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Hauptsache billig. TV ist blöd.
Letzten Monat stand an dieser Stelle ein Plädoyer für einen entspannteren Umgang mit dem Fernsehen. Aber macht die Glotze vielleicht doch dumm?
Das deutsche Fernsehen verliert in den letzten Jahren immer mehr an Qualität. Und das umso mehr, je mehr die Sender um Einschaltquoten kämpfen. Einer der Tiefpunkte der letzten Jahre: Der Auftritt des 9-Live-Moderators und selbsternannten Schlagerstars Jürgen Milski im ZDF-Fernsehgarten. Man meinte „Der Jürgen“ sei eben Kult, ein Publikumsliebling, weshalb man nicht um ihn herum komme. An dem Tag schaffte ich meinen Fernseher ab.
Von Kanzlerfernsehen und Call-In-TV
Wie aber kommt es, dass immer mehr Pseudo-Reality-Sendungen, seichte Soaps und Call-In-Quizshows nicht nur die Bildschirme, sondern scheinbar auch die Gunst der Zuschauer erobern?
Die Entwicklung begann wahrscheinlich schon früh in den sechziger Jahren, als das ZDF als schwarz-konservativer Sender „ARD 2“ einen Gegenpart zur vermeintlich „roten“ ARD bilden sollte. Das war der eigentliche Grund zur Gründung des ZDF. Adenauer wollte einen eigenen „Kanzlersender“, scheiterte allerdings am Widerstand des Bundesverfassungsgerichts. Seichtes Schönwetter-Fernsehen blieb ihm lieber als kritischer Journalismus. Mit dem ersten ZDF-Intendanten Johannes Karl Holzamer kam wohl auch deswegen ein konservativer Freund an die Spitze des neuen Kanals. Das war 1961.
Als dann später in den Achtzigern die privaten Sender dazu kamen, begann der Kampf um die Zuschauer abermals, diesmal allerdings zwischen den Öffentlich-Rechtlichen auf der einen und den Privaten auf der anderen Seite. Die Privaten begannen denn auch recht früh, Informationssendungen durch seichte Spielshows zu ersetzen. Die waren leichter zu konsumieren und wurden dadurch beliebt auf dem Massenmarkt. Mehr Zuschauer bedeuteten natürlich mehr Werbeeinnahmen. Und das einzige Ziel der Sender wurde die Gewinnmaximierung.
Zeitsprung. Wir sind nun im 21. Jahrhundert, und die privaten Fernsehsender, allen voran die zerschlagene Kirchgruppe (heute unter anderem Pro7) werden zum Spielball der Aktionäre. „Permira“, ein Hedgefonds, kauft die Sendergruppe vom Medienmogul Haim Saban und gleich dazu auch 9-Live dazu, welcher unter Vorbesitzer Rupert Murdoch aus „tm3“ gezimmert wurde. Murdoch hatte den Sender tm3 ausgeschlachtet, bis nur noch Call-In-Shows übrigblieben. Die sind unabhängig von den seit Mitte der Neunziger sinkenden Werbeeinnahmen und bringen Geld, weil die Zuschauer bezahlen. Die Produktionskosten sind in etwa so groß wie die eines besseren Videoblogs: also sehr billig. Auch auf den Hauptsendern wurden die Produktionen immer billiger, statt traditioneller Serien gibt es krawallige Pseudo-Doku-Soaps. Aus Sicht der Fondsmanager durchaus logisch: Es bringt einigermaßen gutes Geld bei extrem kleinem Einsatz. Journalistisches denken wird da unwichtig.
Der Pygmalion-Effekt
Je mehr flache Unterhaltung im Fernsehen läuft, desto mehr scheinen die Zuschauer das so zu wollen. Hier scheint der aus der Psychologie bekannte „Pygmalion-Effekt“ zu wirken: Wenn man jemanden wie einen Idioten behandelt, wird er mit der Zeit wirklich dumm. Deshalb gibt es im Fernsehen wohl nur leichte Kost, Schadenfreude, sinnfreie Unterhaltung, und das möglichst oft und viel davon. Dann werden damit berieselte Menschen beherrschbar. Man ist versucht zu denken, je mehr nicht vermittelbare Arbeitslose eine Gesellschaft hat, desto mehr Sendungen wie „Frauentausch“ und Call-In-Shows braucht man, um die hungrige Meute bei der Stange zu halten. Denn diese sitzen zu Hause und konsumieren dies alles.
Und wie sieht es heute bei den öffentlich-rechtlichen Sendern aus? Nicht viel besser, vor allem deshalb nicht, weil die Vollprogramme immer mehr junge Zuschauer verlieren. Man versucht mit „Brot-und-Spiele-TV“ wie eingangs erwähntem „Fernsehgarten“-Auftritt wieder „Zuschauer zu ziehen“. Ob man dafür GEZ-Beiträge verbraten darf? Ich glaube nicht. Ich möchte hier nicht über das „Für und Wider“ GEZ sprechen. Es gibt ja einige wenige positive Beispiele wie „Report Mainz“, „Panorama“, „Monitor“ oder auch die „heute-Show“. Auch die Spartenkanäle der öffentlich-rechtlichen Anstalten zeigen häufig ein tolles Programm. Die Vollprogramme aber sind zumindest zur Primetime voll von Müll. Der öffentlich-rechtliche Bildungs- und Informationsauftrag wird dann erfüllt, wenn das öffentlich-rechtliche Volk schläft.
Eine gegenteiige Meinung zum Thema TV findet sich hier.
















