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Dem Bösen auf der Spur

Eine schweizer Theatergruppe geht in „Jenseits von Gut und Böse“ mit großen Puppen der Frage nach, was denn nun wohl das Böse sei. Das Figurentheaterfestival „No Strings Attached“ ist wieder da!

 

An einem Ort jenseits von Gut und Böse hat Pfarrer Gunther ein Resozialisierungs-Paradies geschaffen. Dort leben er und seine Schützlinge, der Alkoholiker Wolfgang (oben im Bild als dickliche Puppe) und der Kleinkriminelle Hashem in scheinbarer Harmonie. Doch dann bricht der gewaltbereite Neonazi Björn in dieses Asyl verlorener Seelen ein ...

 

Es ist die Kult-Komödie „Adams Äpfel“ des dänischen Regisseurs Anders Thomas Jensen („Dänische Delikatessen“, „In China essen sie Hunde“), die Pate stand für den Plot des Figurentheater- Stückes „Jenseits von Gut und Böse“ der schweizer Theatergruppe Kopp/Nauer/Vittinghoff. Im Rahmen des Figurentheaterfestivals „No Strings Attached“ (NSA) kommt das von der Theaterpresse gefeierte Stück am 6. Mai nun nach Mainz. Dabei zeigen Armin Kopp und Philippe Nauer, wie vielfältig Figurentheater sein kann und welche Intensität entsteht, wenn Puppe und Spieler als scheinbar unabhängige Künstler und Akteure miteinander interagieren.

 

Der Plot des Stückes mit den schräg-symphathischen, riesigen Figuren, bietet existentielle Auseinandersetzungen am Fließband – allem voran die Frage stellend: „Was ist wohl das Böse?“ Laut Festival-Organisatorin Nike Poulakos bietet das Stück in jedem Fall „ganz viel bitteren Witz“. Auch wenn man nicht mit hundertprozentiger Sicherheit erfahren wird, ob das Böse nun in Gestalt von Marilyn Manson oder doch eher als Joseph Ratzinger zu Tage tritt.

 

Das philosopische Futter für diese doch recht grundlegende Materie kommt aus dem Kopf des Cutting-Edge-Atheisten Michael Schmidt- Salomon. Nach eigenem Bekunden haben sich die drei Schweizer für das Stück kräftig an seinem Sachbuch „Jenseits von Gut und Böse – Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind“ bedient. Dem Philosophen scheint‘s zu gefallen, kommt er doch eigens zur Vorstellung nach Mainz gereist, um sich im Anschluss der Aufführung den Fragen des Publikums zu stellen. Freilich bietet „No Strings Attached“ – das Festival für Figurentheater und andere außergewöhnliche Theaterformen – noch mehr. Das Stück „Mathilde“ vom australischen Multitalent Neville Tranter ist zwar bereits ausverkauft – doch für die anderen Stücke aus aller Welt gibt es noch Karten.

 

Begleitet wird das Festival von der Miniatur- Ausstellung „Ästhetik des Widerstands“ des Modellbauers Matthias Schmeier. Im Maßstab 1:35 zeigt der ehemalige Hausbesetzer und linke Aktivist detailverliebte Nachbildungen erschreckender Ereignisse wie etwa Flüchtlingsdramen in Südostasien, Straßenkämpfe in Belfast oder Szenen aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Eine Welt à la Märklin trifft hier auf Klassenkampf und Revolution. Der Eintritt zur in der Zitadelle aufgebauten Ausstellung ist frei – und soll dazu anregen, sich im Anschluss auch die größeren Figuren anzuschauen, die vom 30. April bis 6. Mai durch die Mainzer Kammerspiele schreiten, tanzen, spielen, kreuchen, lachen, schreien und lieben.

 

"No Strings Attached" – Das Festival für Figurentheater und andere außergewöhnliche Theaterformen kommt vom 30. April bis 6. Mai wieder in die Mainzer Kammerspiele und in diesem Jahr auch auf die Mainzer Zitadelle! „Jenseits von Gut und Böse“ ist nur am 6. Mai, 20 Uhr, zu sehen. Mehr Infos gibt es hier auf www.no-strings-attached.de.

 

Autor: 
Fabian Scheuermann
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