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Der ganz normale Wahnsinn
Von ihrer Paraderolle als hippe Kolumnistin in „Sex and the City“ zur gestressten, arbeitenden Mutter. Sarah Jessica Parker wandelt in „Working Mum“ auf ganz neuen Pfaden. Ab 17. 11. im Kino.
Kate Reddy (Sarah Jessica Parker) ist mit ihren Mittdreißigern der Innbegriff einer emanzipierten Powerfrau: Neben Kuchenbasaren und Schulaufführungen ihrer zwei kleinen Kinder und den Anforderungen ihres ebenfalls arbeitstätigen Ehemanns, hat sie auch noch einen Fulltime-Job bei einer New Yorker Investmentfirma. Als Finanzberaterin muss sie dort täglich mit Zahlen und harten Fakten jonglieren. Jonglieren muss sie im Übrigen auch in ihrem privaten Leben. Da nämlich werden Mince Pies aus dem Supermarkt mit einem Nudelholz bearbeitet um ihnen den Stempel „selbstgemacht“ aufzudrücken und Geburtstagsgeschenke für die Kinder am Flughafen eingekauft. Ihr Leben gerät noch mehr aus dem Ruder als fortan für Neu-Klienten Jack Abelhammer (Pierce Brosnan) rund um die Uhr arbeiten soll.
Mehr Übertreibung, bitte!
Leider kommt die Verfilmung nicht an die klug beobachtete und witzig geschriebene Romanvorlage heran. Kates Doppel- und Dreifachbelastungen werden zwar greifbar dargestellt und Sarah Jessica Parker kann die dramatische und hyperaktive New Yorkerin passabel darstellen, aber vieles hätte ruhig mehr auf die Spitze getrieben werden können:
Das fängt bei Kates widerwärtigem Kollegen Chris Bunce an. Im Grunde ein sexistisches Arschloch. Er macht sie vor ihren Kollegen schlecht und ihren neuen Jobeinsatz kommentiert er damit, dass ihre Kinder nun noch öfter das Kindermädchen sehen dürfen. Und wenn Kate mal wieder zu einem Meeting zu spät kommt fragt er süffisant, wie viele Kinder sie denn noch in die Welt setzen möchte. Leider wird Seth Meyer als Chris mit seinem bubihaften Charme und dem Dauergrinsen der Rolle ganz und gar nicht gerecht. Man entwickelt sogar fälschlicherweise fast so etwas wie Mitgefühl für ihn. Beim nächsten Mal ein wenig mehr Bosheit, bitte!
Auch Kates Ehemann (Greg Kinnear) hat nicht viel zu bieten und ihr erst recht nichts entgegenzusetzen. Eine handfeste Ehekrise? Von wegen. Während Kate ihn zum wiederholten Male versetzt, schaufelt er ihr noch mit verständnisvollen Blicken den Rücken frei. „Was für ein Schlafi!“ – schießt einem da durch dem Kopf. Und auch Pierce Brosnan, der als charmanter, jung gebliebener Geschäftspartner Kate den Kopf verdreht, trieft vor Langeweile. „Ist Kate nicht eigentlich viel zu alt für ihn?“, fragt man sich die ganze Zeit…
Zu wenig Buch, zu viel Authentizitätsanspruch
Wirklich bedauernswert ist, dass das eigentliche Higlight des Buches, die Listen, keinen größeren Raum im Film erhalten. Mit deren Hilfe geht Kate durch, woran sie am nächsten Tag unbedingt denken muss. Do not forget! Ganz am Anfang werden sie toll visualisiert, tauchen dann aber im weiteren Verlauf leider nicht mehr auf. Schade, denn sie hätten den Film wirklich originell gemacht.
Eher unpassend sind zudem die zahlreichen Intervieweinschübe von Kates Freunden und Kollegen, die vor Klischee triefend ihren rasanten Lebensstil kommentieren. Dieser pseudo-dokumentarische Stil vermittelt hier nicht Authentizität sondern wirkt einfach nur überzogen und aufgesetzt.
Nicht gänzlich unbrauchbar, aber enttäuschend
Wirklich cool und witzig dagegen ist die Rolle der abgedrehten Junior-Mitarbeiterin Momo (Olivia Munn). Sie ist mit ihren sarkastischen Kommentaren und ihrer taffen Art ein echtes Gegengewicht zu Kate. Das einzige in dem Film! Momos Kinderphobie und übertriebener Perfektionismus werden perfekt in Szene gesetzt und sorgen zwischendurch für echte Unterhaltung.
Dass dem Film die Tiefe der Romanvorlage fehlt, wird dank dem platten und vorhersehbaren Ende noch mal vor Augen geführt. Daher ist er insgesamt eher eine Enttäuschung. Dennoch ist es wohl sicher, dass der der Name Sarah Jessica Parker das vorwiegend weibliche Publikum in die Kinos ziehen wird.
Der ganz normale Wahnsinn – Working Mum (orig.: Working Mum)
Regie: Douglas McGrath (USA, 2011)
Spieldauer: 89 Min.
FSK: 0
Verleih: Central Film
Kinostart: 17. November 2011



















