Der Posterboy des Feuilletons
In Frankfurt diskutierte Mark Greif, Biograph des Hipstertums und Vordenker der Occupy-Bewegung mit dem Musikjournalisten Tobias Rapp vor allem über Rap.
Irgendwann im Laufe der Diskussionsrunde im Frankfurter Club Orange Peel sagte Mark Greif, dass es gefährlich für das eigene Seelenheil sei, wenn zu viele Leute auch die schlechten Sachen, die man tut, die schlechten Artikel, die man schreibt, mögen. Denn dann würde man anfangen, die anderen Leute zu verachten. Man würde sich selbst für etwas Besseres halten.
Man wäre dann in etwa das, was den Hipstern, der momentan wohl verhasstesten Subkultur – wenn man sie denn überhaupt Subkultur nennen kann – der Welt vorwirft. Deshalb war nach diesem Satz auch klar, wohin Benjamin Seibel, der Moderator des Abends, die Diskussion als nächstes lenken würde. Schließlich erschien erst letzte Woche bei Suhrkamp das Buch „Hipster – eine transatlantische Diskussion“, das auf Greifs „Who was the Hipster“ basiert, welches wiederum durch Beiträge von deutschen Journalisten und Wissenschaftlern ergänzt wurde. Einer der Beiträge stammt von Tobias Rapp, der ansonsten vor allem für den Spiegel über Musik schreibt, und vor einigen Jahren eine Kulturgeschichte des Techno veröffentlichte.
10.000 Dollar Startkapital
Hauptperson an diesem Abend war aber der New Yorker Greif. In der letzten Zeit war schließlich kaum eine Woche vergangen, in dem er nicht mindestens in einem Feuilleton dieser Republik auftauchte; im Rahmen seiner aktuellen Lesetour erschien täglich mindestens ein Artikel über ihn oder seine Bücher. In einem Land wie Deutschland, in dem es keine jungen Intellektuellen gibt – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung nicht – kommt jemand wie Greif aber auch wie gerufen: 36 Jahre jung, Elite-Uni-Absolvent, Literatur-Professor und Mitherausgeber des gefeierten Magazins „n+1“, in dem die Essays gerne auch mal vierzig Seiten lang sein dürfen.
Gegründet wurde das Magazin 2004 von Greif und drei Freunden. Vor allem aufgrund der „Nicht-Debatte über den Irak-Krieg.“ Die Gründungsgeschichte, wie Greif sie erzählte, klang schon ein wenig abenteuerlich: 10.000 Dollar, so hatten die Freunde – Autoren, Wissenschaftler und Journalisten – recherchiert, brauchten sie für eine Ausgabe. Jeder der vier steuerte also 2000 Dollar bei, die restlichen 2000 besorgte man sich von Bekannten, indem man diesen für 10 Dollar die ersten beiden Ausgaben versprach. Und so ging es immer weiter: Die erste Ausgabe finanzierte die Zweite, die zweite die dritte, und die fand dann in die Hände der großen Medien, die darin eine neue, wichtige Stimme der Intellektuellen-Szene zu sehen glaubte. Und mit einem Mal hatte die Zeitschrift nicht mehr 300, sondern 1.500 Abonnenten.
Oft genug geht es in der n+1 auch um Popkultur, in der aktuellen Ausgabe gibt es etwa einen ausführlichen und intelligenten Artikel über das Musikportal Pitchfork, welches zum Beispiel einen riesigen Anteil am weltweiten Erfolg von Bands wie Arcade Fire oder Broken Social Scene hat, aber eben auch durch eine schlechte Besprechung eine Musikerkarriere vollständig zerstören kann. (In dem Artikel kommt, siehe oben, am Rande der Irak-Krieg beziehungsweise die Proteste dagegen, vor.)















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