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Das große STUZ Mauer-Spezial

STUZ ermittelt den einzig wahren Film über den Mauerfall

 

Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus. Und so tummeln sich pünktlich zum 50. Jubiläum des Mauerbaus gleich mehrere DVDs, die sich diesem Thema widmen in unserer Redaktion. Da wird es allerhöchste Zeit für einen Filmvergleich. Welcher Film ist der bessere Mauerfilm? Es treten an: „Mauerjahre -leben im geteilten Berlin“, eine 450minütige Dokumentation produziert von den öffentlich-rechtlichen Kanälen über die Berliner Mauerjahre versus „Eingemauert“, ein viel versprechender Horrorfilm mit Mischa Barton als Abrissexpertin auf Abwegen. Möge der Kampf beginnen.

 

Runde 1: Die Mauer

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“, tönt Walter Ulbricht. Und dann über Nacht -wie aus dem nichts- ist sie da: Die Mauer. Ein gigantischer Wall aus Beton und Stein. Gruselig bis paranormal. Wie soll man das seinen Verwandten im Westen beibringen? Na am besten gar nicht, denn die sind ab heute nur noch per Post zu erreichen. Da hilft nur noch ein schneller Besuch in der ...Straße. Kurz mal bei Fremden geklingelt und dann ab durchs Fenster in den Westen abseilen.
Im Horrorstreifen „Eingemauert“ steht die Abrissexpertin Sam (dieser Beruf hört sich irgendwie erfunden an, trotzdem gespielt von Mischa Barton) vor einer Bewährungsprobe. Ihr Vater schenkt ihr zum Einstand die Abrissplanung des Meisterwerks des verrückten Architekten Malestrazza. Dieser hatte vor einigen Jahren 16 Menschen einschließlich sich selbst in diesem Gebäude lebendig eingemauert. 16 Leichen in einer Wand gefunden und absolut niemand kommt auf die Idee, das Haus weiter zu durchsuchen. Dieser Film scheint sehr realitätsnahe angelegt zu sein. Trotzdem geht dieser Punkt an die Dokumentation. Warum? Stell dir mal vor, du wachst auf und plötzlich hast du ne Mauer inklusive Todesstreifen vor der Haustür. Das hat definitiv mehr Gruselfaktor, als eine Festung eines wahnsinnigen Architekten in der Wüste, wo alle Wände fünf Meter zu dick sind und die meisten Mieter vermisst werden.

 

Runde 2: Der Schurke

Psychopatischer Teenager, der auch nicht davor zurückschreckt, seinen Hund zu töten oder wahnsinniger Architekt, der sich selbst eingemauert hat, auf wundersame Weise noch am Leben ist, nur um sich zu einem späteren Zeitpunkt einzumauern. Dieser Horrorfilm steckt voller Überraschungen. Nicht. Dafür überrascht unsere Mauerdokumentation. Mit einem verklärenden Blick auf die Zeit in der DDR. Gespickt mit lauter DDR-Propagandamaterial und Einblicken in das Dolce Vita der Regimekonformen. Es wird zwar an Einzelfällen gezeigt, wie es Regimegegnern ergangen ist. Jedoch wird das Leben in der DDR insgesamt eher als bunter Mix aus Bananen-Schmuggel, Schwimmbadbesuchen und Stepp-Aerobic-Kursen dargestellt. Hier sind die Filmemacher die eigentlichen Schurken und daher geht der Punkt an den Horrorfilm „Eingemauert“.

 

Runde 3: sexy Time

Mischa Barton in der Badewanne versus DDRler mit fragwürdigen Frisuren beim FKK. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich mich da entscheiden soll...

 

Runde 4: der Abriss

Die Grenze ist offen. Verwandte und Fremde liegen sich in den Armen und weinen und jubeln. Deutschland ist endlich wieder vereint! Und Stück für Stück wird die Mauer abgetragen und in die ganze Welt getragen, wo sie bis heute für Versöhnung und Freiheit steht. Ok, ich geb’s zu, ich bin eingeschlafen und hab das Ende der Doku verpasst. Aber wir wissen doch alle wie’s ausgeht. Und 450 Minuten monotone Erzählerstimme kann auch hartgesottenen Vorlesungsbesuchern den Schlaf in die Augen treiben. Ganz anders bei dem Horrorfilm „Eingemauert“. Gefangen zwischen Mauern, mit einem irren Architekten unter der Aufsicht eines voyeuristischen Teenagers befindet sich die Abrissexpertin – halt, warte mal, ich dachte du bist Abrissexpertin! Hast du das nicht in jedem zweiten Satz erwähnt? Dann fang doch mal an irgendwas abzureißen. Wir wollen Steine, Schweiß und Explosionen sehen! Da ich den ersten Abriss verschlafen habe und es im zweiten Film gar keinen Abriss gibt, kann ich an dieser Stelle leider keine Punkte vergeben.

 

Und damit steht es unentschieden. Beide Filme erzeugen für sich genommen keine warmen Füße. Aber in Kombination sind sie absolut sehenswert. Denn zwischen den Filmen verlaufen die Grenzen zwischen Dokumentation, Horror, Splatter, Trash fließend. Und man lernt viel über Mauern, Steine, Abriss und darüber wie peinlich sich unsere Eltern in ihrer Jugend gekleidet haben. Leider wird in keiner der beiden Produktionen der Beitrag David Hasselhoffs zum Mauerfall gewürdigt, noch dessen Musik eingespielt. Dies ist nicht nur historisch unkorrekt, hier wird zudem auch ein großer Stimmungsfaktor verspielt. In diesem Sinne: I’ve been looking for freedom...

 

Eingemauert (orig.: Walled In)
Regie: Gilles Paquet-Brenner (USA, 2008)
Spieldauer: 88 Min.
Sprache: Deutsch, Englisch (deutsche Untertitel)
FSK: 16
DVD-Start: 7. Juli 2011
Verleih: SUNFILM Entertainment

 

Mauerjahre – Leben im Geteilten Berlin
Regie: Verschiedene (D, 2011)
Spieldauer: 450 Min. (3DVDs)
Sprache: Deutsch
FSK: /
DVD-Start: 22. Juli 2011
Verleih: Edel Germany GmbH

 

 

Autor: 
Miriam Gruber
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„Eingemauert“
„Mauerjahre -leben im geteilten Berlin“