„Einmal Techno, immer Techno!“
Interview mit Kerstin Eden bei der Winterworld 2012 in Wiesbaden
Sie ist jung, sieht gut aus und teilt ihr Bett gerne mal mit Ihrem Equipment: Kerstin Eden. Seit mittlerweile 10 Jahren ist sie DJane mit Leib und Seele, Techno ist Ihr Leben. Als Frau hat sie es nicht immer leicht in der Szene, bei der Winterworld 2012 in Wiesbaden zeigte Kerstin aber ein weiteres Mal, was in ihr steckt.
STUZ: Seit wann machst du Musik und seit wann siehst du dich selbst als DJane?
Kerstin Eden: Ich hab 2003 angefangen, mit einem Plattenspieler zu üben, alles geliehen natürlich. Obwohl ich eigentlich nie DJ werden wollte, wurde ich mehr oder weniger dazu überredet. Ich bin an Heiligabend 2003 dann auch schon direkt im Club gelandet, das geilste Weihnachtsgeschenk ever. Ich wurde quasi von Freunden dahin gedrängt, die dachten, ich hätte Talent und haben gesagt: „Mach das doch!“. Zum Glück haben sie das getan (lacht).
War Berlin da auch wichtig als Motor für deine Entwicklung?
Ehrlich gesagt nicht. Ich bin zwar auch aus dem Grund nach Berlin gegangen, hab dort aber nie wirklich Fuß gefasst. In Berlin ist die Musik einfach nicht das, was ich spiele. Die Musikszene hat sich da so ein bisschen in Richtung Tech-House, House und Deep-Sound entwickelt. Da gibt’s einfach kaum Clubs, wo ich Techno spielen kann, aber ich bin halt einfach Techno! Und deswegen bin ich eben gerne in Frankfurt, weil Frankfurt sehr Techno-lastig ist.
Gibt es denn irgendeinen Künstler oder DJ, der dich damals maßgeblich beeinflusst hat und dich zum Techno gebracht hat?
Eigentlich auch nicht (lacht). Ich kann gar nicht sagen, was mich zum Techno gebracht hat. Ich komme vom tiefsten Land und war die einzige in meiner Klasse, die Techno gehört hat. Bei uns gab´s gar keinen Technoclub, höchstens eine Großraumdisco, und da musstest du schon 30 Kilometer hinfahren. Mit 15 bin ich dann mal im Fusion Club in Münster gelandet. Das war purer Zufall. Wer die ersten Jahre auf jeden Fall wichtig für mich war: Pascal Feos (bis heute), Dave Clarke, Marco Remus, Umek, Monika Kruse und Robert Babicz, damals noch Rob Acid. Deswegen bin ich jetzt wahrscheinlich immer noch so hart drauf. Einmal Techno, immer Techno!
Hat man es als DJane schwerer in der Szene als die männlichen Kollegen?
Das kann man so pauschal nicht sagen. Es ist einfacher, Leute zu kontaktieren oder kontaktiert zu werden, weil man als Frau doch noch irgendwie ein Highlight für viele Veranstalter ist. Man kommt leichter an Bookings heran. Andererseits hat man es aber auch wesentlich schwerer, respektiert zu werden. In der Szene, wo ich spiele, muss man wirklich Leistung abliefern, und da wird man als großgewachsene Frau doch eher belächelt. Du musst erst einige Male spielen, um die Leute zu überzeugen.
Du lebst in Berlin, legst aber auch viel in Frankfurt auf. Das heißt, du kannst einen Vergleich ziehen zwischen den beiden großen Technohauptstädten Deutschlands. Was kann die eine Stadt, was die andere nicht kann?
Berlin hat einfach die Vielfalt. Es gibt Massen an Clubs, du kannst jeden Tag feiern gehen, egal um welche Uhrzeit. Frankfurt ist da reduzierter in der Anzahl der Clubs. Was mir in Frankfurt, speziell im U60 (U60311, Club in Frankfurt, Anm. d. Verf.), allerdings besser gefällt: Es ist euphorischer und ehrlicher. Du kannst auf Techno in Frankfurt eben krasser abfeiern als auf Tech-House in Berlin. In den Berliner Clubs hast du zudem mehr Touristen, in Frankfurt mehr Stammpublikum. Beide Städte haben aber ihre Reize.
Du bist seit 2011 auch Resident-DJ im U60311. Was geht in einem vor, wenn man die Residenz in einem DER Technoclubs Deutschlands angeboten bekommt?
Ich spiele schon seit 2006 öfter mal im U. Letztes Jahr im November hat mich dann Alexander Eger (Geschäftsführer des U60311, Anm. d. Verf.) angerufen und gefragt, ob wir nicht mal wieder einen Termin machen wollen. Ich hab mich gefreut wie immer, und dann fragte er, ob ich nicht Lust habe, regelmäßig zu kommen. Ich dachte nur: Wow! Dann war mein Terminkalender plötzlich voll mit Auftritten im U. Das war einer der geilsten Tage letztes Jahr. Das U60 fand ich eigentlich immer schon geil, und es wird immer geiler, mit jedem Mal, wo ich da bin.
Ist denn jetzt auch ein Umzug nach Frankfurt denkbar, oder hängst du zu sehr an Berlin?
Das werde ich machen, ja. Denn wenn wir ehrlich sind, bin ich mehr in Frankfurt als in Berlin.
Ganz anderes Thema: Was ich ziemlich witzig finde – wenn man es übertrieben wissenschaftlich ausdrückt, bist du objektophil. Was hat es denn damit auf sich?
Ah, du hast auf Myspace geguckt! (lacht) Bei einigen Leuten ist das eine sexuelle Sache, die fühlen sich zu Objekten hingezogen. Da findet man kranke Geschichten bei Google und Youtube. Ich hab aber nur die Angewohnheit, neues Equipment, wie meine ersten CD-Player, mein MacBook oder neue Kopfhörer mit ins Bett zu nehmen. Weil ich mich einfach so sehr darüber freue. Bei Plattenspielern kann ich nur empfehlen: Legt die nicht auf Kopfhöhe, denn wenn ihr euch nachts umdreht, tut das ganz schön weh! (lacht)
Du bist dieses Jahr auch für die Mayday gebucht. Was ging da in dir ab, als du gehört hast, dass du bei der Mutter aller Raves dabei bist?
Ich hab richtig Bock drauf. Ich bin mir sicher, ich werde eine Woche vorher wieder total nervös sein. Ich freu mich riesig, das wird geil. Und sogar meine Eltern kommen mit (freut sich und klatscht in die Hände).
Wo wärst du heute, wenn du nicht beim Techno gelandet wärst?
Also beim Techno wär ich so oder so, nur eben dann auf der Tanzfläche. Techno war schon immer mein Leben. Ich denke mal, ich wäre dann Veranstaltungskauffrau, das hab ich auch gelernt. Und dann würde ich eben die Events machen.














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