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Ein bisschen Diskussion um Baukultur

Im Mainzer Brückenturm trafen sich Architekten, Stadtplaner und Politiker zum politischen Sommerfest.

 

Alle waren sie da beim politischen Sommerfest der Architektenkammer Rheinland-Pfalz: Verbandspräsidenten, Stadträte, Land- und Bundestagsabgeordnete. Und natürlich die Architekten und Städteplaner. Zu entspannten jazzigen Tönen trafen sie sich am 15. August im neu hergerichteten Zentrum Baukultur im Mainzer Brückenturm, um über drängende Fragen im Land – namentlich den demografischen Wandel und die Energiewende – zu reden und zu diskutieren.

 

Im Zentrum des von SWR-Moderator Klaus Weidmann moderierten Abends stand dabei zunächst die Erkenntnis, dass es derzeit zwar etliche Herausforderungen großen Ausmaßes für Architekten und Stadtplaner gibt – aber in Zeiten des Sparens kaum Geld vom Staat bzw. Land.

 

„Nachdenken kann man auch bei knappen Kassen“, versuchte denn auch Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, zu Beginn der Diskussion um die Herausforderungen des demografischen Wandels, einen Handlungsspielraum für die bauende und planende Zunft zu schaffen. Ist man nicht auch gerade dann innovativ, wenn man innovativ sein muss?

 

Die „heißen Diskussionen“, die der Vizepräsident des rheinland-pfälzischen Landtages, Bernhard Braun, noch zu Beginn des Abends ankündigte, suchte man indes vergeblich. Dass es schwierig sei, planerisch sowohl einer schrumpfenden Bevölkerung in ländlichen Gebieten wie der Westpfalz wie auch einem Bevölkerungswachstum in Städten wie Mainz und Trier gerecht zu werden – darin waren sich schließlich alle Anwesenden einig. Meinungsunterschiede ließen sich höchstens in der Begriffswahl erkennen: Während Gerd Schreiner (MdL, CDU) von „Investoren“ und „kreativer Bespielung von Freiräumen“ durch die Wirtschaft sprach, redete Hendrik Hering (MdL, SPD) von "sozialem und bezahlbaren Wohnungsbau". Die Antworten auf den demografischen Wandel blieben schwammig formuliert.

 

Für mehr Diskussionsstoff sorgte das Thema Energiewende. Daniel Köbler (MdL, Grüne) etwa könnte es sich gut vorstellen, auch denkmalgeschützte Gebäude mit Photovoltaikanlagen auszustatten: „Wir müssen Denkmäler in die Moderne bringen und Photovoltaik als lebendige Kultur begreifen“. Seiner Meinung nach sei genau ein solcher Ansatz ein Beitrag zu mehr Baukultur im Land. Volker Wissing (MdB, FDP) indes hielt so etwas für „nicht zumutbar“. „Beides“, so der FDP-Politiker, „könne man nicht miteinander verbinden“. Beinahe froh zeigte sich der Moderator ob dieser eindeutigen Meinungsverschiedenheiten. Nicht nur davon hätte sich so mancher im Raum wohl mehr gewünscht – auch die Baukultur als Thema an sich kam etwas kurz. Vielleicht würde dem nächsten Sommerfest etwas weniger Podiums- und etwas mehr Publikumsdiskussion gut tun. Die Themen gäben es her.

 

Autor: 
Fabian Scheuermann
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Politisches Sommerfest der Architektenkammer RLP im Brückenturm
Was ist Baukultur?