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Der Mensch ist eine Seifenblase

Im Frankfurter Städel ist noch bis Februar die große Albrecht-Dürer-Ausstellung zu bewundern. 

 

Apokalyptisch und höllisch dramatisch – das ist Albrecht Dürer. Zeichnungen und Gemälde, Skizzen und Holzfiguren, illustrierte Bücher ausgeliehen aus namenhaften Kunstgalerien wie dem Paul Getty Museum in Los Angeles, der National Gallery in London und vielen mehr präsentiert das Städel Museum am bekannten Museumsufer in Frankfurt den Künstler aus dem späten Mittelalter.

 

Kaum zu glauben...

… aber wahr: Es sollen tatsächlich um die 180 Werke Dürers an einem einzigen Ort zu sehen sein. Voller Vorfreude geht man ins Frankfurter Städel Museum und erwartet vor allem das, wofür Dürer am berühmtesten ist. Seine druckgrafischen Techniken. Ganz ohne Zweifel sind das wahre Prachtstücke der Renaissance. Die dingliche Ausarbeitung der Kleidung, die Intensität der Falten in der Haut alter Menschen, die Linien und Rundungen, mit denen jede einzelne Locke, jede Strähne einer Haarpracht so betont wird, wie kein Fotoshop es jemals nachahmen könne. Um allein seine zeichnerischen Meisterwerke wie die apokalyptische Serie „Die heimliche Offenbarung Iohannis“ (1498) zu sehen, lohnt sich eine Fahrt nach Frankfurt. Doch am Ende bleibt die Enttäuschung, dass es nicht die echten Holzschnitte sind, sondern nur Dürers Radierungen, also eine Art Druckplatte. Wenigstens wird ein solches Beispiel dazu zur Schau gestellt: „Christus am Ölberg“ (1521), ungefähr Din A5-Größe, irgendwo in der Ecke der Ausstellung, äußerst dumpf beleuchtet, nahezu ungeachtet vor sich fast schon dahinvegetiert.

 

Öl auf Leinwand

Auch muss man sagen, das die wenigen Gemälde Dürers wie zum Beispiel „Adam und Eva“ (1504) nicht wirklich gelungen in Szene gesetzt werden. Einen Wermutstropfen haben einige Beispiele wie das Werk „Heiliger Hieronymus im Studierzimmer“ (1521). Dieses und wenige weitere Malereien werden vor Ort mit einem ähnlichen Werk eines anderen Künstlers vorgestellt. Ein Plagiats-verwandter Vorgang? Eher ein Beweis, dass Dürer auch Künstler seiner Zeit inspirierte – zum Beispiel Joos van Cleve. Dieser malte direkt im selben Jahr ein ähnliches Bildnis des Heiligen Hieroynmus. Nur in Holland…

 

Zum Glück sind die meisten Gemälde groß genug, sodass man diese auch ohne großartige Beleuchtung nicht übersieht. Verständlicherweise dürfen Gemälde nicht zu stark bestrahlt werden. Aber dann stellt sich die Frage an die Kuratoren, ob die grau-blauen Wände nicht doch einen Ticken heller, vielleicht matt, aber eben nicht so dunkel hätten sein sollen. Zumindest schafft es die Ausstellung ein düsteres Flair, ganz dem Mittelalter getreu, zu entfachen.

 

INFOS ZUR AUSSTELLUNG

Die Dürer-Ausstellung findet noch bis 2.Februar statt. Öffnungszeiten sind Di, Mi, Sa, So 10.00–19.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr, montags geschlossen.

Mehr Infos zur Dürer-Ausstellung unter www.duerer-in-frankfurt.de.

Infos zum Frankfurter Städel unter www.staedelmuseum.de

 

Autor: 
Jana Hermann
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