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Horizontal Global

„Whores’s Glory – Ein Triptychon zur Prostitution“ von Michael Glawogger im Kino. Ein nicht kommentierender Dokumentarfilm.

 

Kulturelle Konflikte: Daraus ist der Stoff, der sowohl Weltpolitik als auch die kleinen privaten Geschichten bestehen. Michael Glawogger versteht die Kunst, sie zu erzählen. Sowohl fiktiv als auch dokumentarisch. Sein Namensvetter Michael Moore als Spielfilmregisseur? Undenkbar. Scripted Reality? In den USA vielleicht. Glawogger hat dies nicht nötig. Die Bilder seiner Dokumentarfilme sprechen für sich. Sei es in seinem berühmt gewordenen Werken über „Megacities“ oder „Workingman´s Death“ als auch hier.

 

In eindrucksvollen Bildern schildert er unkommentiert und einfühlsam, wenn auch dennoch distanziert den Alltag von „Huren“, Frauen, die, um zu überleben, dem ältesten Gewerbe der Welt nachgehen. Dabei interessiert den Österreicher die Thematik aus der Sicht der Globalisierung. Nicht der edle Escort westlicher Staaten wird zum Objekt seiner Millieustudie. Nein, es sind die Frauen der Laufhäuser in Entwicklungs- und Schwellenländern, die sein Interesse erweckten. Dabei beobachtet er ruhig, ohne voyeuristisch zu werden. Zugegebenermaßen kein einfaches Unterfangen bei einem so heißen Eisen wie dem Thema der Prostitution.

 

Und dann eben dieser kulturelle Konflikt in einem Teil seiner Schauplätze, der sich zu einer persönlichen Zwiegespaltenheit der Protagonistinnen ausweitet: Die Religionen der Länder seiner Bestandsaufnahme könnten unterschiedlicher nicht sein: Bangkok als „westliche“ Hauptstadt des Sextourismus und der „Fleischmarkt“ im XXL-Bordell „Fishtank“: Frauen hinter einer Art Schaufenster der Begutachtung durch die potentiellen Freier zur Schau gestellt. Freiwillige Prostitution die gesellschaftlich weitestgehend akzeptiert ist. Viele sehen ihren Job hier als „Übergamgslösung“ um schnell Geld zu machen und um dann – Mitte dreissig – wieder auszusteigen. Hier gehört Prostitution zum öffentlichen Alltag wie hierzulande Rockkneipen. Der Buddhismus verbietet es nicht, verurteilt es nicht. Daher hat auch die Zivilgesellschaft kein größeres Problem damit. Reeperbahn Marke Fernost, sauber wie mit Straßenkehrmaschinen.

 

Weiter geht es in Richtung Bangladesh. „Stadt der Freuden“, zynischer könnte der Name eines rießigen Bordells in Faridpur kaum sein, in dem Frauen um ihr Existenzminimum kämpfen. Hier herrscht immer noch eine Form der Erbsklaverei: Wie in den Pioniertagen der USA Kinder von Sklaven in die Sklaverei geboren wurden, so werden hier die Kinder der Frauen „erzogen“: Zu Prostituierten. Damit dies auch so bleibt, dafür sorgen die Puffmütter. Dabei sind die Frauen hier oftmals streng gläubige Muslimas. Und ihre Freier ebenso religiös. Doch Menschenwürde, wie es die Religion für jeden Gläubigen eigentlich fordert, wird hier von niemandem gewährt. Die Ehefrauen und eigene Kinder werden respektiert, wenn man bei den Fremdgängern davon sprechen kann. Prostituierte und deren Kinder? Rechtlos. Sind doch nur Schlampen, nicht so wie Mutti...

 

Und weiter geht es mit der horizontalen Weltumseglung nach Mexiko. In Reynosa besucht das Kamerateam das von der Polizei bewachte Hurenviertel „La Zona“. Und natürlich ist die Mafia auch nicht weit. In Mexiko ist man katholisch, streng katholisch. Und dennoch floriert die Prostitution.  Hier sind die Frauen am schamlosesten, am offensten. Die Bilder bleiben auch hier unkommentiert, doch denkt man unweigerlich an die biblischen Städte Sodom und Gomorrha oder an das mittelalterliche, von Fäkalien verdreckte Tübingen. Wer die Verlogenheit der offiziellen Gesellschaft im Vergleich zu ihren Praktiken sucht, der wird hier fündig.

 

Globalisierung und kulturelle Konflikte – es ist das große Gesamtbild, was Glawogger inspiriert und interessiert. Auch wenn es sich um geschnittenes Material handelt, ist der Film anders. Österreichische Schule, die zeigt, und nicht kommentiert. Ihre Bilder kommentieren sich im Kopf des Zuschauers selber. Das kennen wir. Dokumentationen wie „Wie feed the World“ oder auch „Unser täglich Fleisch“ sind genauso gestrickt. Ein wertvoller Film, aber keines Falls Popcornkino. Empfehlenswerte Aufnahmen für jeden, der hinter die Kulissen unserer Welt schauen mag. Und Diskussionsstoff braucht.

 

Whores’ Glory – Ein Triptychon zur Protsitution
Buch und Regie: Michael Glawogger (AU, 2011)
Spieldauer: 118 Min.
Sprache: Mehrsprachig mit Untertiteln
FSK: k.A.
Kino-Start: 29. September 2011
 

 

Autor: 
Michael Bernatz
Ressort:
Film / Kino
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Whores' Glory - Bangladesch
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Whores' Glory - Mexiko
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Whores' Glory - Bangkok
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