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Drei Brüder fürs Indierock-Mixtape

The Cribs – In The Belly Of The Brazen Bull // PIAS/Rough Trade // VÖ: 04.05.12

 

Bei der britischen Gitarrenmusik geht es traditionell nicht so sehr darum, das Rad neu zu erfinden, sondern eher darum, den perfekten Popsong zu schreiben. Diesem Ansatz eifern auch The Cribs aus dem beschaulichen Wakefield in Yorkshire nach, die noch dazu den Vorteil haben, aus drei Brüdern (darunter ein Zwillingspaar) zu bestehen, was offenbar sowohl für den bandinternen Zusammenhalt als auch für die nötige künstlerische Reibung förderlich sein kann. Trotz einigen Hits wie „Hey Scenesters!“ oder „Men’s Needs“ und Lob vom englischen Trend- und Gossip-Fachblatt NME haben es The Cribs allerdings nie so richtig in die erste Reihe der Nullerjahre-Indiebands aus Großbritannien geschafft.

 

Ein Grund dafür, warum das Trio aus Gary, Ryan und Ross Jarman dennoch nicht längst wie die meisten anderen der New Wave of British New Wave-Profiteure in der Versenkung verschwunden ist, mag sein, dass sie immer schon ziemlich coole Freunde hatten. Alex Kapranos von Franz Ferdinand hat 2007 ihr drittes Album „Men’s Needs, Women’s Needs, Whatever“ produziert, Lee Ranaldo von Sonic Youth absolvierte darauf einen Spoken Word-Gastauftritt, und im Anschluss bekundete dann sogar der legendäre The Smiths-Gitarrist Johnny Marr Interesse daran, bei The Cribs mitzumachen. Zusammen nahmen sie im folgenden Jahr das Nachfolgewerk „Ignore The Ignorant“ auf, mit dem sich die Band mehr in Richtung reiferem und atmosphärischen Indierock bewegte.

 

Nun, da Marr The Cribs wieder verlassen hat, um an einem Soloprojekt zu feilen, könnte man vermuten, dass die drei Jarman-Brüder zu dem hitfixierten Schrammelsound der ersten Alben zurückkehren. Das legten auch die beiden Vorboten des neuen Albums „In The Belly Of The Brazen Bull“ nahe. Das bei Steve Albini aufgenommene „Chi-Town“ sowie „Come On, Be A No-One“ klingen punkig, dreckig, und bestehen zu gefühlten 70 Prozent aus Refrain. Doch dieser Voreindruck täuscht, denn zwischen den beiden Songs schlägt das Album auch ruhigere und hintergründigere Töne an. So etwa beim dröhnend beginnenden und den Hörer dann clever umschmeichelnden „Glitters Like Gold“, dem sehnsuchtsvoll jaulenden „Uptight“, der melancholischen Memento-Mori-Ballade „Back To The Bolthole“ und dem Akustikschmachtfetzen „I Should Have Helped“.

 

Den Abschluss des Albums bildet schließlich sogar eine Art Vier-Song-Suite, die die Band im Londoner Abbey Road Studio (genau, da wo auch schon die Beatles aufgenommen haben!) in Eigenregie eingespielt hat. So ein Unterfangen mag ein ganzes Stück zu überkandidelt erscheinen, es funktioniert bei The Cribs aber überraschend unfallfrei und unprätentiös. Überhaupt gelingt es der Band auf „In The Belly Of The Brazen Bull“ so gut wie wohl nie zuvor, ihre rotzige LoFi-Kante und die charmante Pop-Seite unter einen Hut zu bringen. Und ein Händchen für gute Melodien haben sie ja schon immer gehabt, auch wenn sie nie zu den innovativsten Songschreibern gehörten.

 

Klar könnte man der Band übelnehmen, dass auch „In The Belly Of The Brazen Bull“ wieder nur ein gutes und kein großartiges Album geworden ist – oder man erfreut sich einfach daran, dass die britische Gitarrenmusik der alten Schule immer noch nicht totzukriegen ist, sowie an den drei bis vier potentiellen neuen Liedern fürs Indierock-Mixtape.

 

Autor: 
Jonas Trautner
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Video: 
The Cribs - Come On, Be a No-One
The Cribs - Come On, Be a No-One