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Down The Line

Young Rebel Set im Bett Frankfurt, 22.07.12

 

Es gibt Tage, da steigt man im Mainz in einen Zug ein und ein paar Stunden später steigt man an der gleichen Stelle wieder aus einem Zug  aus – und dazwischen passiert eine ganze Menge wirres Zeug.

 

Beispielsweise die Dinge, die man an diesem Sonntag hätte lernen können, wäre man in Frankfurt im Bett bei Young Rebel Set gewesen:

1. Egal wie übel dir das Leben gerade mitspielt, sag NEIN zum holländischen Ruderer.

2. In Frankfurt kann man sich sonntags fühlen wie im rauen Norden Englands nach Sperrstunde, nämlich beschämt und betrunken.

3. Der Schlagzeuger von Young Rebel Set ist 22 Jahre alt und krankenversichert.

 

Mein Studium werde ich niemals zu Ende bringen, mein Herz ist gebrochen und morgen ist die letzte, alles entscheidende Klausur, von der sogar der Wellensittich meiner Oma mehr Ahnung haben könnte. Alles ist im Arsch, mein Leben in Scherben. Doch ich habe noch ein Ass im Ärmel, ein Ticket für Young Rebel Set im Bett in Frankfurt, Sonntagabend. Das ist meine letzte Karte und die spiele ich jetzt.

 

Ich steige in die Bahn. Bier und der Geschmack von kalter Zigarette stimmen mich ein auf das Konzert der Band, die mich schon durch die schlimmsten Zeiten getragen hat. Young Rebel Set, das sind abgefuckte Engländer mit Liedern über Liebe, Leid und Mut. Das ist filziger Folk at its finest. Lieder für Leute, die nachts um vier noch am Tresen Pints bestellen und sich lauthals über ihr miserables Leben beschweren. Und genau das brauch ich jetzt.

 

Tja, nur dumm, dass in Frankfurt nicht alle so denken. „Habt ihr die Vorband gesehen? Voll gut!“ – „Vorband? Interessiert mich nich‘. Wo jibbt‘s denn hier Biäär?“ Ganz schnell habe ich Bier und Gleichgesinnte gefunden und der Abend nimmt seinen Lauf. Young Rebel Set steigen stark ein mit „Lion’s Mouth“. Und plötzlich spürt man sie, die ganze Brutalität und Schönheit des Lebens, und den Mut, den es uns abverlangt: „So I jumped into the lion's mouth, just to see what life was really all about“.  Während die Band und das Publikum noch schüchtern mit dem Kopf nicken, habe ich mich zwei Lieder später schon auf das allseits beliebte „Is‘ mir doch egal“-Level getrunken und tanze, gröle und pöbele am Seitenrand der Bühne. Bei den ersten Takten zu „If I Was“ hängen wir uns  einträchtig in den Armen und singen text- und tonunsicher mit. Beschämte Blicke stören uns nicht. Und dann kommen sie, die Liebeslieder: „Billie died of a broken heart“. So, und damit mir das nicht passiert, gibt’s jetzt Wodka.

 

Aber Young Rebel Set wissen, was sie spielen müssen, damit die Stimmung nicht kippt. Das Publikum  klatscht wild zu „Measure Of A man“. Plötzlich ist man nicht mehr im kalten anonymen Frankfurt, sondern wir sind alle im selben Pub, trinken auf unsere Freundschaft und Verbrüdern uns im Suff. Dieser Abend wird niemals zu Ende gehen. Dachte ich zumindest, und dann stimmen die charmanten Engländer das letzte Lied an: „If you leave take me with you. And if you go I'll go with you. I will follow you through lands across those seas and golden sands down on to the valley floor and back up to the top once more”.

 

Autor: 
Miriam Gruber
Ressort:
Musik / Live
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Galerie: 
Young Rebel Set im Bett Frankfurt (Foto: Jonas Trautner)
Young Rebel Set im Bett Frankfurt (Foto: Jonas Trautner)