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STUZ Clubnacht im Mai
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„Ich bin Tänzer und Schläfer“

Rau und düster präsentieren sich Cargo City auf ihrer neuen Platte „Dance/Sleep“. Was das mit den Lasten des Alters und einem Faible für Tatort zu tun hat, verriet Sänger Simon Konrad der STUZ.

 

STUZ: Simon, du hast Cargo City erst als Solo-Projekt gegründet und jetzt seid ihr eine fünfköpfige Band. Wie kam es zu dieser Veränderung?

 

Simon: Wir haben viel zusammen geprobt, sind getourt, und es war einfach ein natürlicher Prozess, dass wir uns als Band zusammengetan haben. Ich denke auch, dass das Publikum uns eher als Band wahrgenommen hat, nicht so sehr als Singer/Songwriter-Projekt. Wir haben dann einfach irgendwann gesagt: Ok, jetzt sind wir offiziell eine Band.

 

Waren die Aufnahmen für euer neues Album irgendwie anders für dich?

 

Ja, es war auf jeden Fall schon ein anderes Gefühl. Es war oft so, dass ich mit Lead-Ideen ankam und mit unserem Schlagzeuger Felix im Proberaum eingesperrt war. Wir haben zusammen an den Schlagzeug-Parts gebastelt und sind dann ins Studio gegangen. Tommy, unsere Basser, hat auch bei ein paar Texten mitgeschrieben. Das war schon ein Unterschied. Aber der Vorschlag, eine Band zu sein, kam von mir.

 

Euer Sound ist rauer und elektronischer geworden. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

 

Ich glaube, das hat auch damit zu tun, dass wir jetzt eine Band sind. Wirt haben viele Lieder mehr mit dem Schlagzeug ausgearbeitet und dadurch sind wir auch etwas rockiger und rauer geworden. Der Bandcharakter schlägt ein bisschen mehr durch jetzt.

 

Auf „Dance/Sleep“ sind auch zum Teil sehr ernste Stücke drauf, etwa „The Choir“, eine Art Krimigeschichte. Möchtest du mehr über ernstere Themen schreiben?

 

Ich glaube, das hat etwas mit meinem Alter zu tun. Ich bin gerade 30 geworden und rücke dem Tod langsam näher (lacht). Nein, ich weiß es nicht. Mir geht es eigentlich gut und ich weiß auch nicht genau, warum die Lieder ernster sind. Man muss sich jedenfalls keine Sorgen um mich machen.

 

Was hast du im Hinterkopf, wenn du deine Songs schreibst?

 

Meine Inspirationsquelle war zum Beispiel Tatort, weil ich ein großer Fan davon bin. Ich dachte, man kann mal eine Krimigeschichte schreiben und da hat mir auch Tommy geholfen, weil ich an einigen Stellen nicht weiter gekommen bin. Ansonsten der Alltag, wenn man in der U-Bahn sitzt und Musik hört. Dann fällt einem etwas auf, was man sieht oder hört. Fernsehen manchmal auch, oder Mitmenschen.

 

„Dance/Sleep“ ist ein schneller Track eurer Platte. Seid ihr eher Tänzer oder Schläfer?

 

Oh, das ist sehr unterschiedlich. Auf Tour bin ich eher der Tänzer, denn ich kann schlecht schlafen in fremden Betten. Und unter Alkoholeinfluss hab ich eine Schlafenszeit von 4 oder 5 Stunden. Das wird auf Dauer ziemlich energieraubend. Aber ich bin insgesamt schon beides, Tänzer und Schläfer.

 

Mit welchen Bands würdet ihr euch am ehesten vergleichen? Ihr klingt ziemlich nach Shout Out Louds, oder?

 

Echt? Das wird unsere Keyboarderin Nadine freuen. Sie mag die voll, aber ich höre die nicht so. Viele sagen auch Placebo, weil meine Stimme anscheinend genauso klingt. Ansonsten Muse halt noch ein bisschen.

 

Als Einflüsse gebt ihr Radiohead, Deftones und Foo Fighters an, aber ihr spielt selbst Indie-Pop.

 

Ich würde trotzdem sagen, dass die Deftones schon ein Einfluss für mich sind. Es heißt ja nicht, dass man die Musik eins zu eins kopiert. Man kriegt einfach Lust, selbst Musik zu spielen. Die Songs beruhen ja auf dem, was mit der Akustikgitarre geschrieben wurde und dann kann man schlecht Metal daraus machen. Indie-Pop liegt da am nächsten.

 

Was bedeutet für dich Indie?

 

Indie bedeutet ja vor allem frei, und das sollte man auch so verstehen. Wenn man zum Beispiel Beirut mit den Cardigans vergleicht, dann sind das schon verschiedene Musikstile. Aber man kann ja schlecht für jede Band ein eigenes Genre erfinden, deswegen wird das glaube ich alles unter dem Überbegriff „Indie“ zusammengefasst. Das heißt aber auch, dass man sich frei bewegen und verschiedene Sachen ausprobieren kann.

 

Ihr habt vier Tracks zum Soundtrack des Films „Vincent will Meer“ beigesteuert und werdet auch den neuen Film „Bastard“ musikalische unterstützen.

 

Unser Produzent hat mit seinen Kollegen Filmmusik für „Vincent will Meer“ gemacht – also Instrumentalmusik – und dann wurden auch noch normale Songs benötigt. Wir wurden dann gefragt, ob wir Gesangsmelodien und Texte schreiben können. Ich kannte den Film vorher nicht, nur die Bergszene, und hab mich mit „Point Of View“ ein bisschen daran orientiert. Bei „Bastard“ ist es genauso abgelaufen. Da ist schon alles fertig.

 

Du bist eigentlich Sozialpädagoge. Wir steht dein Beruf mit deinem Musikerdasein in Zusammenhang?

 

Also wenn ich auf Tour bin, sehe ich mich eigentlich überhaupt nicht als Sozialpädagoge. Sonst bin ich halt Sozialpädagoge. Manchmal denke ich schon darüber nach, ob ich über eine Sache, die mich bei der Arbeit beschäftigt, einen Text schreiben soll. Aber es ist wohl schon besser, dass ich das trenne.

Autor: 
Lara Malm
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