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Geldknappheit bei den Neuen Stücken aus Europa

Das Festival "Neue Stücke aus Europa" kämpft mit finanziellen Engpässen. Ein Kommentar.

 

2014 findet das Festival wieder statt: Die Neuen Stücke aus Europa. Die Theaterbiennale in Wiesbaden wurde 1992 von Manfred Beilharz und Tankred Dorst in Bonn gegründet. Dieses Jahr nun setzt sich Manfred Beilharz zur Ruhe, und daher ist es mehr als fraglich, ob das Festival in der jetzigen Form weitergeführt wird. Die Theatermacher kämpfen mit finanziellen Engpässen: Hatte man letztes Jahr noch 1,3 Millionen Euro zur Verfügung, sind derzeit nur 750.000 Euro gesichert. Sowohl die Stadt Mainz als auch die Kulturstiftung des Bundes stiegen aus der gemeinsamen Finanzierung aus. Letztere darf nämlich satzungsgemäß nur innovative - also neue - Festivals finanzieren, doch nach wie vor wird Bayreuth und der Wagner-Clan weiter unterstützt. Gelebtes Europa unterliegt in der Förderungspolitik nationalistischer Tradition in Gestalt des Wagner-Clans. Eine bittere Pille, die man den Wiesbadenern da zu schlucken gab. Als neuer Unterstützer trat der Kulturfonds Frankfurt RheinMain hinzu, der das Festival und insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Mousonturm finanziell bezuschusst.

 

Klar, in Zeiten von Euro-Rettungsfonds und knapper Kassen sind für Kultur am wenigsten finanzielle Mittel vorhanden. Weshalb aber das größte und damit auch bedeutendste Festival europäischer Gegenwartsdramatik dem Rotstift zum Opfer fallen muss, entzieht sich jeglicher Logik. Autoren wie Dejan Dukovski, Yasmina Reza oder auch Werner Schwab wurden hier von einem breiten Publikum entdeckt. Stücke wurden außerhalb ihrer Herkunftsstaaten zum Renner. Und was machen die Geldgeber? Sparen es kaputt. Noch lächeln Manfred Beilharz und seine Mitstreiter. "Wir werden die Finanzierungslücke schließen. Wie, das wissen wir zwar nicht, aber wir packen das!" Zweckoptimismus.

 

Schade, eine neue Intendanz wird sich wohl kaum den Hintern aufreißen für das Lebenswerk ihres Vorgängers. "Neue Stücke aus Europa" ist das Lebenswerk eines großen Intendanten. Es sieht also ganz danach aus, dass dies dieses Jahr die letzte Biennale gewesen sein wird. Also geht hin, um zu zeigen: Europa braucht seine Theaterkultur! Und Solidarität.

 

 

 

Autor: 
Michael Bernartz
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