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Die kalte Muse Winnipeg

Der Sänger der Weakerthans, John K Samson, spricht mit uns über den Winter in Winnipeg, Texten aus der Sicht von Bäumen und seinem Jahr an der Universität.

 

STUZ: Herzlich Willkommen zu der deutschen Interpretation des Winters. Fühlst du dich im Winter wohler als in den anderen Jahreszeiten?

 

John K. Samson: Ja, ich denke ich schaffe am meisten im Winter. In Kanada ist es viel viel kälter als in Deutschland. Man lernt damit zu leben und man bereit sich darauf vor. Viel anders ist es nicht, das Licht ist das selbe, weil wir annähernd auf dem gleichen Breitengrad leben. Winnipeg wird durch den Winter definiert und das wirkt sich darauf aus, was und wie ich schreibe. Ich fände es komisch an einem Ort zu leben, wo es keine richtigen Jahreszeiten gibt. 

 

Wie würdest du die Gefühlslage beschreiben die sich im Winter ausbreitet?

 

Hoffnungsvoll würde am ehesten passten. Du brauchst den Glauben und die Hoffnung, dass die Pflanzen im Frühling wieder wachsen werden. Und außerdem eine Art von Resignation. Du musst da durch gehen.

 

In deinen Lieder finden sich immer wieder verschiedenen Perspektiven aus denen erzählt wird. Die einer Katze oder einer Straße. Welche Perspektiven reizen dich noch?

 

Es klingt albern, aber ich versuche Lieder über Bäume zu schreiben. Das ist eine interessante Herausforderung, eine Serie über Bäume. Es gibt viele Metaphern die man auf Bäume beziehen kann. Bäume sind so bemerkenswerte Pflanzen. Sie leben so lange, sie haben viel erlebt und sie sind eine Konstante in vielen Leben. 

 

Es ist kein Geheimnis, dass das präsenteste Thema in den Weaktershans-Alben und bei deiner Solo-Platte, der Umgang mit Heimat ist. Wieso ist das nach all den Jahren eine Inspiration für dich?

 

Ich probier damit klar zu kommen und ich hab immer noch viel zu sagen. Es wühlt mich auf und verärgert mich. Und so lange Winnipeg das macht, werde ich darüber schreiben. Das heißt nicht, dass ich es nicht auch liebe. Ich lebe seit mehr als 40 Jahren da. Auf eine Art und Weise ist es meine Muse. 

 

Wenn du „One Great City!“ spielst und jemand das Lied mit einem anderen Stadtnamen beendet, wie fühlst sich das an?

 

Wenn Leute das Lied mitsingen, die nicht aus Winnipeg sind, denken sie an die Orte woher sie kommen und an die eigenartigen Dinge die gut und schlecht daran sind. Das freut mich natürlich. 

 

Auf dem Provinicals-Album gab es dieses versteckten Motiven von vier Straßen. Hilft es dir als Musiker ein Konzept in die Alben zu bringen?

 

Ich mag es, wenn sich ein roter Faden durch ein Album zieht, das hält es zusammen. Sei es nun ein Thema oder eine Melodie. Außerdem mag ich es, das Album als ein einheitliches Werk zu betrachten. Es wird immer weniger populär, weil jeder Shuffle-Musik hört. 

 

Letztes Jahr hast du an der Universität von Manitoba Lehrgänge zum kreativen Schreiben gegeben. Wie lässt sich so etwas individuelles Vermitteln? 

 

Schreiben ist etwas, was man sehr gut lehren kann. Es gibt fundamentale Sachen die beigebracht werden könne und beigebracht werden sollten. Wir denken immer Schriftsteller sind mythisch, übermenschlich Talentiert. Vieles davon ist harte Arbeit und natürlich kann mehr lernen wie man besser darin wird, zum Beispiel wenn man es mit anderen Menschen teilt, um eine Rückmeldung zu bekommen. Ich habe mindestens genau so viel gelernt wie die Studenten. Für mich ist es nützlich zu wissen, dass es 90 Prozent der Arbeit, sich vor seinen Computer oder sein Papier zu setzen. Die Leute die sagen, dass man Schreiben nicht lehrbar ist, sind die gleichen die denken, dass Künstler übertalentierte Wesen sind. Natürlich können Lehrer das Schreiben ruinieren, aber ich kenn andere, die es verbessern können.

 

 

Autor: 
Tobias Siebert
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