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Die etwas andere Therapie
Dick Brave & The Backbeats in der Phönixhalle Mainz, 09.03.2012
Nach rund sieben Jahren ist der verschollene Titan des Rock’n‘Rolls aus der kanadischen Wildnis zurückgekehrt. Nach einem Flugzeugabsturz im Jahr 2004 wurde Dick Brave (alias Sascha Schmitz) in den kanadischen Wäldern gefunden und nach einer actionreichen Befreiungsaktion vor einer „crazy Frau“ gerettet, welche ihn gefangen hielt. Dick litt lange Zeit an Amnesie und musste die Grundbausteine des Rock’n‘Rolls erst wieder erlernen. Doch nach langer Therapie hatte er seine Stimme und den Frauen in Ohnmacht versetzenden Hüftschwung wieder unter Kontrolle. Nun ist er mit seinem neuen Album „Rock’n‘Roll Therapy“ zurück und füllt die deutschen Konzerthallen.
Die Deutschlandtour war schnell ausverkauft, als die Freunde des 50‘s erfuhren, dass Dick wieder auf der Bühne steht! Dies war zu erwarten, wo der kanadische Sänger nach so kurzer Zeit von der Bildfläche verschwunden war und viele verzweifelte junge Frauen zurückließ. Es folgten einige Zusatzkonzerte und so geht die Tour nun bis in den Festivalsommer weiter quer durch Deutschland, um die Menschen zusammen mit seiner Band The Backbeats zu therapieren. So machten sie am 9. März auch in der Mainzer Phönixhalle Halt, um den Leuten einzuheizen.
Eine Vorband gab es leider nicht, die wurde durch ein zehn Minuten langes Video ersetzt, was die letzten Monate nach seinem Fund dokumentierte. Komischerweise hat niemand eine Vorband vermisst, da das Video wirklich alle Fragen beantwortete, die Menge zum Lachen brachte und den weiblichen Teil des Publikums bereits nervös werden ließ. Diese schon fast erotische Anspannung konnte man förmlich spüren, wenn man sich in den ersten Reihen zwischen hunderten von mehr oder weniger jungen Frauen aufhielt. Auch meine Anspannung ist zu Beginn des Konzerts gestiegen – da das Geschrei kaum ein Ende nahm, musste man geradezu um sein Leben und sein Trommelfell trachten.
Frisch rasiert und mit einem Pfund Pomade im Haar stürmte Dick Brave die Bühne, so dass man ihm die vergangenen sieben Jahre überhaupt nicht anmerkte. Er ist zwar nicht mehr der Alte, aber man könnte behaupten, dass man nun die Dick 2.0 Version vor sich hat. Er ist (eigenen Angaben nach) muskulöser und besser geworden, was er auf der Bühne bewiesen hat. So wurde er die vollen 90 Minuten nicht müde, seine neue Topform immer wieder unter Beweis zu stellen. Die Tatsache, dass fast alle Songs Coverversionen sind, feuerte die Stimmung deutlich an, da man wirklich jeden Song aus dem Radio kennt. Auch wenn man manche Songs erst bei näherem Hinhören erkannte, ließ es sich das bunt gemischte Publikum nicht nehmen, eifrig mitzurocken. Gewöhnungsbedürftig war für den einen oder anderen eben diese bunte Mischung, da von 16 bis 60 Jahren alles vorhanden war. In den vorderen Reihen jedoch konnte man angenehm abshaken.
Wer Dick Brave und seine Backbeats auch einmal live erleben möchte, hat dazu immer noch die Chance, da es noch einige Konzerte geben wird. Wer die deutschen Festivals besucht, hat spätestens dann die Gelegenheit, eine Reise zurück in die 50er zu machen.















