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Ein begeisterter Vollblutwissenschaftler

Douglas Coupland // „Marshall McLuhan“. Eine Biographie. // Tropen Verlag/Klett Cotta // 18,95 Euro

 

Vor einigen Wochen wäre Marshall McLuhan, der bekannteste Theoretiker der modernen Medien- und Massenkultur, der Popstar des amerikanischen und kanadischen Wissenschaftsbetriebs der Sechzigerjahre, einhundert Jahre alt geworden. In allen Zeitungen war zu diesem Anlass zu lesen, wie McLuhan, obwohl er 1980, also zehn Jahre vor der Erfindung des World Wide Web, starb, das Internet vorausgedacht hatte. Schließlich gehört das Bild des „Global Village“ zu seinen bekanntesten Theorien. Auch Douglas Coupland sieht ihn als Visionär. Coupland ist mit Büchern wie „Generation X“ der wohl bedeutendste kanadische Autor der letzten zwanzig Jahre geworden. Weil er in seinem Leben einige Ähnlichkeit mit dem des großen Wissenschaftlers erkennt, hat er dessen Leben nun in einer Biographie niedergeschrieben. Coupland geht es in der Biographie gar nicht einmal so sehr um die wissenschaftlichen Verdienste McLuhans. Natürlich, auch sie kommen prominent vor, schließlich war McLuhan ein begeisterter Vollblutwissenschaftler und einer der bekanntesten seiner Zunft. Eine mindestens ebenso große Rolle spielt bei Coupland aber auch die Privatperson Marshall McLuhan. Häufig wird auch sein Verhalten gedeutet, es findet sich zum Beispiel ein „Witz, der McLuhan gefallen hätte“. Ganz egal, ob McLuhan – den der 1961 geborene Coupland nie traf – wirklich so war, wie er hier dargestellt wird, diese Teile zeigen nur noch einmal, dass Douglas Coupland ein begnadeter Romanautor ist. Ein Romanautor, der jetzt auch ein sehr persönliches Sachbuch geschrieben hat, das seinen fiktionalen Werken in nichts nachsteht.

Autor: 
Matthias Schmidt
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