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Die Welt ist eine Scheibe...

… zumindest für die Protagonisten von Sound It Out. Der Dokumentarfilm porträtiert auf herzerwärmende Weise den gleichnamigen Vinylshop im Nordosten Englands und dessen unkonventionelle Kunden.

 

Noch vor fünfundzwanzig Jahren hätte sich wohl kein Vater vorstellen können, seinen Kindern einmal erklären zu müssen, wie ein Plattenspieler funktioniert. Doch nun, in einer Zeit, in der Musik nicht mehr greifbar ist und das Internet ein musikalisches Überangebot geschaffen hat, sind Vinylshops und Plattensammler zu einem seltenen Phänomen geworden. Einem solchen hat die Regisseurin Jeanie Finlay nun einen Dokumentarfilm gewidmet, für den sie sich zurück in ihre Heimatstadt Stockton-on-Tees begab. Hier leistet der Plattenladen Sound it out Records seit siebzehn Jahren tapfer Widerstand gegen die Veränderungen des Musikbusiness und bietet Raum für allerlei musikalische und menschliche Raritäten. Und davon gibt es wahrlich genug im trostlosen Stockton! Der Ladenbesitzer Tom Butchart, Sympathieträger und wandelndes Musiklexikon, empfängt sie alle unter dem Motto „It's not the ordinary people, it's the random people“. Und tatsächlich fragt sich so mancher Zuschauer des Films beim Anblick der größtenteils männlichen Stammkunden, was nun komischer ist: ihre Frisuren, ihre Musikgeschmäcker oder ihre Akzente. Da wäre zum Beispiel Shane, der seine Vinylsammlung zu seinem eigenen Sarg verarbeiten will und schon mal acht Versionen von ein- und derselben Status Quo-Platte kauft. Oder DJ Weedy, der jede freie Minute in einer Gartenlaube verbringt, um sich seiner abgrundtief trashigen Technomusik zu widmen. Freaks? Zweifelsohne! Doch Finlay gelingt es, den Zuschauern die Andersartigkeit der Vinylfanatiker näher zu bringen und so manches Vorurteil zu entkräften. So begleitet der Film die Sammler in ihre Wohnungen und beleuchtet die meist problematischen Lebensgeschichten, denen die Liebe zum Vinyl entsprungen ist. Schnell wird deutlich, dass das Plattensammeln für viele weit mehr als nur ein Hobby bedeutet. Es ersetzt soziale Kontakte, rettet vor Langeweile und Perspektivlosigkeit, bewahrt vor dem gefürchteten Erwachsenwerden und so manchen sogar vor dem Selbstmord. So dient Toms Laden nicht nur als kultureller Lichtblick, sondern auch als soziale Auffangstation in einer von Armut und Arbeitslosigkeit geprägten Region. Dabei profitiert der 75-minütige Film vom improvisierten Charme einer Low-Budget-Produktion und einem – wie könnte es auch anders sein – breit gefächerten Soundtrack.

Der Film verdeutlicht vor allem eins: Sound it Out Records vereint nicht nur eine Vielzahl an Musikgenres in seinen Regalen, sondern auch die verschiedensten Menschen – und das nur mit der Liebe zur Musik. Offen bleibt die Frage, wie lange sich der Exot noch zwischen den Großkonzernen der Musikindustrie halten kann. Tom und seiner schrägen Gefolgschaft wäre es auf jeden Fall zu wünschen! Finlays Doku Sound It Out schafft zumindest schon mal die nötige Aufmerksamkeit und Empathie für das zukünftige Bestehen des vinylen Freaktempels.

 

Sound It Out

Regie: Jeanie Finlay (GB 2011)

Spieldauer: 74 Min.

Sprache: Englisch mit Untertiteln

FSK: keine

Verleih: Neue Vision

Kinostart: Der Film ist seit dem 14. Juni auf Kinotour durch Deutschland

 

 

Autor: 
Julie Kania
Ressort:
Film / Kino
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Sound It Out
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