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„Empfohlen von Apothekern und Ärzten weltweit“

Interview mit U-Bahn Kontrollöre

 

Die U-Bahn Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern unterbrechen mal eben den wohl verdienten Ruhestand. STUZ sprach mit Bassist Matthias Keller.

 

STUZ: Ihr seid ja eigentlich im Ruhestand und dann irgendwie doch wieder nicht. Wie ist denn das passiert – habt ihr Spielschulden oder vielleicht Drohbriefe erhalten?

Keller: Ja, wir sind hoch verschuldet. Das ist natürlich die inoffizielle Variante, offiziell haben wir natürlich einfach nur Spaß daran, wieder zu spielen. Wir sind privilegiert, denn wir sind eine Band, die so lange gespielt hat, bis sie keine Lust mehr hatte. Jetzt sind wir in der wunderbaren Situation wieder zu spielen, wenn wir Lust dazu haben. Das nimmt einem einen enormen Druck aus dem Kreuz. Bei dem Konzert im Februar in der Fraport-Arena mit fast 5.000 Leuten, haben wir gemerkt, dass es Bedarf gibt bei den Fans und bei uns. Das hat uns natürlich sehr geföhnt und die Agentur hat dann vorgeschlagen, noch eine kleine Tour zu machen und eben nicht nur hier in Frankfurt und Umgebung zu spielen, sondern das auch da hin zu tragen, wo die anderen Fans sitzen.

 

Ihr habt aktuell gleich zwei Programme – das „Winter-Special“ und „Wir lassen uns das Singen nicht verbieten“. Kommt danach vielleicht noch mehr, eine CD oder so?

Das ist kein vollwertiges Comeback in das professionelle Tourgeschäft wie früher und es kommt keine CD mehr. Das lässt sich zeitlich und beruflich gar nicht mehr arrangieren. Aber ich kann nicht sagen, was  noch kommt. viele Dinge passieren einfach oder jemand setzt einen Impuls. Der für die Tour „Wir lassen uns das Singen nicht verbieten“ kam von S-Promotion und wir haben gemerkt, dass das Sinn macht. „Wir lassen uns das Singen nicht verbieten“ ist eine große Hallentour und Rock’n’Roll und das „Winter-Special“ ist als feine kleine Clubtour parallel dazu entstanden. Das wird eine etwas intimere Geschichte.

 

Für alle, die euch erst jetzt entdecken – was ist „Hardcore a Cappella“?

A Cappella hat ein gewisses Image – nett, charmant, brav, für die ganze Familie und das wirkt auf viele Leute ein bißchen abschreckend. Die sagen „Ich will nichts über einen kleinen, grünen Kaktus hören oder Herren in Westen zuhören, die ‚schubidu‘ machen“. Hardcore A Cappella ist offen für Fans jedes Musikgeschmacks. Es kamen nach Konzerten ganz oft Leute zu uns und meinten: „Ich finde A Cappella total doof, aber euch find ich geil.“ Hardcore A Cappella heißt härterer Sound und teilweise etwas derbere Sprüche. Über die Jahre sind wir zwar professionelle Sänger geworden, aber wir sind kein gelecktes Projekt, eher wie fünf Jungs auf Klassenfahrt. Wir haben Ecken und Kanten, halten uns vom Singen ab, veraschen uns und haben

eine gewisse Undiszipliniertheit, die sofort wieder in Disziplin umschlagen kann. Dadurch schaffen wir eine ziemlich menschliche Brücke zum Publikum, die Leute haben das Gefühl, an echtem, authentischen Spaß teilzuhaben.

 

Was erwartet die Gäste bei der Hallentour?

Wir haben uns bewusst dafür entschieden, dass wir das Programm mit den Nummern gestalten, die uns am meisten Spaß machen. Dann hast du nämlich auch diesen Synergie-Effekt, weil die Nummern, die keinen Spaß machen, rausgefiltert sind und die bleiben, bei denen hundert prozentiger Bock dahinter ist. Das ist wie ein Ultrakonzentrat, das spielt sich fast von selbst. Dabei sind „Pubertät“, „Killing in the Name“ von Rage against the Machine, eine Reinhardt May-Nummer, „Engel“ von Rammstein, unser Achtziger-Medley „Battle of the Eighties“, „Hibbelisch“ und natürlich die „Biene Maja“.

 

Wunderbar, danach wollte ich nämlich noch fragen.

Wir sind ja nicht lebensmüde oder wollen gelyncht werden.

 

Fließen denn Elemente aus deinem Soloprogramm „Loopinsland“ ein?

Ja, einen Song werd ich machen,  „Fußflusen“. Da haben wir quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn damit gibt es dann sozusagen doch ein neues Stück, das auch indirekt was mit A Cappella zu tun hat, aber eben nicht von fünf Sängen gesungen wird, sondern von einem. Und ich kann den Leuten zeigen, was man mit einer Loopstation so alles anstellen kann.

 

Wird denn Sebastian mit der neuen Frisur, das fällt mir so ganz spontan ein, am Ende die Jesus-Nummer machen, die er früher sonst gemacht hat?

Na, da gibt es ja Tricks.

 

Da muss er eine Perücke tragen?

(singt) Das verraten wir nicht.

 

Ist dir schon mal aufgefallen, dass er jetzt ein bißchen aussieht wie Gary Oldman in „Das fünfte Element“?

Krass, gell? Ich finde ja, er sieht bißchen aus wie ein jüngerer Till Lindemann. Aber Gary Oldman, stimmt. Aber da braucht er noch diese Plexiglashälfte. Das sag ich ihm, der wird sich freuen. Ich weiß nämlich zufällig, dass Sebastian den Film sehr gut kennt. Vor allem, weil wir diesen durchgeknallten Radiomoderatoren Ruby Rhod sehr gerne nachgemacht haben (macht den Radiomoderatoren nach).

 

Ihr habt bisher wild durch die Genres gecovert –  von Rammstein, Rage against the Machine, Earth, Wind and Fire bis hin zu den  Bee Gees. Gibt es Musiker oder Songs, die ihr noch gern gemacht hättet?

Klares Nein. Wir sind ja nicht mehr auf Tour und wären schön blöd, wenn wir jetzt  noch was ganz Neues machen würden. Dafür hätten wir zum einen nicht die Zeit und das würde auch niemand hören wollen. Es gab ja gerade die Meldung, dass Monty Python wieder auftritt und stell dir mal vor, die gehen auf die Bühne und machen weder den Papageien-Sketch noch Ministry of Silly Walks. Die Leute wollen diese Klassiker sehen und das ist bei uns auch so.

 

Wie sieht denn das aus – habt ihr wieder Requisiten auf der Bühne? Ich erinnere mich an an Besen, Gehstöcke und ein Yoda-Kostüm.

Das ist so ein Unterschied, also das Yoda-Kostüm werden wir in der Clubtour verwenden, aber nicht auf der Hallentour. Derart theatralische Sachen kommen auf großen Bühnen nicht so gut, da muss man die Leute eher performancemäßig bei der Stange halten. Aber wir haben eine schöne Kostümnummer mit zwei Russen. Leider hat Harry ein Problem mit dem Meniskus und kann nicht tanzen – ich hoffe, er ist bis Januar auskuriert. Man wird alt. Er hat aber schon gesagt, dass er „Killing in the Name“ trotzdem singt, auch wenn er im Rollstuhl sitzt. Ich hab auch mal eine Show im Rollstuhl gespielt.

 

Möchtest du noch was zur Hallentour loswerden?

Ich möchte loswerden, dass wir uns wahnsinnig freuen, diese Tour machen zu können und wir jeden persönlich besuchen und verprügeln, der nicht kommt. Oder anders, wenn Mainz nicht ausverkauft ist, dann bringen wir Rainer Brüderle wieder zurück.

 

Das ist aber eine harte Drohung.

Ich weiß und setze noch einen oben drauf: Wir bringen Brüderle und Philipp Rösler zurück.

 

Es heißt, eure Konzerte wirken lebensverlängernd. Wie viele Jahre mache ich denn gut, wenn ich zum Konzert komme?

Tja, das kommt drauf an. Du musst natürlich schon um 14 Uhr da stehen, völlig dehydriert und ausgehungert, in der ersten Reihe landen und du musst hinterher mit Filippo aufs Hotelzimmer. Dann wirkt es lebensverlängernd.  Das ist das Kleingedruckte, das erzähl ich jetzt auch nur dir. Wobei ich mich auch nicht aus dem Fenster lehnen und medizinische Tipps geben möchte, aber ich sag mal, ein Besuch bei einem Kontrollöre-Konzert hat einen gewissen Seltenheitswert und man sollte sich das nicht entgehen lassen. Empfohlen von Apothekern und Ärzten weltweit.

 

Ihr nehmt gerne Bezug zu aktuellen Themen aus der Politik. Im Februar hat Filippo euch als Gastarbeiter aus Polen vorgestellt, die Escortservice für Rainer Brüderle machen. Wisst ihr schon, wer oder was als Nächstes dran kommt?

Siehste, Rainer Brüderle haben wir doch ganz geschickt aus dem Bundestag escortiert. Wir erwarten auch noch Auszeichnungen dafür. Aber ja, natürlich werden wir Bezug auf ein aktuelles Thema nehmen, aber ich kann jetzt leider nicht sagen, was das im Januar 2014 sein wird.

 

Etwas, das frag ich mich schon länger: Was bedeutet „schnagel di poff schnudel da hep“?

Geil. Ich danke dir, endlich fragt mal jemand. Das möchte ich dir sehr gerne erläutern. Also „schnagel di poff schnudel da hep“ ist Skat, Kontrollöre-Skat und hat keinerlei Bedeutung. Das ist das „I feel good“ der Kontrollöre, also „schnagel di poff schnudel da hep“ ist für uns, was „Awop bop a lup bop a wop bam boom“ für James Brown war. Ich danke dir echt für diese Frage. Da wir ja umweltbewusst sind und recyceln, kann man das in dem einen oder anderen Song im Hintergrund erkennen.

 

Ihr habt mal gesagt, ihr macht einen Bildband, weil ihr jede Autobahn und jedes Dorf in Deutschland kennt. Kommt „Deutschlands schönste Bürgerhäuser“  noch oder gibt es den schon?

Den gibt es schon, den haben wir einem kleinen Verlag in Usbekistan veröffentlicht. Das ist aber kein Fotoband geworden, sondern ein Kalligraphieband, mit Yakmilch auf Pergament gedruckt. Leider verträgt sich das nicht so gut und das Buch hat sich aufgelöst. Es gab auch nur ein Exemplar. Aber wenn man beim Asiaten mal Krabbenchips bestellt und da reinbeißt, ungefähr so waren die Seiten. So knusprig und mit Luftblasen drin. Wenn man sich dabei ganz doll konzentriert und visualisiert, dann sieht man vielleicht Deutschlands schönste Bürgerhäuser.

 

Ich stelle es mir sehr köstlich vor.

Ja, das ist es auch.

 

 

„Winter-Special“

29. und 30. Dezember, 20 Uhr

Zoom, Frankfurt

 

„Wir lassen uns das Singen nicht verbieten!“

30. Januar, 20 Uhr

Phönix-Halle, Mainz

 

www.kontrolloere.de

 

www.solomatt.de

 

Autor: 
Isa Sterzel
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"Wie fünf Jungs auf Klassenfahrt" (v.l.n.r. Olli, Sebastian, Filippo, Harry, Matthias)
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