Eine extrem gestörte Heldin
Im Gespräch mit Charlotte Roche
Charlotte Roche ist ein Medienphänomen: Wenn man Presseartikel über sie liest, reichen die Meinungen von reinen, beinahe messianischen Lobeshymnen einer genialen Grimme-Preis-Trägerin bis hin zu harschen Charakterisierungen als Skandalautorin, die angesichts hoher Auflagezahlen nur auf Ekel und Provokation setzt. Ihr 2008 erschienenes Erstlingswerk „Feuchtgebiete“ avancierte zum meist verkauften Buch des Jahres und auch ihr neuestes Buch „Schoßgebete“ fand sich kurz nach der Veröffentlichung auf Platz eins der Spiegel-Besteller-Liste ein.
Festzuhalten bleibt, an Charlotte Roche und ihren Büchern scheiden sich die Geister. Anlässlich ihrer Stippvisite im Frankfurter Hof in Mainz am 23. November sprach sie mit uns über Therapie, Provokation und die humoristische Potentialität von Penisverletzungen.
STUZ: Frau Roche, wenn man Ihren Wikipedia-Eintrag liest, werden dort Berufsbezeichnungen wie „Moderatorin, Produzentin, Schauspielerin, Sprecherin oder Autorin“ aufgeführt. Sehen Sie sich selbst vornehmlich als Schriftstellerin bzw. wie erklären Sie Ihren Kindern, was ihre Mama so den ganzen Tag über macht?
Charlotte Roche: Wenn meine Kinder mich fragen, was arbeitest du, sage ich zu ihnen, dass ich Bücher für Erwachsene schreibe. Ich sage schon lange nicht mehr, dass ich Moderatorin bin oder so. Natürlich kann ich mir vorstellen, mal wieder zu moderieren oder, wenn mal so alle zehn Jahre ein gutes Drehbuch reinkommt, auch mal wieder zu schauspielern. Ich bin jetzt 33 Jahre alt und ich habe mich in den letzten vier Jahren mit nichts anderem beschäftigt als mit dem Schreiben. Natürlich weiß ich nicht, was ich mit achtzig Jahren mache, aber jetzt denke ich, dass ich noch ganz viele Bücher schreiben werde.
Wenn man in Ihren Büchern über den unkonventionellen Einsatz von Avocadofrüchten oder das durch eine Heizdecke vorgewärmte Bett für den Sex mit dem eigenen Ehemann liest, fragt man sich, wie Sie auf solche Ideen kommen. Was sind denn Ihre Inspirationsquellen?
Also ich hatte schon mal Sex in meinem Leben. Das ist sehr, sehr gut als Inspiration, um darüber zu schreiben. Es ist nicht so, dass man alles, was in meinen Büchern drin steht, selbst erlebt haben muss. Zum Beispiel zu den Avocadokernen kann ich sagen, dass ich sie mir privat nicht einführe, aber ich züchte Avocadobäume, habe das Sexuelle dazu erfunden und, wenn ich auf meine Fensterbank schaue, sehe ich die von mir selbst gepflegten Avocadobäume. Realität ist schon die größte Inspiration. Logischerweise bin ich keine Autorin, die sich komplett alles ausdenkt, das interessiert mich nicht. Ich schreibe vielmehr gerade über Dinge, die mich interessieren und mit denen ich mich beschäftige: Interessiert mich Therapie, dann schreibe ich über Therapie oder wenn ich eine Patchworkfamilie als Belastung betrachte, dann will ich auch darüber schreiben.
Fassen Sie den Inhalt von „Schoßgebete“ in einem Satz zusammen.
Es geht um eine ziemlich gestörte junge Frau, die übertrieben versucht, eine gute Ehefrau und Mutter zu sein.














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