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„Ich bin ein einziges wandelndes Problem!“

Im Rahmen der jungen Woche 2011 der Maifestspiele wurde Esther Rölz' „Hide&Seek“ erfolgreich von Stefan Schletter uraufgeführt und begeistert die Zuschauer durch  großartige schauspielerische Leistung, liebevolles Bühnenbild und emotionsgeladene Thematik.

 

„Where are we? What the hell ist going on?. . .“, fragt sich die mitreißende Stimme von Imogen Heap in ihrem Lied „Hide&Seek“, und man hätte kein geeigneteres Lied finden können, um den Abend im ausverkauften Studio des Staatstheater Wiesbadens zu beginnen. Esther Rölz' Stück teilt nicht nur den Namen des Liedes, nein, ihre vier jugendlichen Protagonisten müssen sich auch mit diesen universalen Fragen auseinandersetzen. Sie befinden sich auf der Grenze zwischen Kind sein und erwachsen werden und finden unterschiedliche Mittel und Wege, um mit den Veränderungen umzugehen.

 

Zuflucht Mädchentoilette
Während die hübsche Vanessa (Carolin Freund) ihre ersten Liebeserfahrungen mit Luca (Sergej Gößner) und Daniel (Wolfgang Zarnack) genießt, versucht Paula (Lilian Mazbouh) verzweifelt den Lauf der Zeit aufzuhalten. Aber die russische Putzfrau und Mutter von Luca (Elke Opitz), der eigentlich Lefka heißt, zeigt, dass die Probleme mit dem erwachsen sein   nicht aufhören. In Paulas Gefühlswirrwarr ist ihre einzige Zuflucht ein Ort, der als der „einsamste Ort der Schule“ gilt: die Mädchentoilette. Hier fühlt sich Paula sicher und kann ihren größten Wunsch, ein Kind zu sein und zu bleiben, ausleben. Hinter den schwarz-weißen Fliesen unter der Toilette bietet ihr ein kleines Fach ein geeignetes Versteck für ihre kleine Holzkiste, in der sie ihre Kindheitserinnerungen zu bewahren versucht.

 

Das Bühnenbild einer Mädchentoilette ist von Regisseur Schletter liebevoll gestaltet und die kleine Bühne des Studios perfekt genutzt. Der Zuschauer kann sich zusammen mit Paula an diesen Ort zurückziehen, wobei die Atmosphäre eines Schulklos hervorragend transportiert wird. Weiche und leicht transparente Vorhänge teilen den Raum ein und werden zwischen den Szenen für kleinere Choreographien genutzt, die in einer emotionalen und impulsiven Art und Weise das Gefühlsleben der Jugendlichen ausdrücken. Zudem werden auf die Vorhänge stellenweise Videos von realen Ereignissen projiziert, die im Zusammenspiel mit Choreographie und Musik den Bühnenraum perfekt inszenieren. Diese von Sven und Frank Sauer entwickelten „Matte Paintings“ bilden die perfekten Schnitte zwischen den Szenen. Sie ziehen den Zuschauer in ihren Bann und Gefühle von Zerrissenheit und Orientierungslosigkeit werden eindrucksvoll vermittelt.

 

Den Spagat zwischen Emotionalität und erfrischendem Humor schaffen die Schauspieler hervorragend. Die bezaubernde Lilian Mazbouh stellt die verschiedenen Facetten der toughen, aber zugleich zerbrechlichen und unsicheren Paula perfekt dar und sorgt dafür, dass der Zuschauer ein wahres Wechselbad der Gefühle erlebt. Doch auch die anderen Schauspieler überzeugen durch Spielfreude und Authentizität, vor allem Elke Opitz hat mit ihrer Darstellung der Frank-Sinatra-summenden russischen Putzfrau viele Lacher auf ihrer Seite. Nur die Rolle des Drogen dealenden Daniels bleibt im Vergleich zu den anderen Figuren etwas blass und oberflächlich.

 

Jung? Alt? Egal.

Obwohl „Hide&Seek“ Themen wie Lügen, Diskriminierung und Drogen behandelt, wird an keiner Stelle der moralische Zeigefinger erhoben. Es ist auch gar nicht nötig, dass Phrasen wie „Keine Macht den Drogen“ oder ähnliches abgespielt werden, denn die überzeugenden Dialoge und der berührende Höhepunkt sprechen für sich. Die Ausarbeitung ist auf Kinder ab 13 Jahren abgestimmt, aber das Publikum, welches vornehmlich aus Erwachsenen bestand, bewies, dass die Suche nach der eigenen Identität und die Schwierigkeiten in der Schule und im Leben Zuschauer jedes Alters anspricht.

 

Am Ende kann man eindeutig von einer Win-Win-Situation sprechen, denn während sich die Schauspieler, Esther Rölz und der Regisseur Stefan Schletter über einen minutenlangen, begeisterten Applaus freuen konnten, geht der Zuschauer mit dem Gefühl nach Hause, gerade ein herausragend gutes Theaterstück gesehen und vor allem gefühlt zu haben.

 

Foto: Jasmin Zwick

Autor: 
Laura Brechmann
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