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Die Liebe in Zeiten der Finanzkrise
"Das war ich nicht". Eine Theateradaption des gleichnamigen Romans von Kristof Magnussen.
Erste Szene: Drei Personen im Weihnachtsmannkostüm sitzen auf einer Parkbank. Jeder trägt ein Pappschild um den Hals: „Verarmt“, „Umarmt“ und „Verarmt“ ist auf denen zu lesen.
Bezeichnend für die in der Theateradaption des gleichnamigen Romans „Das war ich nicht“ von Kristof Magnussen verarbeiteten Themen. Bezeichnend deshalb, weil das Wort „Verarmt“ Konnotationen an die Finanzkrise weckt, das Wort „Umarmt“ Konnotationen an Liebe und Zärtlichkeit. Und darum geht es auch in dem Stück, um die Liebe und um die Finanzkrise oder besser: um die Liebe in Zeiten der Finanzkrise. Beides, die Liebe und das Finanzsystem, funktionieren nur, solange man daran glaubt, so wie auch der Weihnachtsmann nur funktioniert, solange man an ihn glaubt.
Vor minimalistischem Bühnendekor werden in „Das war ich nicht“ auf gewitzte Weise die komplexen Verflechtungen einzelner Schicksale in einer globalisierten Welt dargestellt. Die drei Weihnachtsmänner sind Jasper Lüdemann (Martin Müller), Henry LaMarck (Rainer Kühn) und Maike Urbanski (Viola Pobitschka): ein Banker, ein Bestseller-Autor und seine deutsche Übersetzerin. Aus der Ich-Perspektive erzählen die drei, wie alles gewesen ist.
Der gefeierte Bestseller-Autor und Pulitzer-Preisträger Henry LaMarck hat in einer amerikanischen Late-Night-Sendung etwas vorschnell und vorlaut seinen neuen Roman über den elften September angekündigt. Auf den folgenden Erwartungsdruck reagiert LaMarck mit Schreibblockade und flüchtet sich in ein Hotelzimmer.
Auch seine Übersetzerin aus Deutschland, Maike Urbanski, macht sich auf den Weg nach Chicago und auf die Suche nach „ihrem“ Pulitzer-Preisträger. Nicht zuletzt, weil sie als freie Übersetzerin von LaMarcks Schaffen abhängig ist: Da sie mit der Übersetzung seines ersten Romans einen Star amerikanischer Gegenwartsliteratur ins Deutsche übersetzt hatte und der neue Roman als „Jahrhundertroman“ gehandelt wird, hatte sie sich finanziell etwas aus dem Fenster gelehnt und brauch nun dringend den neuen Roman.
Jasper Lüdemann steht für ein Rädchen im Getriebe eines amoklaufenden kapitalistischen Systems. Er ist der Jérome Kerviel von Kristof Magnussen. Jasper aus Bochum, Schalkefan, arbeitet in der Zentrale der altehrwürdigen Bank Rutherford & Gold in Chicago, im Händler Saal, an Desk 3, Futures und Optionen, in der Reihe 29 an einem Platz mit vier Monitoren.
„Damals hatte ich Freunde. Jetzt ist die Karriere dran. Man kann nicht ewig jung sein. Und wenn ich nun bald Erfolg habe, gehe ich bestimmt auch mal mit den Kollegen in Chicago ein Bier trinken. Dann gehöre ich dazu.“ Das ist Jasper.
Er jongliert erst mit Millionen, dann mit Milliarden. Er macht unbefugt Millionengewinne, die er mit scheinbaren Millionenverlusten ausgleicht, damit er nicht auffällt. Dann kommt es wie es kommen muss; Jasper macht Millionenverluste die er auszugleichen nicht mehr im Stande ist. Er verspielt LaMarcks Geld und verliebt sich in Maike.
So sucht Jasper den Erfolg und das Geld, verspielt genau dieses und findet die Liebe. Maike sucht Henry und findet Jasper. Henry sucht seine Inspiration und findet sie in Jasper, verliebt sich in ihn, flüchtet aber vor Maike.
In einem verschachtelten Wechselspiel aus Missverständnissen, enttäuschten Erwartungen und unerwarteten Chancen werden diese drei Schicksale auf eine Art und Weise miteinander verwoben, wie es nur in Zeiten der Globalisierung vorkommt. Abhängigkeiten entstehen über die Kontinente hinweg aber auch die Möglichkeit der Liebe, der überwundenen Existenzkrise.
Weitere Aufführungen: 2. und 29. Dezember, jeweils um 20 Uhr
















