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Habgier, Nixen und kriegsversehrte Puppen

„No Strings Attached“, das Festival für Figurentheater und mehr, bringt im Mai wieder außergewöhnliche Theaterformen aus verschiedenen Ländern nach Mainz.

 

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und deshalb kann es schon mal schwierig werden, ihm Innovatives schmackhaft zu machen. Doch wer aus Skepsis nicht hingeht, der „verpasst was“, sagt Jürgen Hardeck, Leiter des Kultursommers Rheinland Pfalz. Das Programm ist vielversprechend – am liebsten möchte man sich gleich alle Inszenierungen ansehen. Dem diesjährigen Kultursommer-Thema „Natürlich Kultur“ nähern sich am Eröff nungswochenende vom 13. bis zum 15. Mai drei Inszenierungen auf ganz unterschiedliche Weise.

 

Auf der Malakoff -Terasse am Rheinufer setzt das niederländische Theater Tuig in einer großen Outdoor-Inszenierung ein überdimensionales Marionettentheater in Bewegung. Die menschliche Habgier, „Schraabzucht“ auf Holländisch, steht im Mittelpunkt der Geschichte, die mit beeindruckenden Bildern und getragen von Musik ganz ohne Worte auskommt.

 

Stan’s Café befasst sich mit der Horrorvorstellung vieler Studenten: der Statistik. Die Performance-Künstler wiegen statistische Zusammenhänge in Reiskörnern aus und visualisieren die Antworten auf eigensinnige Fragen über die Welt in einer Hügellandschaft. 1360 Kilo Reis mussten in die Kammerspiele geschaff t werden – das sind 81 Millionen Reiskörner, die Einwohnerzahl von Deutschland. Welche Zusammenhänge genau ausgewogen werden, verraten die Künstler noch nicht. In früheren Installationen gab es zum Beispiel einen Reishügel, der der Anzahl der Vegetarier entsprach und daneben einen der Leute, die an einem einzigen Tag bei McDonald’s essen. Der Reis wird nach dem Festival weiterverwertet, ungeöff nete Pakete werden Organisationen gespendet, der Rest geht an verschiedene Zoos. „Allein in Rheinland-Pfalz sind wir den Reis nicht losgeworden“, sagt Nike Poulakos, Organisatorin des Festivals.

 

Ein Weiher im Laubenheimer Ried wird an diesem Wochenende von Nixen bevölkert. Der Tänzer und die beiden Tänzerinnen von Studio Eclipse spielen, tanzen und interagieren auf einer schwimmenden Bühne und im Wasser – scheinbar, ohne je Luft zu holen. Für diese drei Inszenierungen gibt es das Weekender-Ticket für 19 Euro.

 

Die Artisten der Compagnie Le Boustrophédon haben sich in der Zirkusschule in Toulouse kennengelernt. Die jungen Absolventen zeigen eine verblüff ende Mischung aus Clownerie und Artistik, Masken- und Figurenspiel. So steckt zum Beispiel in einer kleinen Figur, in die auf den ersten Blick nur ein Kind passen würde, ein normalgroßer Mensch. Dabei muss Zirkus nicht immer nur lustig sein: Die Figuren stellen Kriegsversehrte da. Die Artisten haben das Stück während des Projekts „Clowns ohne Grenzen“ in Krisengebieten entwickelt.

 

Die Bühnenversion des DEFA-Kultfi lms „Die Legende von Paul und Paula“ zeigt Theaterkosmos 53. Rike Schubert lässt die Geschichte mit Magnetfi guren für den Kühlschrank lebendig werden und liefert den dazugehörigen Soundtrack von den Puhdys live mit ihrer E-Gitarre. Auf dem Festival gibt es noch vieles mehr zu sehen, unter anderem drei Kinderstücke, die aber auch für Erwachsene interessant sind. „Umso besser, wenn man noch ein Alibi-Kind dabei hat“, sagt Nike Poulakos.

 

No Strings Attached – Figurentheater und mehr
13. bis 29. Mai
Kammerspiele, KUZ, Malakoff -Terasse, Kirschgarten und Weiher am Laubenheimer Ried, Mainz

 

Autor: 
Dominique Heinbach
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Galerie: 
Pétul et Jean-Marcel saluent en patin à roulettes (Compagnie Le Boustrophédon mit "Court-Miracles"). Foto: Raphaël KANN
Gesellschaftskritik im überdimensionalen Marionettentheater: Theater Tuig mit "Schraapzucht". Foto: Anke Teunissen
Stan's Cafe mit "Of all the people in the world". Foto: Ed Dimsdale
Es gibt Reis! Stan's Cafe mit "Of all the people in the world". Foto: Ed Dimsdale
Studio Eclipse mit "Two sink, three float". Foto: Joris Hol
Michael Hatzius und "Die Echse". Foto: Saskia Schon
"Paula und Paula - eine Legende" vom Theaterkosmos 53. Foto: Rike Schubert
Ilka Schönbein vom Theater Meschugge in "Die Alte und das Biest". Foto: Mario del Curto