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Apollo 18

Funktioniert als Genrearbeit, kann aber Handlungstechnisch die eigenen Versprechen kaum halten. Alles in allem leider nur 5 von 10 Sternen.

 

Als 1998 der Independentfilm „The Blair Witch Projekt“ in den Kinos anlief, war schon im Vorfeld des Kinostarts eine gewisse Hysterie verbreitet worden. Das Filmstudio hatte falsche Fährten gelegt und damit den Eindruck geweckt, dass es sich bei dem Horrorstreifen um einen Dokumentationsfilm handeln würde. Als der Film dann in den Kinos startete, war das Rätselraten beim Zuschauer noch größer. Die Filmemacher produzierten mit wackeligen Kameraaufnahmen und einem Konstrukt von 200 Jahren fiktiver Geschichte über den Mythos einer Hexe namens Blair einen Spielfilm, der als Genreneuheit in die Geschichte des Films einging.

 

Eine ähnliche Idee hatte auch Produzent J.J. Abrams, der gemeinsam mit Regisseur Matt Reeves den Film „Cloverfield“ vor Beginn des Kinostarts in den amerikanischen Medien hoch puschte. Unter strenger Geheimhaltung wurde der Film gedreht und konnte sich als erster Youtube-Film bei den Fans als neuer Liebling etablieren.

Auch der unbekannte Regisseur Gonzalo López-Gallego benutzt für sein Science-Fiction Horrorfilm Debüt „Apollo 18“ den erwartungssteigernden Effekt des Internets – auch er ließ im Vorfeld fiktive Informationen verbreiten - und kreiert einen weiteren Pseudo-Dokumentationsfilm, der im Endeffekt eine nette Genreperle bleibt, aber nie an die Klasse seiner Vorbilder heranreichen kann.

 

„Apollo 18“ erweist sich von Beginn an als eine versuchte Kopie von „The Blair Witch Projekt“, nur dass er diesmal die Handlung aus den düsteren Wäldern ins Weltall verlegt. Gleichsam wie der Horrorfilm von Daniel Myrick und Eduardo Sanchez beginnt Lopez-Gallego den Film mit einem einleitenden Text, der dem Zuschauer vorgaukelt, dass der kommende Film auf wahren Tatsachen beruht.

Schon hier unterschreibt der Regisseur praktisch sein eigenes Todesurteil, da er altbekannte Muster kopiert. Was 1998 noch überraschend und neu wirkte (weil es auch neu war) und somit hitzige Diskussionen und Vermutungen bei den Zuschauern auslöste, entlockt dem Zuschauer heute nur noch ein müdes Gähnen. Auch mit der Internetkampagne im Kopf wird der moderne Zuschauer den Film schnell als Täuschung entlarven. So kann dieser nur noch darauf hoffen, dass die Inszenierung des Films gelungen und die Handlung spannend bleibt. Lopez-Gallego erkennt zwar nicht, dass seine Idee zu seinem Film schon lange eingestaubt ist, er bleibt aber seinem Prinzip treu und zieht seine Linie bis zum Ende durch.

Inszenatorisch steigert sich „Apollo 18“ immer weiter zur Genreperle. Lopez-Gallego arbeitet mit dauerhaft gestörten, aus unterschiedlichen Formaten aufgenommenen Wackelbildern, die durch ihre verschwommenen oder stockenden Aufnahmen den pseudodokumentarischen Ton unterstreichen. Hier zeigt sich, dass der Regisseur mit seinem geringen Budget durchaus eine gelungene Inszenierung inklusiver guter Spezialeffekte auf die Beine bringen kann. So wirken die wackligen und stückhaften Bilder zwar irgendwann ermüdend - Dank einiger netter Schockmomente weckt er aber das eingedöste Publikum wieder auf.

Autor: 
Lucas Curstädt
Ressort:
Film / DVD
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Apollo 18
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