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Fürstliche Filmunterhaltung

Im barocken Ambiente des Biebricher Schlosses werden internationale Filme in Originalversion gezeigt. „Die Freunde der Filme im Schloss“ sorgen seit knapp dreißig Jahren für Abwechslung in der hessischen Kinolandschaft.

 

Knarrende Dielen führen die Treppe hinauf zu einer Altbauwohnung, an den Wänden stehen hohe Regale gefüllt mit Klassikern der Filmgeschichte, in Ordnern gesammelten Zeitungsartikeln und alte Filmrollen. Poster, die bis in die frühen 1980er Jahre zurückreichen, zieren die Regalwände, etwas ausgeblichen bewerben sie das Trickfilmfestival, das Goldstück der „Filme im Schloss“. Seit 1984 werden im Vorführsaal der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) im Ostflügel des Biebricher Schlosses Filme gezeigt. Vorgeführt werden alle Genres von Spiel- über Dokumentar- bis Trickfilm und das in der unverfälschten Originalversion. „Für mich besteht der Film aus mehr als fünfzig Prozent Ton, deshalb kommt nichts als die Originalversion in Frage, alles andere zerstört den Soundtrack“, erzählt der Filmemacher und Kritiker Joachim Kreck, der schon zu seiner Schulzeit Filmvorführungen für zehn Pfennig organisierte und heute die Filme für die Vorführung im Schloss aussucht. In seiner Wohnung türmen sich Zeitungsartikel, Broschüren und Poster, die jahrelange Leidenschaft zum Film ist überall präsent und in seinen Worten spiegelt sich die Erfahrung aus vielen Jahren Kinobranche wider.

 

Die eigentliche Idee, Filme im Vorführsaal der FBW anzubieten, kam Kreck, als er zum ersten Mal den renovierten Ostflügel des Schlosses betrat. Er dachte gleich, die Spielstätte sei mit ihren hundert Sitzplätzen perfekt geeignet, auch wenn nur zwanzig oder dreißig Zuschauer den Film besuchten. Für einen Moment habe er auch noch einen persönlichen Vorteil gesehen. Damals wollte Kreck nämlich eine Bulgarin aus Sofia heiraten. Trotz des Eisernen Vorhangs, hätten die Leute der Filmbranche – und in der arbeitete auch die Dramaturgin Detelina Grigorova – damals nämlich Gelegenheit gehabt, auch im Westen die wichtigsten Filme zu sehen. „Ich hatte das Gefühl, wenn die Betreffende in Wiesbaden, in solch einem Provinznest, leben sollte und dann noch nicht einmal die großen Werke der Filmkunst aus aller Welt sehen könnte, es doch besser sei, man mache irgendetwas“, erzählt Kreck lächelnd. Die Veranstaltung „Made in Wiesbaden“ war der Beginn.

 

Ohne Kapital, um Werbung zu machen, veranstaltete er in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt kurzum ein Festival mit Filmemachern aus Wiesbaden. Diese brachten dann aber nicht nur ihre Filme, sondern auch Familien und Freunde mit. Am Ende seien es so viele Gäste gewesen, dass sie auf dem Boden sitzen mussten, erinnert sich Kreck. Seit 1999 laufen die Filme unter der Trägerschaft „Freunde der Filme im Schloss“ mit der Unterstützung des Kulturamts. Hinter der Trägerschaft stecken die drei Namen: Joachim Kreck, Detelina Grigorova-Kreck und Michael Fechner. Ein eingespieltes Team, das seit fast dreißig Jahren zusammenarbeitet. Die ursprüngliche Idee, Filmemacher aus aller Welt einzuladen, musste in den vergangenen Jahren aus Kostengründen aufgegeben werden. Außer einmal jährlich in der zweiten Oktoberhälfte geben sich beim „Internationalen Trickfilm-Wochenende“ prominente Trickfilmer aus dem In- und Ausland die Klinke in die Hand.

 

Im vergangenen Jahr wurden die „Filme im Schloss“ zum dritten Mal mit dem Hessischen Film- und Kinopreis ausgezeichnet, auch der Kulturpreis 2010 der Landeshauptstadt Wiesbaden steht im Regal der Familie Kreck. Trotz der Preise, sieht es mit der finanziellen Förderung nicht gut aus. Ideen für die Zukunft hat Kreck jedoch viele. Eine Reihe zu „Meisterwerken des deutschen Dokumentarfilms“ würde ihn interessieren. Und da sei auch noch ein eigenes Filmprojekt, das im Schnittraum direkt neben dem Wohnzimmer auf ihn wartet.

 

 

„Filme im Schloss“ im August:

 

2. August, 20.00 Uhr

Larry

Regie: Joachim Kreck, Dtl. 1993, 90 Min., OV in Englisch

 

16. August, 20.00 Uhr

Four Lions

Regie: Christopher Morris, GB 2010, 97 Min., OV in Englisch mit deutschen Untertiteln

 

Eintrittspreis: 5 Euro

Karten gibt es an der Abendkasse

Kartenvorbestellung auch online oder telefonisch unter 0611 / 84 07 66 (Filme im Schloss / zu Bürozeiten) oder beim Kulturamt Wiesbaden: 0611 / 31 36 41 (zu Bürozeiten)

 

 

Autor: 
Sandra-Katharina Groß
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Joachim Kreck in seinem Archiv ... (Foto: Sandra-Katharina Groß)
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Joachim Kreck (Foto: Sandra-Katharina Groß)