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Der Lebenszeitarchäologe

Jeden Tag mindestens eine Zeichnung – Marcel van Eeden präsentiert in seinem dunkelsten Museum ein künstlerisches Tagebuch, das räumliche und zeitliche Grenzen aufzuheben scheint.

 

“The Darkest Museum in the World” Unter diesem Titel hat die Einzelausstellung des niederländischen Zeichners und Konzeptkünstlers Marcel van Eeden am 13. November in Ausstellungsgebäude der Mathildenhöhe in Darmstadt gestartet. Der Künstler präsentiert 13 Serien und insgesamt 660 rätselhafte Zeichnungen. Hinzu kommen skulpturale Objekte, Filme, ein raumfüllendes Videospiel mit Modell und Produktionsmaterialien sowie eine große Architekturskulptur als Kinobox, die sich auf den 1000 Quadratmetern des Ausstellungsgebäudes zu einer spannungsreichen Totalinstallation – einem Labyrinth der Geschichte und Geschichten – zusammenschließen.

Als Vorlage für seine Bilder nimmt Marcel van Eeden Materialien aus den Zeitungen und Büchern, die vor seiner Geburt (22. November 1965) entstanden sind. Er verarbeitet reale Personen und historische Ereignisse ebenso wie literarische Figuren und fiktive Geschehnisse. Der Künstler stellt damit wie der Schriftsteller W. G. Sebald eine Grundsatzfrage des Lebens: "Wie weit muss man zurück, um den Anfang zu finden?" Seit 2004 erscheint jeden Tag eine Zeichnung.

Der Titel der Ausstellung bezieht sich einerseits auf die neuste Zeichnungsserie von Marcel van Eeden, die aus dem Dunkel der Geschichte auftaucht und in der die Mathildenhöhe zum Schauplatz eines mysteriösen Geschehens wird. Andererseits beschreibt er neben dem perfekten Schutzort für die ebenfalls lichtempfindlichen Zeichnungen van Eedens im übertragenen Sinn auch unser eigenes Gehirn als dunklen Speicherraum mit stets vom Vergessen bedrohten Erinnerungsfragmenten. Es ensteht beim Künstler eine Welt, die eine besondere Realität zwischen Traum und Erinnerung entfaltet.

 

Autor: 
Olga Maslov
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