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Hart, härter, Zement

In einer Fassung von Juliane Kann bringt das Staatstheater Mainz Ian McEwans umstrittenen Romanerfolg „Der Zementgarten“ auf die Bühne. Am Mittwoch war Premiere auf dem Deck3.

 

Mit rosafarbenen Häschenohren und einer kindlichen Stimme betritt ein junger Mann die Bühne. Er erzählt von seinem Traumgarten, von Kaninchen und einer Eisdiele. Das Publikum lacht und schwelgt in süßen Fantasien. „Eigentlich ist unser Garten aus Zement“. Möge das Spiel beginnen.

 

Julie (Ulrike Beerbaum), Jack (Felix Mühlen), Sue (Josephin Thomas) und Tom (Matthias Spaan) sind Geschwister. Ihr Vater ist vor kurzem gestorben und ihre Mutter liegt schwer krank in ihrem Bett. Bald beginnen sich Machtspielchen zwischen den Geschwistern zu entwickeln. Als die Mutter stirbt, beschließen sie sie im Keller einzuzementieren. In dem engen Kosmos, indem sie fortan leben, entdecken sie ihre sexuelle Identität, die schlussendlich sogar zum Inzest zwischen Jack und Julie führt.

 

Unter der Regie von Juliane Kann wird nicht nur der Zementgarten, sondern zugleich auch der Irrgarten, indem sich die vier Figuren befinden, herausgearbeitet. Die Bühne wird zum Gartenhaus, zum Keller, zum Raumschiff und zum Gefängnis, aus dem sie es nicht vermögen, auszubrechen. Der einhergehende Verlust der Privatsphäre und die aufkeimende sexuelle Energie zwischen den Geschwistern spiegelt sich in den Kostümwechseln wieder. Das Mauermuster ziehen sie sich selbst und gegenseitig ab, bis sie in bunten Bikinis und Badehosen aufblühen. Lustig-unterhaltsam ist die Inszenierung des extremst die Gürtellinie tangierenden Stoffes und leider liegt genau da das Problem: Das Stück wirkt hier eher wie ein missratener Kindergeburtstag, bei dem mit unterschiedlichster und unnützer Technik gespielt wird, als wie die Darstellung der aufkeimenden Sexualität in der Isolation.

 

 

 

 

 

 

Autor: 
Lisa-Mareike Junge
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Foto: Bettina Müller
Foto: Bettina Müller
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