieferservice in Mainz. Eine On-Board-Reportage.

„In Bierlaune kommt man auf Schnapsideen", sagt der Volksmund und liegt, wie so oft, goldrichtig. Jedoch könnte man ergänzen: Auf noch mehr Schnapsideen kommt man, wenn das Bier plötzlich alle ist, der Durst aber noch nicht gelöscht. Da begibt man sich schon mal auf frühmorgendliche Wanderungen zur nächsten 24-Stunden-Tanke oder erinnert sich an die Flasche „Blutwurz Kräuterlikör (60% Vol.)", die einem der Opa vor zwei Jahren zu Weihnachten geschenkt hat.
Für Mainzer Biertrinker sind diese Zeiten zum Glück vorbei: Wer hier den Kasten leer gesoffen hat, greift einfach zum Telefon und ruft den „Bierbaron", den ersten Nacht-Getränke-Lieferservice der Stadt. Neben sechs Sorten Bier sind hier viele andere Getränke (mit und ohne Alkohol) im Programm, sowie alles, was man für einen feuchtfröhlichen Abend noch so braucht: Knabberkram, Kaugummi, Schokoriegel, Papers und Kondome zum Beispiel.
Hinter dem Namen „Bierbaron" verbergen sich mit Sebastian Dany und Pierre Scherner ein aktueller und ein ehemaliger Mainzer Student - Grund genug für die STUZ, sich auf knallharte Recherche zu begeben und den Bierbaron eine Nacht lang auf seiner Tour zu begleiten.
Am Telefon erklären wir Sebastian unseren Plan und fragen, ob er bereit ist, sich bei der Arbeit von der Presse über die Schulter gucken zu lassen. „Natürlich könnt ihr mitkommen! Wir haben ganz oft Praktikanten an Bord! Wenn ihr ordentlich trinkt, bekommt ihr auch ein gutes Zeugnis!" ist seine Antwort. Darauf lassen wir uns ein, ist ja schließlich auch gut für den Lebenslauf.
Wir treffen Sebastian in einer Kneipe. Während wir uns ein erstes Pils bestellen, startet er mit einem Kaffee - schließlich ist er „im Dienst".
Wie es sich für gute Praktikanten gehört, geben wir uns interessiert und fragen unseren neuen Chef erstmal aus: Seit wann gibt es den „Bierbaron"? Wie sind die beiden auf ihre Geschäftsidee gekommen? Und kann man davon leben? Die Antworten kommen so schnell, wie das Bier unsere Kehle hinabfließt: „Früher habe ich mir oft gewünscht, dass es so einen Bierlieferdienst gibt, ich wäre wahrscheinlich der beste Kunde gewesen", antwortet Sebastian. „Irgendwann haben Pierre und ich dann beschlossen, diese Marktlücke zu schließen. Seit über einem Jahr gibt es jetzt den ,Bierbaron‘, und es läuft langsam aber sicher immer besser. Leben können wir davon aber noch nicht."
Sprach‘s, und schon klingelt sein Handy und die erste Bestellung des Abends geht ein. Gespannt verlassen wir die Kneipe und steigen in den dunkelgrünen VW-Bus mit Bierbaron-Logo, dem Dienstwagen von Pierre und Sebastian. Das altertümliche Gefährt ist voll beladen mit Bierkisten, das Heck hängt bedrohlich tief. Als Sebastian anfährt, klirren hinten die Flaschen, vorne klappert das Armaturenbrett. Wir greifen mal kurz hinter uns in eine der Kisten und gönnen uns noch ein Pils. Angerufen hatte eine Studenten-WG, wir liefern einen Kasten Bier ab und werden frenetisch gefeiert. „Leider gibt es auch andere Kunden", erzählt Sebastian: „Wenn man einem Alkoholiker eine Flasche Wodka bringen soll oder dubiosen Gestalten in Hinterzimmern irgendwelcher Kneipen jede Menge lange Papers, dann ist das nicht immer angenehm. Und manchmal kann man sich nur wundern, zum Beispiel, wenn ein Typ anruft und sechs XXL-Kondome haben will." Im Lauf der Nacht erleben auch wir einige skurrile Begegnungen. Ein Kneipier ordert zwei Flaschen Weißwein für seinen DJ, weil er selbst keinen mehr hat, eine Runde Playstation zockender Studenten mit auffällig roten Augen will Bier und „irgendwas zu essen". Den beiden Polizisten, die uns gegen zwei Uhr morgens anhalten, können wir jedoch trotz hartnäckiger Versuche keinerlei Alkohol andrehen.
Gegen vier Uhr morgens ist der grüne Lieferwagen um einige Liter leerer geworden - auch wir haben uns fleißig beteiligt und gönnen uns daher voller Stolz mit der Majestät noch ein Feierabend-Bierchen. Leider können wir uns nach den folgenden paar Stunden Schlaf nicht mehr erinnern, wo wir die Zeugnisse hingeräumt haben. Aber der Baron ist sicher gnädig und schreibt uns neue.

Stefan Holzbrecher und Benjamin Krauth


Bierbaron
Nachtlieferservice, täglich 20:00 Uhr bis 4:00 Uhr
Bier, Wein, Spirituosen, Unalkoholisches, Knabberkram, Süßes, wechselnde Spezialangebote.
Tel. 0179 / 977 26 82, www.bierbaron-mainz.de