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Falsche Ware und unerfüllte Begehrlichkeiten

 
Optische Täuschungen, zweifelhafte Schönheit und erst auf den zweiten Blick Verzauberndes präsentiert derzeit der Nassauische Kunstverein. Die Ausstellung “Keeping up Appearances” widmet sich noch bis zum 6. Mai der bildenden Kunst im Spannungsfeld zwischen Schein und Sein.

 

Weil Kultur auch immer Konterkultur erzeugt, hat die Herstellung einer Illusion mit ästhetischen Mitteln seit dem Fokus auf die perfekte Darstellung und ideale Schönheit Konjunktur. Ganz im Sinne des Trompe-l’œil, ein Gemälde das auf zweidimensionaler Fläche die dritte Dimension vortäuscht, gibt ein Großteil der Exponate vor, etwas anderes zu sein. So wirken manche von Katrin Wegemanns Exponaten aus ihrer Reihe „Kristallisieren Crystallizing“ so lange wie echte Kristalle, bis dem Betrachter der wachsartige Ton des „Minerals“ und die widernatürliche Farbe der „Edelstein“-Fläche bewusst wird. Wegemanns „Edelsteine“ sind nämlich aus Zucker und Glukose. Nicht minder erstaunlich erstrahlen die Kronleuchter und Glasgebilde von Ken und Julia Yonetani. Dank leicht grünlichem Uranglas erstrahlt die Räumlichkeit unter Schwarzlicht in schummrigem Grün. Die erzeugte Illusion erschließt sich dem Betrachter in der Aussage des Werkes: Der ebenfalls aus Uranglas gefertigte Schriftzug „radioactive electric dreams meltdown“ drückt aus, dass die Gefahren der Atomkraft präsenter sind als häufig dargestellt. Das edle Grün wird zur Farbe des Gifts.

Während die Exponate im ersten Stock des Nassauischen Kunstvereins teilweise unterwältigen, da hier die Täuschung oft genug nur bedingt gelingt, sollte sich der Besucher von „Keeping up Appearances“ auf jeden Fall ausgiebiger mit dem zweiten Stock beschäftigen. Gerade hier wird man dank der Exponate der Yonetanis, Majewskis, Voits, Hutchinsons und Goldens zum Schmunzeln, Staunen und Denken angeregt. Letzterer zeigt mit „Johnny Depp“, dessen Geheimnis an dieser Stelle ungelüftet bleiben soll, ganz im Sinne der Ausstellung, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Und dennoch kann seine glanzlose mitteldichte Holzfaserplatte mehr entzücken als jedes Edelmetall.

 

 

“Keeping up Appearances”

bis 06. Mai im Naussauischen Kunstverein Wiesbaden
Wilhelmstraße 15

Di 14–20 Uhr, Mi–Fr 14–18 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr

 

Fotos: Julia Yonetani (1), Katrin Wegemann (2), Matt Golden (3), NKV (4+5)
 

Autor: 
Maximilian Kloes
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