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Die Beatles. Wölfe. Lächeln.

Das Staatstheater Mainz bietet mit der Deutschsprachigen Erstaufführung von All das Schöne der Depression und dem Umgang mit ihr eine Bühne. Übrigens in der Dorett Bar, in der man zum Bier abwechselnd aus dem Lachen nicht mehr rauskommt oder an Traurigkeit zu ersticken droht.

 

Eiscreme. Länger aufbleiben als erlaubt und dann fernsehen. Sonnenuntergänge. Weil die Mutter Depression hat, fertigt der Protagonist von All das Schöne (gespielt von Matthias Lamp) eine Liste über alles Großartige an. Dass diese Liste seiner Mutter nicht helfen kann, versteht der Siebenjährige nicht. Die Liste wächst mit ihm. Mexikaner. Nachts tanzen. Wie Ray Charles You singt. Bis er irgendwann selbst erwachsen und depressiv wird – und die Liste auch ihm nicht mehr helfen kann.

Wie bringt man die Thematik einer weit verbreiteten und dennoch verschwiegenen Krankheit wie Depression am besten unter die Leute? Mit einer staubtrockenen Stimme und erhobenem Zeigefinger zum Therapeuten sicher nicht. Lustig soll das Stück von Duncan Macmillan sein. Wenn vom Hund Sherlock Bones gesprochen wird und ein Herr mit „Tierarztaura“ im Publikum dazu aufgefordert wird mitzuspielen, ist es das auch. Wenn der Siebenjährige erklärt, dass der Körper vor dem Geist spürt, dass etwas nicht in Ordnung ist? Nimmt man einen kräftigen Schluck Bier. Zu emotional die Stimme von Matthias Lamp, zu viel Wahrheit in ihr.
 

In einer Szene wird Sherlock Bones in Form einer Jacke eingeschläfert. Duncan Macmillan schafft es, dass einzelne Sätze ebenso Höhen wie Tiefen haben. Wie die Depression selbst.
 

Matthias Lamp bringt das sehr ausdrucksstark an das Publikum in der Mainzer Dorett Bar. In einer Stunde One Man Show bricht die Emotionalität in seiner Stimme nicht einmal weg – wenn er sich verspricht, fängt er sich selbstsicher, man ist im permanenten Bann.

 

Weitere Aufführungen: 26. Oktober, 9., 15. und 23. November sowie 3., 9., 10. und 16. Dezember

Obacht: Die Aufführungen finden zunächst in der Dorett Bar statt, später aber auch im Theatersaal Budenheim (9. und 10. Dezember). Das Staatstheater Mainz freut sich über Aufführungsanfragen.

 

Autor: 
Nicole Opitz
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