Anzeige

Die Ambivalenz in allem

Interview mit Abby

 

Abby ist im Popkosmos eine Mischung aus Freunden, Indie und 70er-Jahre- Musik. Die vier Wahlberliner veröffentlichten 2013 ihr Debütalbum „Friends & Enemies“ und zogen mit ihren kraftvollen Liedern über die Bühnen. Am 23. März werden die Jungs im Schlachthof Wiesbaden spielen. Die  STUZ sprach vorab mit Sänger Filou.

 

STUZ: Euer Debütalbum „Friends & Enemies“ ist jetzt gut ein dreiviertel Jahr draußen. Seid ihr zufrieden damit, wie es sich seitdem entwickelt hat?

Filou: Auf jeden Fall. Klar man hat immer Wünsche und Erwartungen, die dann vielleicht nicht erfüllt  werden, aber andere Dinge sind wieder passiert mit denen wir nicht gerechnet haben. Wir hatten eine schöne Tour mit über dreißig Auftritten, das war eine super Zeit für uns. Gerade sind wir mitten im Prozess, das zweite Album zu schreiben und selber zu produzieren. Wir sind nicht so sehr die Zurückblicker.

 

Eure Texte erzählen Geschichten aus der Sicht von einem Mädchen namens Abby. Was war für euch der Anlass, so ein Konzept aufzubauen?

In erster Linie war es der Wunsch und der Versuch, einen anderen Rahmen zu gestalten, um nicht immer aus eigen generierten Erfahrungen und aus der Perspektive von sich selbst zu schreiben, sondern um  eine Geschichte erzählen zu können. Die Geschichte von Abby basiert auf der Wahrheit. Natürlich ist das gestraffter dargestellt und die Namen der Charaktere wurden geändert. Irgendwie war das so spannend und da wir auch innerhalb der Band ein enger Freundeskreis sind und sich die Geschichten um den Freundeskreis drehen, ist das ein Gefühl was wir selbst gut transportieren können.  

 

Ist Abby eine Figur, die sich zwischen zwei Extremen wie „Friends & Enemies“, „shadows and light“ und „hide and seek“ bewegt?

Im Prinzip tut das ja jeder. Man hat immer eine Schattenseite, egal wie gut man ist und die kennt man wahrscheinlich ziemlich gut. In dem Fall ist es eher darauf bezogen, dass es um die Ambivalenz in eigentlich allem geht, in einem selbst und in den Dingen, die man tut. Das kann etwas Gutes sein wie einem Freund ein Rat zu geben, aber es kann eben auch etwas Falsches sein, obwohl die Intention gut ist. Das sind alles kleine Freunde und Feinde die einem was Gutes geben in dem Moment, aber die auch etwas Schlechtes in sich tragen. Deswegen heißt unser Album auch so.

 

„And every wave need walls to make a sound at all“  heißt es in „This Song Remains Through All“. Gegen welche Wände lauft ihr und sind es die gleichen, gegen die Abby läuft?

Die Wände, gegen die man läuft, trägt man in sich selbst, würde ich mal behaupten, gerade auch bei uns. Bei unserer Konstellation ist es eine Zusammenarbeit, die sich durch alles durchzieht. Wir schreiben zusammen, wir entscheiden zusammen und dann kommt irgendwann der Punkt, an dem man sich zurückziehen muss oder man für seine Dinge einstehen muss. Das sind so die Wände, gegen die man ab und zu stößt und ich glaube, dass es der Person Abby auch so geht.

 

Ihr benutzt in euren Liedern die verschiedensten Instrumente wie Cello, Harfe und Synthesizer. Studiert habt ihr in Mannheim an der Popakademie. Lässt es sich damit erklären, dass eure Musik vielfältig und gut durcharrangiert ist?

Das ist Teil dessen, was wir alle vor unserem Musikstudium schon getan haben. Wir haben alle schon vorher eine klassische Ausbildung an Musikschulen hingelegt. Daher kommt es, dass wir so viele verschiedene Einflüsse haben.  Wir haben zwar alle einen unterschiedlichen Geschmack aber mit einer relativ großen Schnittmenge. Wir beschäftigen uns schon so lange mit dem Musikmarkt, dass man irgendwann ein Gefühl dafür bekommt, die Dinge passend zu arrangieren.

 

Abseits von Abby seid ihr auch musikalisch tätig. Tilly ist Live-Musiker bei Apparat und zusammen habt ihr das Album des Ex-Genesissänger Ray Wilsen „Chasing Rainbows“ aufgenommen. Gibt euch das Inspiration für die eigene Musik?

Auf jeden Fall. Alles was man macht, inspiriert einen in irgendeiner Form. Wir haben ein eigenes Studio in Berlin und machen seit einigen Jahren sehr viel Techno. Die elektronische Welt war schon immer extrem interessant für uns und da tauchen wir immer tiefer ein. Die Erfahrungen, die Tilly mit Apparat macht, sind super und die bringt er natürlich auch bei uns mit ein.

 

Mit „We Don't Worry“ wart ihr auf dem Soundtrack zu Schweighöfers Film „Schlussmacher“ zu hören und „Again“ lief bei „Die Tribute von Panem– Catching Fire“. Was für Reaktionen habt ihr darauf bekommen?

Wenn ein Song in einem großen Kinofilm läuft, bekommen wir das maßgeblich auf Facebook mit. Entweder wird nach dem Album gefragt oder kommentiert, dass der Song aufgefallen ist. Auf unseren Konzerten kriegen wir auch mit, dass Leute deshalb kommen und uns in dem Film zum ersten Mal gehört haben.)

 

Ihr habt die Idee geäußert, Abby filmisch umzusetzen. Wer wäre neben euch auf dem Soundtrack zu hören, wenn ihr frei wählen dürftet?

Dazu müsste ich erst die Bilder sehen, um die Stimmung besser greifen zu können. Klar, es gibt großartige Bands, die wir gerne hören. Es gibt Songs von Moderat und Jon Hopkins, die wir extrem feiern. Unser All-Time Classic ist wohl „Ramble On“ von Led Zepplin. Auf dem Soundtrack könnte alles drauf sein, wir sind da sehr weit gestreut.

 

Von Mannheim seid ihr nach Berlin gezogen. 2013 habt ihr auf dem ZurückZuHause-Festival in Berlin gespielt. Ist Berlin für euch ein Zuhause geworden?

Definitiv. Wir sind vor knapp 5 Jahren nach Berlin gezogen. Man muss dazu sagen, dass wir die meiste Zeit, die es Abby gibt, in Berlin gewohnt haben. Unsere Freunde sind da, wir haben unser Leben da aufgebaut, unser Studio ist da, das funktioniert alles Einwand frei. Wenn wir nach einer Tour oder ein längeren Reise nach Berlin zurückkehren, ist jeder wieder etwas erleichtert, zu Hause zu sein.

 

Von Berlin ging es für die Aufnahmen zum Album nach London in das Kensaltown Studio. Wie wirkt sich der Wechsel zwischen den drei Städten (Mannheim, Berlin, London) auf eure Musik aus?

In Mannheim haben wir angefangen und geschnuppert. In Berlin haben wir begonnen, richtig zu arbeiten und zu schreiben. Die elektronische Welt ist in Berlin natürlich stark vertreten, was noch nicht so wichtig  für das erste Album war, da wir einen live orientierten Ansatz gefunden hatten. Das war auch der Grund, wieso wir nach London gegangen sind und die Platte in einem Raum stehend live eingeklopft haben.

 

Bei den Editors wart ihr Vorband, ihr habt auf dem „Iceland Airwaves“ und auf dem „Melt!“ gespielt. Auf welcher Bühne würdet ihr euch noch gerne stehen?

Es gibt Festivals in den USA wie das „Coachella“ oder das „Bonnaroo“, wo wir sofort gerne hin würden. Das „Glastonbury“ in England. Es gibt auch so viele andere kleine Festivals. Auf dem „Sonne, Mond und Sterne“ würde ich zum Beispiel gerne spielen. Gerade mit dem elektronischen Einfluss wäre das für uns passend. Man nennt natürlich immer erst die Festival im Ausland, weil man da das Reisen und Musik machen am besten verbinden kann.

 

Nächste Woche geht es für euch wieder auf Tour. Du hast vorhin schon das neue Album angesprochen. Was darf man erwarten?

Ab der Festivalsaison werden wir viele neue Songs spielen. Über das Album will ich jetzt noch nicht zu viel mutmaßen, da wir gerade noch im Schreibprozess sind. Es wird auf jeden Fall elektronischer und auf eine andere Art auch rockiger. Die Welten werden extremer vertreten sein. Wir haben uns weiter entwickelt zu mehr erwachsender, mehr ernstzunehmender Musik. Das wollen wir auch möglichst bald zeigen dürfen.

 

 

Autor: 
Tobias Siebert
Facebook:
Artikel bewerten:

Dies bewerten

Noch keine Bewertungen vorhanden

Flattr