Das Scheinwerferlicht als Heiligenschein
Zola Jesus im Sinkkasten Arts Club Frankfurt, 20.11.2011
Nika Roza Danilova alias Zola Jesus ist zwar erst 22 Jahre alt, gilt mit ihren drei Alben und ebenso vielen EPs aber bereits als einer der interessantesten Acts der düsteren Seite der Indie-Welt, und zählt außerdem zur Speerspitze von neuen selbstbewussten weiblichen Musikerinnen. Als sie die Bühne des Frankfurter Sinkkasten Arts Club betritt, fällt jedoch zunächst eines ins Auge: Sie ist ungefähr 1,45 m klein. Aber was für eine atemberaubende Stimme aus diesem zierlichen Körper dringt! Man ist sofort eingenommen, und obwohl man merkt, dass ihr Gesang klassisch geschult ist, klingt er niemals effekthascherisch, sondern stets rau, ehrlich und von tief innen kommend.
Zola Jesus trägt einen gespensterhaft anmutenden Ganzkörperumhang, den sie auf verschiedenste Weisen in ihre Performance einbaut. Und ein wenig erinnert sie dabei auf eine seltsame Weise tatsächlich an einen weiblichen Jesus, mit dem Scheinwerferlicht als Heiligenschein. Während ihre Alben eher kühl klingen, springt live der Funke über. Mit Schlagzeug und zusätzlichen Percussions kommt das rhythmische Fundament besonders eindringlich rüber. Die Beats klingen beinahe wie Herzschläge. Dazu dröhnen dunkle Klänge aus den Synthesizern, und die durchdringende Stimme fährt einem durch Mark und Bein.
In Interviews erzählt Zola Jesus gerne, dass sie Liveauftritte eher als lästige Pflicht begreift, die sie als ziemlich anstrengend empfindet, doch je länger man ihr zusieht, desto schwerer fällt es, das zu glauben. Auf der Bühne wirkt sie ganz in ihrem Element, sie umwickelt sich mit dem Mikrokabel, schüttelt ihre blonde Mähne, fährt mit ihren Händen die gesungenen Töne in der Luft nach und versinkt dabei völlig in der Musik.
Die meisten Songs des Abends finden sich auf dem aktuellen Album „Conatus“, das schüchterne „Dankeschön!“ dazwischen klingt erstaunlich akzentfrei. Einmal wagt sich Zola Jesus dann sogar mitten ins Publikum und kann sich vor Umarmungen von all den im Vergleich zu ihr so großgewachsenen Menschen kaum retten. Wahrscheinlich ist das Teil ihrer Konfrontationstherapie, eine Art Exorzismus von all den Ängsten und Unsicherheiten, die sie in ihren Texten thematisiert. Fest steht jedenfalls: Es ungeheuer kraftspendend, diesem kleinen Energiebündel dabei zuzuschauen und zuzuhören, wie es sich die inneren Dämonen von der Seele singt.

















Kommentare
Kommentar hinzufügen