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Bad Moon Rising

Reporter Dennis R.D. Mascarenas erkundet nun schon zum zweiten Mal mit Regisseur Thomas Frickel Deutschland abseits vom Vorurteilsmenü Weißwurst-Lederhose-Fußball. In „Die Mondverschwörung“, der ab 21. April in den Kinos zu sehen ist, will er das Verhältnis der Deutschen zum Mond erkunden. Und so geht’s auf in den Kaninchenbau, der in diesem Fall durch Wohnzimmer, Fabriken und Wirtstuben führt. Und was dort zu sehen und zu hören ist - ihr werdet es nicht glauben!

 

Der ein oder andere schläft ja schon mal schlecht, und stellt dann fest: „Ach, es war ja auch Vollmond!“ und ist froh, dass er sich wieder was erklären kann. Auch wenn man sich nicht sicher ist, wann man Haare schneiden, Obst einkochen oder Blumen pflanzen soll, gibt es den Mondkalender, wo alles drinsteht. So weit, so gut. Aber wie weit geht er denn eigentlich, der Kult um den Erdtrabanten?
Ehe man sich versieht begleitet man Mascarenas in ein ganz normales Wohnzimmer, zu einem ganz normalen Ehepaar, das leider von Aliens entführt wurde. Die wiederum in Kontakt mit den Nachfahren der Elite des Dritten Reichs stehen, welche, (logo!) die Rückseite des Mondes bevölkern. Bei einem Einzelfall könnte man hier tatsächlich dem Elektrosmog die Schuld geben oder schlicht Irrsinn vermuten, aber wenn Frickel und Mascarenas die Spuren, die sie finden, weiterverfolgen, kommt noch Abstruseres zu Tage.

 

Am Ende jedenfalls kapituliert das Filmteam am Südpol, wo angeblich Hitler selbst mit seinen Schergen und modernster Technik darauf wartet, die Weltherrschaft zu übernehmen. Zudem stehen sie von dort aus in Kontakt mit den Außerirdischen, von denen wir direkt abstammen.
Das alles, und noch viele weitere unfassbare Aspekte sind die Antwort auf die winzige Frage am Anfang. Frickel zeigt einen amüsanten und einen gruseligen Film. Seine und Mascarenas unfassbare Leistung ist es, niemals spöttisch auf die Menschen zu blicken, egal ob sie über bei Vollmond abgefülltes Wasser oder die Infiltrierung der Bundesregierung durch Satan höchstselbst sprechen. Eindeutig realitätsentrückt und in ihrer Aussage unhaltbar werden diese Personen durch das, was sie sagen. So gelingt es, kein Schmierentheater, sondern einen sehenswerten Dokumentarfilm zu machen.
Frickel sieht die dokumentarische Aufgabe und Qualität des Films nicht in einer Wertung dessen, was zu sehen ist. „Es ist wichtig zu zeigen: so was gibt es auch.“ Mascarenas führt seine Interviewpartner nicht vor, er lässt sie einfach reden, dass genügt schon, um dem Film eine eindeutige Geste zu geben. Der Film will darauf aufmerksam machen, was alles vor sich gehen kann, in heimischen Stübchen und Oberstübchen.
Thomas Frickel, der aus Mainz stammt und auch im Rhein-Main-Gebiet lebt, ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm. Der hat es schwer in Deutschland, vor allem in den Kinos. Frickel erzählt vom Dilemma des Genres, immer auf Bildung konzentriert sein zu müssen, und wie dabei die filmische Erzählkunst und schlicht die Unterhaltung außen vor bleibt.

 

„Die Mondverschwörung“ ist unterhaltsam, kontrovers und informativ. Und wird sich in den Kinos hoffentlich behaupten, als einer der wenigen seiner Art.

 

Autor: 
Mariana Schneider
Ressort:
Film / Kino
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Galerie: 
Mascarenas auf der Mondflugkonferenz, www.mondverschwoerung.de