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„Es geht nicht darum was ich empfinde“ - Max Riemelt im Interview

Der Film „Der deutsche Freund“ mit Max Riemelt in der Hauptrolle wird zurzeit in Frankfurt gedreht. Wir haben uns mit ihm am Set unterhalten.

 

STUZ: Friedrich, den du im Film spielst, scheint völlig im politischen Kampf und Protest aufzugehen. Ist das nicht von heutiger Perspektive aus schwierig nachvollziehbar oder gibt es auch heute noch Dinge für die wir kämpfen müssen?
Na klar, auf eine andere Art und Weise. Früher gab es natürlich eine ganz andere Notwendigkeit als heute. Ich bin in einer Gesellschaft aufgewachsen, wo man sich die Probleme eher selbst macht.

 

STUZ: Wie kann man sich dann in eine solche Rolle einfühlen?
Eigentlich sind das ja nur irgendwelche Bilder oder Ideale, die man im Kopf hat und die man wiedergeben will. Man will eher Assoziationen beim Zuschauer wecken. Es geht nicht darum davon selbst wahnsinnig überzeugt zu sein, sondern eher am Set ein klares Bild von der Situation zu definieren.

 

STUZ: Aber du musst doch auch dieses Feuer in dir spüren, wenn du einen politischen Aktivisten spielst, oder?
Na das hab ich, aber ich kann ja auch an sonst was dabei denken.

 

STUZ: Und an was denkst du dann?
Also ich denk an gar nichts. Oft ist ja die eigene Emotion auch nicht immer richtig oder gesund für das Bild, sondern es geht wirklich auch immer darum, technisch zu arbeiten. Sodass wir in der kurzen Zeit, die wir haben, um all diese Perioden zu erzählen, immer auf den Punkt kommen. Man hat einfach nicht genug Zeit diese ganzen Sachen auch zu erzählen. Wir arbeiten zum Beispiel mit Wunden, die durch eine Demonstration entstanden sind, die wir aber nicht gesehen haben. Da arbeiten wir mit Assoziationen. Dann kommt es auch nicht darauf an, was ich dabei empfinde, sondern dass es klar ist.

 

STUZ: Du streifst dir die Rolle also eher über aber das berührt dich selbst nicht?
Ja, es kommt selten vor, dass ich davon befangen bin oder das in den Alltag mitnehme. Dafür mache ich einfach zu viel, als dass ich das zulassen könnte.

 

STUZ: Also würdest du nicht sagen, dass deine Rollen dich auch verändern?
Doch auch, aber auf eine andere Art und Weise. Eher durch die Leute, denen ich begegne und die Orte, an denen ich war. Dadurch verändere ich mich.

 

STUZ: Wie ist das zwischen zwei Projekten? Fällst du dann erst mal in ein Loch?
Ne, da bin ich total drauf konditioniert. Eher im Gegenteil. Ich arbeite ja immer in absehbaren Zeiträumen. Im Moment ist es aber schon ungewohnt, weil wir die Arbeit in Argentinien abgeschlossen haben und jetzt hier nochmal anfangen. Ich schließe sehr gerne mit Sachen ab.

 

Autor: 
Mira-Sophie Potten
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