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„Die Angst muss weg“

Mit „Sowas von da“ nimmt Tino Hanekamp den Leser mit auf einen irrwitzigen und temporeichen Kiezroman. Im Interview mit der Stuz erklärt er, was für Leute in einem Club arbeiten, warum man mutiger sein sollte und wie Lesungen bloß nicht ablaufen sollten.

 

STUZ: Vom Clubbesitzer zum Autor. Wie kam es dazu? Du hast selber mal gesagt, dass man als Clubbesitzer eher dazu neigt, „sich selbst und den Leuten das Sprachzentrum sozusagen wegzusaufen ...“

Tino Hanekamp: (lacht) Das hab ich in einem Interview gesagt? Muss ich wohl betrunken gewesen sein. Ich hab immer schon geschrieben. Schon mit 14 für die Lokalzeitung. Schreiben war immer mein Ding, und dass ich dann Clubbetreiber wurde, war ein Unfall, hat sich so ergeben. Eigentlich wollte ich nur ein bisschen hinterm Tresen arbeiten, weil ich keine Lust mehr auf Musikjournalismus hatte. Dann kam aber die Idee, etwas Eigenes aufzubauen. Und daraus ist dann jetzt irgendwie auch noch ein Buch geworden.

 

Wie bist du auf die Story gekommen?

Ich hab zwei Clubs geführt, zuerst die „Weltbühne“, das ist ein kleiner Laden gewesen, der später abgerissen wurde. Er steht ein bisschen Pate für den Club im Buch. Und dann kam das „Uebel & Gefährlich“, das jetzt noch besteht und viel größer ist als die „Weltbühne“. Der kleine Club war so eine Art Schmelztiegel für Idealisten, die hinter dem Tresen arbeiteten, auf der Bühne standen oder davor. Da waren viele Musiker dabei, Maler, Lebenskünstler, Abenteurer. Leute, die alle kein Geld haben und für so ’ne komische fixe Idee leben, die sie antreibt. Die Hälfte von denen wird niemals damit durchkommen oder Erfolg haben. Diese Leute habe ich immer bewundert, weil sie sich was trauen und einfach auf Sicherheiten scheißen. Leute, die ihren Traum leben. Da ist so eine ganz bestimmte Energie. Ich dachte mir, davon müsste man doch mal erzählen und auch davon, wie man so einen Club macht, obwohl man keine Ahnung hat und kein Geld. Was für ein wundervoller Wahnsinn das alles ist. Ich wollte einfach dieses Glühen und diesen Idealismus festhalten.

 

Bist du denn selber Idealist?
Auf jeden Fall.

Wie würdest du „So was von da“ in drei Schlagworten beschreiben?
Schnell, verzweifelt, warmherzig.

 

Was möchtest du mit deinem Buch erzählen?
Ich wollte, dass man einen Eindruck in eine Welt erhält, die man so vielleicht nicht kennt. Einen Blick hinter die Kulissen. Ich will, dass das Buch Energie gibt. Der Leser soll hinterher denken: „Ja genau, ich mach jetzt auch irgendwas. Ich leg jetzt auch
los!“ Was auch immer ... Kann auch eine Tauchschule sein. Was man eben so erreichen will. Träume verwirklichen, die man hat. Der Roman soll den Leuten auch ein bisschen die Angst nehmen. Es wird da nichts romantisiert oder verklärt. Die Hauptfigur, der Oskar, kriegt ja die ganze Zeit einen aufs Dach und muss versuchen, auf den Beinen zu bleiben. Aber dennoch ... Ich habe immer das Gefühl, dass unsere Generation voller Angst ist, viele haben total Schiss. Aber das ist absurd, weil wir eigentlich die glücklichste Generation aller Zeiten sind. Nicht mal unsere Eltern haben Krieg miterlebt. Hier, in diesem Land, kann einem doch fast nichts passieren. Trotzdem sind alle voller Angst und trauen sich überhaupt nichts. Das ist Quatsch. Die Angst muss weg.

 

Autor: 
Anne Bochow
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