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Alles Sieger

Die Wartburg in Wiesbaden präsentiert den zweiten Sängerkrieg. Unter dem Motto „Alle gegen alle Slam“ treten diesmal Slamer, Kleinkünstler, Tänzer und Musiker gegeneinander an. Deutschlandweit ist dieses Format einzigartig.

 

Die Schilder „Gast“ und „Heim“ zieren das Bühnenbild. Schnell wird klar, hier wird ein Battle auf höchster musischer Ebene stattfinden. Über die Qualität der Künste entscheidet das Publikum. Ursprünglich wurde beim Sängerkrieg auf der thüringischen Wartburg im 13 Jahrhundert um Leben und Tod gekämpft, heute um Schnaps und Trophäen.

Die Moderation gestaltet ein Paar, wie es unterschiedlicher nicht sein könnte. Frack und Freizeitlook stehen sich gegenüber, getragen von Jens Jekewitz und Ken Yamamoto. Jung, dynamisch und unterhaltsam werden die Gäste anmoderiert, die Slam-Poeten Florian Cieslek und Philipp Herold, der Singer-Songwriter Tillmann Klaas und der Puppenspieler Dietmar Bertram. Für die Heimmannschaft treten die Einzelstarter Ulrich Rechenbach und Janning Kahnert, die Balletttänzer Shelby Williams und Jean-Baptiste Plumeau und zuletzt Jan Grenner mit Gesang und Klavier an.

 

Ausrasten wie Rakete

So lautet die Aufgabe des Publikums, wenn sie von einer Darbietung begeistert sind. Nach einem kurzen Test und dem Text des Mainzer Special Guest Lorenz Klee, kann die Show beginnen. Mit ironischen Worten über die Liebe startet Florian Cieslek seine zehn Minuten Unterhaltung. Es geht um Pfannenkuchenbeziehungen und Ganzkörperglatzen, aber auch um Empörung und Mut. Während Cieslek von Situationen spricht, in die sich jeder hineinversetzen kann, versucht es Ulrich Rechenbach mit Worten über sein Leben. In drehbuchartigen Stil küsst Poesie die Kunst des Schauspiels. Seine Worte sind zwar schön aneinander gereiht, die Sätze jedoch eher belanglos. Nach seinem Slam wird der Raum von Stille erfüllt. Wie schwerelos bewegt sich der Körper von Shelby Williams über die Bühne. Mit Einsetzen des Klaviers beginnt das Spiel zwischen ihr und Jean-Baptiste Plumeau. Die Tanzdarbietung berauscht die Sinne. Für einen weiteren Höhepunkt vor der Pause sorgt Tillmann Klaas. Es ist süß, wie er charmant mit seiner Gitarre auf der Bühne steht und Texte davon singt, wie bitter es ist süß zu sein. Mit einem Punkt Distanz zur Höchstwertung verlässt er die Bühne.

 

Mit Nachdruck

Ausrasten wie Rakete, aber mit Nachdruck lautet das Motto der zweiten Runde. Janning Kahnert betritt in Michael Jackson Montur die Bühne. Seine an Songtexte angelehnten Worte bringen die einen zum Lachen, andere verstehen seine Anspielungen nicht. Anschließend verzaubert Dietmar Bertram mit einem Krimi-Puppenspiel zwischen Obst und Gemüse. Das Publikum versinkt in Kindheitserinnerungen, eingehüllt in die tiefe und eindrucksvolle Stimme des Erzählers. Gefolgt wird die Vorstellung vom Auftritt des Gast-Slamers Philipp Herold, der sowohl skurrile Tiergedichte schreibt, wie auch fesselnde und tiefgründige Poesie. Das Publikum rastet aus wie Rakete, das Ergebnis sind 29 von 30 Punkten. Da der Sieger des ersten Sängerkriegs verhindert ist, übernimmt seine Vertretung Jan Grenner mit Gesang am Klavier und vermittelt einen Hauch von Walt Disney Liedern.

Der Sieger des Gastteams, Philipp Herold trickst nach seiner Darbietung mit einer simplen Zauberei und schon steht der Zweitplatzierte des Gastteams Tillmann Klaas in der Mitte der Bühne. Beide liefern eine unglaubliche Show. Auch das Heimteam macht es nicht anders und Jan Grenner lässt seine Musik von Tanz begleiten. Letztendlich haben dann irgendwie fast alle gewonnen.

Der Sängerkrieg ist eine grenzenlose, mit Charme aufgeladene, aber auch tiefgründige Veranstaltung. Vielseitig schafft sie es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen und mit Abwechslung zu unterhalten.

Autor: 
Mona Hofmann
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