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Ich steh auf (Vorge)Lesungen

Jan Egge Sedelies. Merkt euch den Namen. Jan-Egge-Sedelies. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung, für die er selbst auch schreibt, betitelt seine Texte als „hoch politisch, intelligent und unterhaltsam“. Auf den Punkt getroffen. Obwohl er erst knapp über dreißig ist, scheint er auf der Karriereleiter schon weit oben zu stehen, zumindest seinem Engagement nach zu urteilen. Er ist Poetry Slammer, Journalist, Teil der Beatpoeten, die im Volksmund ausgedrückt Elektropunk machen, Moderator von Musikveranstaltungen und – nicht zuletzt – Autor. Der Scheinwerfer wird auf ihn gerichtet, ohne großen Prolog legt er gleich los mit seinem Text, der bestimmt dreißig Minuten lang keine Pause hat, doch von mir aus hätte er eine ganze Stunde ohne Unterbrechung lesen können. Emotionsgeladen, in sowohl poetische als auch pragmatische Wörter verpackt, spricht er von der Geschlechterverkategorisierung, von lächerlichen Oberflächlichkeiten, von der Gentrifizierung, von Gewalt, Individualität, von Neonazis. In kürzester Zeit arbeitet er alle denkbaren brandaktuellen Themen in einem Text ab, die nur durch seinen atemlos gesagten „Schnitt“ von Thema zu Thema fliehen. Es fallen Sätze wie: „Ich will keine Befriedigung, denn sie ist das Ende der Lust“, und mein Herz macht einen Freudensprung über so einen Satz, den er mit einer Leichtigkeit hervorbringt, als ob diese Erkenntnis die naheliegendste aller sei. „Die Revolution im Veranstaltungsmagazin“ nennt sich sein Werk. Her damit!

 

Den wirklich krönenden Abschluss bot Ralf König, den einige wegen seiner witzigen Comiczeichnungen vom Hören her kennen. Er hielt eine Comicvorlesung. Komische Idee, dachte ich zuerst, aber als auch ich mich vor Lachen biegend auf die Leinwand starrend vorfand, war es plötzlich die coolste Idee der Welt. Immerhin hatten die Besucher für ihn auch den doppelten Preis gezahlt, im Gegensatz zu dem finanziellen Anspruch seiner Vorgänger. Ralf König warb für seinen Comic „Der dicke König“, indem er sich stimmlich so ins Zeug legte, dass ich mit geschlossenen Augen dachte, dass da mehrere Personen auf der Bühne sitzen, um die Sprechblasen der kleinen Comicfiguren zu beleben. Da der Zeichner selbst schwul ist, macht er in seinen kleinen Geschichten immer die Sexualität zum Thema und kennt dabei kein Pardon. Ob nun Gott an Adam testet, ob dessen Penis funktioniert oder ein schwuler Mann mit seiner Mutter am Mittagstisch sitzt und sie ihn fragt, wie das eigentlich mit dem Analverkehr und dem Kot im Hintern ist – die Besucher im Raum konnten sich kaum mehr halten vor Lachen.
Nachdem die letzte Sprechblase vorgelesen war, gingen alle mit einem seligen Lächeln und einer schönen Erfahrung mehr nach Hause.

Autor: 
Lisa Maucher
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Klaus Bittermann
Kersten Flentner
Jan Egge Sedelies
noch einmal Jan Egge Sedelies
Ralf König

Kommentare

Boah ist das schlecht geschrieben! Schade für eine solch wunderbare Veranstaltung...