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Deutscher Kleinkunstpreis 2014

Zum 42. Mal wurde der Deutsche Kleinkunstpreis im Mainzer Unterhaus verliehen.

 

Am 9.3. war es wieder so weit: in den traditionsreichen Hallen des Mainzer Unterhauses wurde der Deutsche Kleinkunstpreis 2014 verliehen. Die Preisträger gesellten sich damit zu Größen wie Hanns Dieter Hüsch, Hannes Wader, Urban Priol und Bodo Wartke.

Der Preis wird in den Sparten Kabarett, Chanson/Lied/Musik und Kleinkunst verliehen, außerdem gibt es den Förderpreis der Stadt Mainz und seit 2008 den Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz.

Die kleine Glocke läutet bereits seit 42 Jahren und ist damit in Deutschland nicht nur der älteste Preis auf allen Gebieten der Kleinkunst, sondern gilt auch auch der wichtigste. Moderiert wird die Veranstaltung von Volker Pispers, der den Preis 1995 selbst gewonnen hat.

Die Preisträger stellten Auszüge aus ihrem aktuellen Programm vor. Die STUZ die Gewinner vor und verrät, ob sich das Einschalten der Fernsehausstrahlung am Sonntag lohnt.

 

Sparte Kabarett: H.G. Butzko

H.G. Butzkos Programm ist ebenso böse wie die Programme, die wir von Volker Pispers kennen, allerdings ohne das immer freundliche Lächeln des bärtigen Kabarettisten, und damit wirkt es noch eine Spur fieser. Butzko macht politisches Kabarett, das weh tut – sehr zur Freude des Publikums. Die Gesichter vieler Politiker im Publikum erinnerten allerdings eher an Rainer Brüderles Gesichtsausdruck nach der Bundestagswahl. Von Julia Klöckner Lippen lässt sich ein eindeutiges „Aua“ ablesen. Die Jury bezeichnet ihn als einen „Meister des investigativen Kabaretts, wie er besonders in seiner satirischen Interpretation der Finanzkrise unter Beweis stellt“.

 

Sparte Chanson/Lied/Musik: Knut & Tucek

„Einfach zwei gute Kleinkunst-Prachtweiber“, sagt die Jury. Wir sagen: zwei hervorragende Sängerinnen auf hohem musikalischem Niveau, allerdings möchte man beim Zuhören laut schreien „ich weiß die Pointe schon seit gefühlten zwei Stunden, jetzt macht endlich!“, bevor sie dann tatsächlich kommt. Und Witze über lüsterne katholische Priester sind auch nicht gerade revolutionär. Wenn die Künstler warnen, dass es „weh tun“ könnte, erwartet sich der Zuschauer etwas mehr.

 

Sparte Kleinkunst: Ohne Rolf

„Ohne“ ist das Programm des Duos tatsächlich, und zwar ohne Ton. Denn Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg arbeiten nur mit Plakaten, deshalb nennen sie das, was sie machen, auch „Plakatumblätterkabarett“. Man könnte meinen, die ganze Zeit nur Plakate zu lesen, könnte irgendwann langweilig werden. Wird es aber nicht. Die Vorstellung von „Ohne Rolf“ ist erfrischend anders, sehr unterhaltsam und wirkt an einigen Stellen spontan, obwohl das überhaupt nicht sein kann, denn die Plakate sind ja vorgedruckt. Zum Schluss wird sogar Moderator Pispers miteinbezogen und musste mitblättern. Auch die Dankesrede findet selbstverständlich auf Plakaten statt. „Noch nie war Lesen so wunderbar, aufregend und herrlich unterhaltsam“, sagt die Jury.

 

Förderpreis der Stadt Mainz: Klaus Eckel

Den Preis bekommt bestimmt ein Meenzer, könnte man denken. Falsch gedacht, Klaus Eckel ist Wiener, uns das hört man auch. Und das ist gut so, denn der Wiener Akzent unterstreicht den Witz seiner skurrilen Gedankengänge. Er denkt zum Beispiel darüber nach, was wäre, wenn der Neandertaler vor der Keule das iPad erfunden hätte oder beim Pyramidenbau eine Gewerkschaft mitgesprochen hätte. Dabei blickt er das Publikum mit großen, staunenden Augen an.

 

Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz: Franz Hohler

Ja, das doch ist der Märchenonkel aus … Ja, woraus? Bei Franz Hohler fühlt man sich sofort gut aufgehoben, ein richtiger Märchenonkel eben. Im Fernsehen war er unter anderem in der Schweizer Kindersendung „Das Spielhaus mit Franz & René“ zu sehen. Gute Geschichtenerzähler sind wertvoll und selten und der Schweizer ist ein besonders guter, nicht nur für Kinder. Irgendwann holt er sein kleines Büchlein heraus und liest kleine Geschichten vor, die meist ziemlich abrupt und unerwartet enden. Laut Jury „entführt er das Publikum in eine heile Märchenwelt, um es dann mit gezielten Attacken wieder in die raue Wirklichkeit zurückzuholen – ein phantasievoller Moralist, der mit feinem Humor seine Mitmenschen sanft an der Hand nimmt“. Können wir so unterschreiben.

 

Lohnt sich das Einschalten?

Ein eindeutiges Ja! Mit wenigen Abstrichen gibt es starke Preisträger mit Programmen, die sowohl die Bauchmuskeln als auch das Hirn anstrengen. Und obendrauf gibt’s einige Politiker, denen das Lachen im Halse stecken bleibt.

 

 

 

Ausstrahlungstermine:

 

Sonntag, 23.03., 20.15 Uhr, 3sat

 

Freitag, 28.03., 00.50 Uhr, ZDF

 

Sonntag, 20.04., 00.25 und 02.40 Uhr, ZDFKultur

 

 

 

 

 

Autor: 
Dominique Heinbach
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